WWW 07 – Tage 1 bis 4: Von Altweitra nach Dobersberg

Wenn sich aktuell wandermäßig nicht viel tut, muss ich auf meine Tourenhistorie zurückgreifen und die führt mich zunächst ins Waldviertel zum Startpunkt des „Ostösterreichischen Grenzlandweges“ mit der Nummer 07 bzw. 07A. Wo aber liegt dessen Anfang nun? Der Hauptweg beginnt am Nebelstein, dieser ist öffentlich allerdings weniger gut zu erreichen, weil ein längerer Zustieg vonnöten ist. Ich entscheide mich deshalb für die Variante und wähle Altweitra als Ausgangsort.

In diesem Beitrag fasse ich folgende Etappen zusammen:

  • 19.09.2009: Altweitra – Mandlstein – Moorbad Harbach – Weitra
  • 20.09.2009: Weitra – Groß Dietmanns – Gmünd
  • 25.10.2014: Gmünd – Schrems (Eugenia) – Heidenreichstein – Wiedenauer Teich
  • 26.10.2014: Wiedenauer Teich – Waidhofen/Thaya – Thaya – Dobersberg

Noch bei klarem Sternenhimmel von daheim aufgebrochen muss ich noch bei der Anreise nach Altweitra erfahren, was es bedeutet im Herbst im Waldviertel unterwegs zu sein. Die zahlreichen Moorböden verstärken die Neigung zu Nebel. So ist es nicht verwunderlich, dass ich in einem eher trostlos wirkenden Gmünd dem Zug entsteige. Die Weiterfahrt in einem Taxibus nach Altweitra dauert dann nur noch wenige Minuten und ich begebe mich sogleich zur Kirche im benachbarten Unserfrau.

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die Kirche von Unserfrau

Von der Kirche halte ich noch auf der Straße Richtung Schagges zu, bald zweigt aber ein Karrenweg nach rechts in die Ausläufer des Reinprechtsforstes ab. Der Waldboden nimmt sofort den für das Waldviertel typischen Moosüberzug an. Feucht und sumpfig ist es hier, ich muss achtgeben, wo ich hintrete. Ich passiere den einen oder anderen Fischteich im Gebiet der „Hauslüß“, auf dem richtigen Weg wähne ich mich allerdings nicht immer. Kurz vor Heinrichs finde ich meine Markierung wieder und schwenke nach links zum Anstieg auf den Kudelring. Nach dessen Überschreitung wird der Weg zu einem schmalen, teils seilversicherten Pfad, in dessen Bereich ich an einigen interessanten Granitsteinblöcken und Wackelsteinen vorbeikomme. Die nächste zu erklimmende Anhöhe ist der „Hut“, welcher hier sowohl als Granitsteinformation als auch mit seinen 838m als Hausberg der Heinrichser fungiert.

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Anstiegsweg zum „Hut“

Nach kurzem Abstieg quere ich die Straße von Heinrichs  nach Moorbad Harbach und schwinge mich auf der anderen Seite zum Gipfel des Mandlstein auf. Hier wird der Nebel besonders dicht und auch der Wind bläst ordentlich. Trotz dieser widrige Umstände mache ich hier meine Mittagspause – im Stehen wohlgemerkt, trotz vorhandener Sitzgelegenheit!

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am Gipfel des Mandlstein – mit 10m Aussicht

Nach ca. 15 Minuten wird mir das zu „anstrengend“ und ich setze den Weg hinunter nach Moorbad Harbach fort, zunächst zur Straße und dann auf dieser oder auf einem parallel zu ihr verlaufenden Güterweg. Ich marschiere durch den Ort am Kurhaus und am Gasthof „Holzmühle“ vorbei, übersetze den Hirschenwiesbach und die nach Hirschenwies führende Straße bis zu einer Wegteilung im Gebiet „Maißen“. Von hier sollte ich eigentlich zum Nebelstein mit seiner gleichnamigen Schutzhütte aufsteigen, doch passiert mir hier ein zeitraubendes Missgeschick und ich biege fälschlicherweise nach rechts ab anstatt geradeaus weiterzugehen. Eine rot-weiß-rote Markierung und die vermeintlich korrekte Wegnummer verleiten mich dazu und ich bemerke meinen Irrtum erst, als ich wieder aus dem Wald komme und in einer Senke die Ortschaft Hirschenwies erkenne.

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ein Teich bei Hirschenwies – hier bin ich nicht mehr am richtigen Weg

Zwar kann ich auch von Hirschenwies aus auf den Nebelstein aufsteigen, die Uhr zeigt jedoch bereits 15:30 und ich muss im drei Stunden entfernten Weitra noch ein Quartier suchen. Also zurück zur Wegteilung und zum Gasthof „Holzmühle“, von dort weiter hinab vorbei an der „Steinernen Frau“ und durch Wultschau auf der Straße. Bald nach Wultschau zweigt ein Weg in den „Hinteren Hartwald“ ab. Dieser Weg bringt mich zur Lainsitz und weiter durchs Gabrielental in die Stadt Weitra, wo ich beim letzten Tageslicht eintreffe. Tja, am Wochenende ist die Quartiersuche ohne Vorreservierung hier schwierig, ich habe aber Glück und komme privat am südlichen Stadtrand unter. Bei der Quartiergeberin kann ich mich nur noch an den Vornamen erinnern. Eine Ludmilla scheint mir hier im Land doch eher selten unterzukommen. Sollte sie noch vermieten, kann ich sie durchaus empfehlen.

Anderntags sehe ich mich zuerst noch ein wenig auf dem Hauptplatz um. Es gibt da ein paar ganz nette und fotogene Hausfassaden und das Hotel Brauhaus, dessen Rezeptionistin ich auch für die Unterstützung bei der Quartiersuche dankbar bin.

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am Hauptplatz von Weitra

Obwohl die Stadt einen ausführlichen Besichtigungsrundgang rechtfertigen würde, hält es mich nicht lange hier. Es ist nebelig und recht kühl, also muss ich mich schneller bewegen. Einige Male übersetze ich die Schmalspurbahn, bevor sich die Straße langgezogen nach Ulrichs hinab senkt um am Gegenhang wieder steil und kurvig anzusteigen und danach am verfallenden Friedrichshof vorbei auf die Straße von Altweitra nach Hörmanns zu stoßen. Über einen Feldsaum erreiche ich den sogenannten „Satzungswald“ und steige sodann durch den „Eisengraben“ hinab nach Groß-Dietmanns, wo ich mir eine Pause gönne. Gleich außerhalb des Ortes gelange ich wieder an eine Weggabelung mit einem Wegkreuz. Diesmal passe ich besser auf Markierung und Wegnummer auf und riskiere auch einen Kontrollblick in meine Kompass-Faltkarte (Anm.: Das war die letzte Tour, bei der ich derartige Karten mitführte).

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Wegteilung nach Groß-Dietmanns – links geht’s weiter

Der 07er beschreibt hier ein Eck in den Asangwald hinein. Nach etwa einer Stunde gibt mich der Wald am anderen Ende bei einer Asphaltstraße wieder frei. Ich folge der Straße nun in Richtung Gmünd und dann nach rechts dem Teichkettenweg. Dieser heißt so, weil man hier an einer Abfolge nebeneinander liegender Teiche bis an den Stadtrand von Gmünd entlang wandern kann.

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auf dem Teichkettenweg: hier der Neuteich

Gleich nach der Unterführung der Franz Josefs-Bahn geht’s linker Hand zum Bahnhof (also im Jahr 2009 auch für mich) und halbrechts am Fuchsteich vorbei in den Malerwinkel und kurz darauf in den Naturpark Blockheide. Letzteren stelle ich mir durchaus sehens- und erwandernswert vor, mein Zeitbudget ist aber viel zu knapp dafür, schließlich gilt es an diesem Oktobertag noch Seyfrieds kurz nach Heidenreichstein zu erreichen. Aus diesem Grund kommt an diesem eher grauen Tag auch ein Aufstieg auf den Aussichtsturm nicht in Betracht.

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Naturpark Blockheide mit Aussichtswarte

Groß- und Kleineibenstein, das Jagdhaus Ludwigsthal, der Hubertusbildstock und Schrems-Eugenia sind die nächsten Stationen auf meinem Weg. In Eugenia raste ich in einem Buswartehäuschen und studiere den Weiterweg nach Amaliendorf. Wenige Schritte später empfiehlt sich eine Kellerzeile als Fotomotiv – aber ist das Weinviertel nicht noch vier Tagesmärsche entfernt weiter im Osten? Hier wird wohl etwas anderes gelagert, jedenfalls ist mir in dieser Gegend keine einzige Riede untergekommen.

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Kellergasse in Eugenia

Gleich nach Eugenia stehen kilometerlange Forststraßen auf dem Wanderprogramm. Hartberg nennt sich dieses Waldgebiet. Etwa am Fuße des Machoberges (der ist wirklich so in meiner Kompass-Karte eingetragen!) beginnen dann die Wackelsteine, welche mich bis Amaliendorf begleiten. Für ein besonderes Exemplar mache ich sogar einen kurzen Abstecher auf einen Nebenpfad.

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Wackelstein bei Amaliendorf

Amaliendorf zieht sich in die Länge, auch weil der Ort mit dem benachbarten Aalfang mittlerweile zusammengewachsen ist, vor allem aber, weil ich seit dem Ortsbeginn wieder auf Asphalt unterwegs bin.

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seltsame Ortsnamen gibt es hier…

Die nächste Durchgangsstation ist Wielandsberg, wo ich die Straße endlich wieder verlassen darf und durch den Meinhartswald bis zum Kaltenbachteich gelange. In unmittelbarer Nähe zum Teich befindet sich eine Gaststätte der besonderen Art, sie ist nämlich im Rumpf einer Tupolew 154 untergebracht.

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…und auch seltsame Bauwerke.

Kurz nach der Gaststätte komme ich über Kleinpertholz in Heidenreichstein an. Hier mache ich’s mir nochmals bequem und nach kurzer Zwischenpause schlendere ich durch den Stadtkern. Bekannt ist diese Stadt allerdings für ihre imposante mittelalterliche Wasserburg, deren Innenhof ich mir auch ansehe. Zahlreich Fotos von der Burg entstehen, für diesen Beitrag habe ich ein repräsentatives ausgewählt.

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die Wasserburg in Heidenreichstein

Wieder zurück im Meinhartswald finde ich seltsame Utensilien am Wegesrand: Brennende Friedhofskerzen, Absperrbänder, ja sogar abgestellte Särge kommen mir unter. Hier im Wald dürfte die hiesige Jugend am Wochenende vor Halloween bereits für das schaurige Fest proben. Und richtig: Dem Hängenden Stein kann ich an diesem Nachmittag keinen Besuch abstatten, da zu diesem Zeitpunkt genau dort eine „Hexenversammlung“ oder Ähnliches stattfindet. Also lieber nicht anstreifen und ich ziehe mich daher wieder auf den eigentlichen Weitwanderweg zurück.

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mysteriöse Vorkommnisse im Wald

Ich muss noch bis zum Winkelauer Teich durch den Wald gehen, erst dort bin ich wahrscheinlich vor den „Hexen“ sicher. Bereits hier könnte ich zu meinem Quartier in Seyfrieds abzweigen, aber gehe noch ein Stück der Straße am Teichufer entlang. Das sollte sich nochals gute Entscheidung herausstellen, denn ich bin von einer hölzernen Fischerhütte mit Steg angetan und am nächsten Morgen sollten die Lichtverhältnisse noch nicht fototauglich sein.

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Hütte mit Steg am Wiedenauer Teich

Nach einer Nacht in einem trotz Heizung nicht allzu warmen Zimmer versuche ich möglichst schnell nach Waidhofen an der Thaya weiter zu gehen, um dort mittags einkehren zu können. Laut Recherchen im Vorfeld gibt es vorher keine Möglichkeit und danach auch in Thaya eher nicht, so dass ich dann bis Dobersberg hungrig durchlaufen müsste. Fuchsberg (Wasserscheide Nordsee – Schwarzes Meer), Artolz, Buchbach, Brunn und Jasnitz heißen die Wegpunkte, die ich bis Waidhofen – nicht selten auf verkehrsarmen Asphaltstraßen – zu passieren habe. Die Strecke bis dorthin ist nicht allzu spektakulär, darum wird die angegebene Gehzeit im Wanderführer von mir auch ein wenig unterboten.

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Waidhofen an der Thaya

In der Stadt selbst gönne ich mir eine Pizza, dann ziehe ich weiter – nämlich hinunter zur Thaya in eine noch ursprünglich erhaltene Aulandschaft. Der Weg nach Kleineberharts führt hart an der Sixmühle und einigen Marterl – auch solchen in exponierter Lage – vorbei.

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ein exponiertes Marterl in der Thaya-Au

Kurz nach dem Ort überschreite ich die aufgelassene Bahntrasse. Der Weg macht einen Linksbogen und strebt zwischen Feldern hindurch direkt Thaya zu. Zu mehr als einer Besichtigung der Kirche reicht es aber nicht. Ich muss weiter, denn Dobersberg liegt noch gute zwei Wegstunden vor mir und die Tage sind schon recht kurz.

Über Niederedlitz gehe ich zum Rehbergwald, wo ich zeitweise eine gute Aussicht auf den Ort Merkengersch habe. Es folgt dann der Maiß(en)wald mit einem unerwarteten Anstieg bis zur Bergstation eines Skiliftes. Von hier heroben kann ich Dobersberg schon sehen.

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im (Gras-?) Skigebiet von Dobersberg

Ich steige am Rand der Piste ab, dann folgt eine eher steile Fortsetzung im Wald bis zu einer Straße mittels derer ich die Thaya wiedersehe. Ich schreite über einen Steg ans andere Ufer und halte auf ein Wildgehege zu. Noch wenige Schritte bergan und ich stehe am Ortseingang von Dobersberg. Gleich hier in unmittelbarer Nähe befindet sich auch mein Quartier, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Insgesamt betrachtet bietet das Waldviertel mit seinen moosig-moorigen Böden und den mystischen Granitblöcken eine willkommene Abwechslung zu anderen Naturlandschaften im Land. Der häufige Nebel in den Herbst- und Wintermonaten passt da nur allzu gut dazu. Dennoch ist für mich der Gedanke an eine Frühjahrstour nicht abwegig.

2 Kommentare zu „WWW 07 – Tage 1 bis 4: Von Altweitra nach Dobersberg“

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