Nordwaldkammweg Tag 3: Ein Solo nach Freistadt

Am dritten und letzten Tag unserer Wochenendtour durch das Wald- und Mühlviertel mache ich alleine weiter. Astrids von einer suboptimalen Schuhwahl herrührende Blasen an den Füßen werden über Nacht nicht besser. Weil wir am Nordwaldkammweg bereits vierzehn Tage später fortsetzen wollen, entscheidet sie sich für den vorzeitigen Abbruch, nicht ohne darauf zu drängen, dass ich dennoch den Rest der Tour bis Freistadt schon heute hinter mich bringen möge. Das Wetter passt auch noch einigermaßen, weshalb ich wenig später meinen Rucksack schultere und losziehe, während Astrid noch im Gasthof bleibt und auf den nächsten Bus nach Freistadt wartet.

Ganz so perfekt, wie an den beiden Vortagen ist die Witterung allerdings nicht mehr. Es ziehen immer mehr Wolken auf und hie und da ist auch mit ein wenig Regen zu rechnen. Der Weg führt mich heute durch die Streusiedlungen Pürstling und Rosenau auf den Braunberg mit seiner gleichnamigen Hütte. Von dort gibt es zwei Möglichkeiten, um nach Freistadt zu kommen, nämlich über St. Oswald und eine Variante über den Haugenödtberg, wobei ich Letztere präferiere, da sie um einen Kilometer kürzer sein soll. Das könnte sich zwecks Erreichen des Zuges um 15:21 Uhr als Vorteil erweisen.

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ich kehre den „Sandlern“ den Rücken

Tag der Tour: 23.04.2018;

Strecke: Sandl – Holzmühle – Braunberg – Alm – Freistadt;

Länge: 26,2 km; Aufstieg: 450 hm; Abstieg: 823 hm;

Gleich um die Ecke des Gasthofes führt mich eine Straße an das südliche Ortsende von Sandl. An den Lambartshäusern vorbei gehend verbleibe ich auf dieser Straße und habe dabei die Lambartsau stets rechts von mir. Beim Feuerwehrhaus der Streusiedlung Pürstling löscht man keinen Durst von Wanderern, das Verlangen nach Flüssigem wird wegen des beginnenden Wolkenaufzuges aber ohnehin ein wenig gedrosselt.

IMG_2092 Pürstling - Feuerwehrhaus_prot_1600x1200_250KB
beim Pürstlinger Feuerwehrhaus

In Pürstling wechsle ich die Straße und bald beginnt der Weg leicht bergan zu steigen. Beim ehemaligen Pürstlingwirt bleibt man ebenfalls trocken, in der Streusiedlung Steinwald wenig später jedoch hat zumindest der Weg das Potenzial, fallweise ein wenig saftiger zu werden. Von Asphalt wird nun ein kurzes Stück auf Wiesenunterlage gewechselt. Der in der Behausung im Bild unten Wohnende hat es jedenfalls einigermaßen idyllisch, denn was man auf dem Bild nicht sieht, ist die grandiose Aussicht auf die linke (nach Süden gerichtete) Seite.

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bei Steinwald dann endlich ein Wiesenweg

Lange bleibt der Weg nicht so schön. Es folgt der kurze Anstieg in den eher uninteressanten Ort Obermarreith und durch Untermarreith wieder hinunter nach Holzmühle. Abgesehen von einem weiteren kurzen Waldstück ist alles auf  der Straße zu gehen. Zeitmäßig bin ich etwas in Verzug, so dass ich erstmals gedanklich die Erreichbarkeit meines avisierten Zuges in Freistadt hinterfrage.

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raus aus Holzmühle…

Dass der Braunberg, wo ich Mittagspause machen werde, näher kommt, merke ich an der nun beginnenden kontinuierlichen Steigung hinauf zur Raphaelshöhe bzw. Rapelshöhe (wie in meiner Kompass-Karte vermerkt). Dabei umgehe ich die Hackerhöhe auf deren linken Seite. Auf der welligen Anhöhe befinden sich ein paar Gehöfte, welche zusammen die Streusiedlung Rosenau ausmachen. Ab nun habe ich auch den Braunberg im Blickfeld, mir ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst, dass ich noch durch den einen oder anderen auf dem unteren Bild noch nicht erkennbaren Einschnitt in der Landschaft hindurch muss.

IMG_2100 auf der Raphaelshöhe - Blick zum Braunberg_prot_1600x1200_250KB
… und hinauf auf die Raphaelshöhe mit Blick zum Braunberg

 

IMG_2102 Witzelsberg - Blick nach Stiftungsberg und zur Raphaelshöhe_prot_1600x1200_250KB
von der gegenüber liegenden Seite (Witzelsberg): Blick zur Raphaelshöhe zurück

So bin ich noch annähernd eine Stunde unterwegs und durchwandere dabei die Siedlungen Stiftungsberg und Witzelsberg. In Witzelsberg gelange ich an eine Y-Kreuzung, wobei zu beachten ist, dass man, wenn man den rechten (richtigen) Weg einschlägt, sofort dahinter nochmals nach rechts auf einen steiler bergan führenden Pfad wechselt. Bald darauf befinde ich mich auf dem (allerdings aussichtlosen) Ostgipfel des Braunberges.

IMG_2104 Braunberg - Ostgipfel_prot_1600x1200_250KB
der Braunberg-Ostgipfel

Nach kurzem Verweilen auf diesem Gipfel erreiche ich einige Minuten darauf die Braunberghütte. Habe ich schon erwähnt, dass heute Montag ist? Das ist der prädestinierte Ruhetag aller Hütten und Wirtshäuser im Lande. Die Braunberghütte macht da keine Ausnahme, daher sehe ich den Kontrollstempel in meinem Wanderbuch bereits flöten gehen. Aber es gibt noch Wunder, denn obwohl geschlossen, ist die Hütte nicht vollkommen verlassen. An Montagen scheint hier der wöchentliche Großreinigungstag zu sein, weshalb nun – weil alles aufgeräumt ist – ein Hüttenstempel von der Putzfrau rasch aufgetrieben werden kann. Just zu diesem Zeitpunkt beginnt es leicht zu regnen, ein Dachvorsprung macht eine trockene Mittagspause im Freien dennoch möglich.

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bei der Braunberghütte

Der Regen gibt nur ein kurzes Gastspiel und zieht sich rasch auf die andere Seite des Braunberges zurück. Das kommt mir recht gelegen, führt der Weiterweg doch immer steiler werdend am Nordwestabhang zum Gehöft Weißenhof hinab. Eine glitschige Unterlage hätte den Abstieg da sicher um einiges erschwert. Am Ende des Abstieges passiere ich ein paar Häuser und treffe auf die Straße mit dem imposanten Naturdenkmal ‚Alte Eiche‘.

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die alte Eiche beim Weißenhof

Auf der anderen Talseite habe ich den Braunberg recht gut im (Rück-)Blick, erst als es steil nach links durch den Wald auf den Haugenödtberg hinauf geht, verliere ich ihn aus den Augen.

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Blick zum Braunberg zurück

Beim Haugenödtberg und dem Gehöft Haugenödt befindet sich diese markante Wegkreuzung.

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Haugenödthof am Haugenödtberg

Der klassische Nordwaldkammweg schlägt hier die Richtung zur Hofbauernkapelle ein. Auf diesem Weg wird der Haugenödtberg auf seiner linken Seite umgangen. Zwanzig flotte Minuten nach der Kreuzung habe ich die Kapelle auch schon im Fokus meiner Kamera.

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bei der Wegteilung „Hofbauernkapelle“

Die Hofbauernkapelle steht ebenfalls an einem Kreuzungspunkt zweier Wege. Der meinige ist von nun an im wesentlichen nur noch bergab gerichtet. Schotter-, Wiesen- und Waldwege wechseln nun einander in rascher Folge ab. Kurz nach einer Bachquerung verläuft der Wanderweg über eine zur sogenannten ‚Alm‘ gehörende Wiese in ein weiteres Waldstück hinein. Die Gegend beim ‚Alm’bauern fange ich selbstverständlich fotografisch ein.

IMG_2112 Anwesen im Bereich 'Alm'_prot_1600x1200_250KB
im Bereich „Alm“ sollte irgendwo lt. meiner Karte auch ein Vierkanter herumstehen

Nach diesem Waldstück bietet sich mir ein Überblick über ein breites Tal und mitten darin breitet sich vor mir mein heutiges Tagesziel Freistadt aus. Bevor ich mir die Stadt aber ein wenig ansehen kann, muss ich bei der Siedlung Manzenreith noch kurz nahe der Schnellstraße durch ein kleines Wäldchen laufen. Direkt bei der Straße dominieren Lärmschutzgallerien optisch die Szenerie.

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ich nähere mich Freistadt

Der in die Stadt führende Weg bringt mich punkt 14 Uhr direkt zum Schloss, das ich zunächst einmal umrunde. Ein netter kleiner Park befindet sich davor.

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Runde um das Freistädter Schloss

Beim Böhmertor betrete ich anschließend die Altstadt.

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durch das Böhmertor …

Dort mache ich ebenfalls eine Besichtigungsrunde um den Hauptplatz herum mit seinem Brunnen.

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… auf den Freistädter Hauptplatz …

Wenn ich mir schon aus Zeitgründen keine warme Mahlzeit genehmigen will, so darf es für mich zumindest hier eine ordentliche Jause als belohnenden Abschluss der Tour geben.

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… mit seinem zentralen Brunnen

Noch denke ich, dass ich gut in der Zeit wegen des angedachten Zuges liege, doch der Freistädter Bahnhof liegt zwei Kilometer außerhalb der Stadt. Über stark befahrene Kreisverkehre und Bundesstraßen möchte ich nicht hingehen, also beschließe ich, noch ein Stück bis St. Peter auf dem Weg zu bleiben und mich erst dort nach Süden direkt zum Bahnhof zu wenden. Nach St. Peter muss ich jedoch erst einmal einen steilen Hang hinauf und oben verheißt mir ein Schild eine Restwegzeit von 45 Minuten. Weil es bis zur Planabfahrt des Zuges nur noch deren fünfundzwanzig sind, sieht mich Freistadt/St. Peter im Schweinsgalopp mit glühenden Sohlen die Straße hinunter laufen. Das Ende der Geschichte ist, dass ich eine halbe Stunde danach schweißgebadet in einem um fünf Minuten verspäteten Zug Richtung Linz sitze und nicht zwei Stunden auf einer Wartebank im Nirgendwo am Bahnhof von Freistadt.

Mit diesem „der Zug geht sich locker aus“-Stress am Ende ist das erste Wanderwochenende auf dem klassischen 105er auch schon wieder Geschichte. Schon bald stehen zwei weitere Tage auf diesem Weitwanderweg an – dann hoffentlich wieder in Begleitung.

 

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