Nordwaldkammweg Tag 6: Zweimal Verzicht – bei Bärenstein und Hochficht

Moldaustausee, Bärenstein und Hochficht – so heißen die Höhepunkte der vorletzten Tagesetappe von Haslach an der Mühl nach Holzschlag, für die mir der Wettergott einmal mehr hold ist. Wie bereits im letzten Beitrag angedeutet, bin ich diesmal alleine unterwegs. Per Bahn geht es über Linz nach Haslach, wobei die Verbindung vom Linzer Hauptbahnhof zum kleinen Urfahrer Bahnhof mit der Tramway erledigt werden muss. Am Bahnhof von Haslach wartet schon das Bustaxi, mit dem ich direkt zum Marktplatz in Haslach an der Mühl gefahren werde. Dort falle ich in das nächstbeste geöffnete Café ein, um noch schnell vor dem Abmarsch einen Stempel zu ergattern. Einmal ums Eck, dann stehe ich vor dem alten Stadtturm.

Tag der Tour: 11.08.2018;

Strecke: Haslach an der MühlOberhaagHolzschlag;

Länge: 31,7 km; Aufstieg: 1222 hm; Abstieg: 826 hm;

Im Gasthof „Zum alten Stadtturm“, den ich heute auslasse, endete meine letzte Etappe. Diesmal spaziere ich voller Optimismus um neun Uhr morgens durch das Tor im Turm aus dem Ortszentrum hinaus und gelange nur wenige Schritte später an eine Wegkreuzung. Dort wird mir auf einem Schild beschieden, dass ich mir die eingangs erwähnten Höhepunkte des heutigen Tages hart erarbeiten muss. Sie liegen allesamt hinter Oberhaag, wo ich eine späte Mittagspause angedacht habe. Allein bis dorthin werden fünf Stunden Wegzeit ausgewiesen. Von allen bisherigen Wandertagen auf dem klassischen Nordwaldkammweg liegen heute die meisten Kilometer vor mir und die zu bewältigenden Höhenmeter sind auch nicht gerade Peanuts.

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der ‚Alte Stadtturm‘ von Haslach an der Mühl

Na, dann nichts wie los! Leicht wird es einem dabei jedoch nicht gemacht. Zunächst auf einem Wiesenweg bergan an der Großen Mühl entlang dürfte später von einer Straße im Wald kurz vor Spielleiten ein Pfad unauffällig nach rechts abzweigen, was zu dieser Tageszeit im Licht-Schatten-Wechsel der in den Wald hineinscheinenden Sonne eher schwer erkennbar ist. Das üppige Tagesprogramm macht mich heute überhaupt fehleranfälliger als sonst.

Der Nordwaldkammweg kommt an Hopfenkulturen entlang dann wieder von rechts daher und ich durchquere nach der Siedlung eine Senke bis zu den Häusern von Leithen. Bei einer Kapelle führt ein Pfad die Böschung hinunter, Markierung oder Beschilderung kann ich an dieser Stelle keine entdecken, was mir hundert zusätzliche Meter auf der Straße und Vergeher Nummer zwei einbringt. Den Irrtum erkennend, gelange ich durch den Wald auf kürzerem und – spät, aber doch – markiertem Weg nach Gattergaßling.

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durch Gattergaßling hindurch

Nur noch über die im oberen Bild sichtbare Kuppe drüber, dann überblicke ich wieder das Tal der Großen Mühl mit St. Oswald bei Haslach auf der anderen Talseite.

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Blick hinüber nach St. Oswald bei Haslach

 

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Große Mühl

Ich befinde mich hier nicht nur auf dem klassischen Nordwaldkammweg, sondern auch auf dem ausgeschilderten Böhmerwaldrundweg, sowie nach der Überschreitung der Großen Mühl auch auf dem Mühlviertler Jakobsweg, dem ich nun in der verkehrten Richtung ein kurzes Stück nach und durch St. Oswald folge. In den Ort hinein finde ich nur über einen Umweg. Der zunächst ausgeschilderte Wiesenweg dürfte vor nicht allzu langer Zeit auf seinen letzen hundert Metern privatisiert worden sein und mitten auf dem weitergedachten Weg steht jetzt ein Wochenendhaus.

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Camino verkehrt auf dem Anstiegsweg nach St. Oswald bei Haslach

Weil in St. Oswald nichts geöffnet hat, setze ich meinen Weg ohne Pause den botanisch reichhaltigen Galgenberg bergan fort. Ich befinde mich nun wie schon so oft auf dem Nordwaldkammweg unmittelbar an der Staatsgrenze zu Tschechien.

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und nach St. Oswald durchs Gemüse den Galgenberg hinauf

Nach ein paar Metern auf der Straße Richtung Grenze muss ich, will ich im Inland bleiben, den Galgenberg kurz vor dem alten Zollhaus auf einem Wiesenweg  wieder abwärts zur Siedlung Sattling, deren Häuser sich teilweise in den Wald einpassen, verlassen. Bei Günterreith gewinne ich aber schon wieder an Höhe und wandere angenehm im Wald Richtung Wurmbrand. Dort angekommen habe ich gute Sicht auf das Stift Schlägl. Nach einer scharfen Richtungsänderung nach rechts bringt mich ein Hohlweg durch Waldgebiet abermals in die Höhe, ganz typisch für das Höhenprofil dieser Etappe, welches ein ständiges Auf und Ab beschreibt. Durch den Trautwald hindurch führt mich dann ein Kammweg bis zu einer Straße, welche nach Aigen-Schlägl hinunterführt und bei deren Erreichen ich mich bereits in Oberhaag befinde. Diese Straße war früher die Verbindung von Linz nach Krumau. Zweihundert Meter die Straße abwärts liegt der GH Haagerhof, wo ich mir nach  3 3/4 Stunden die erste wohlverdiente Pause gönne, auch wenn ich hier noch immer wie ein Uhrwerk laufe.

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GH Haagerhof in Oberhaag

Nach der dreiviertelstündigen Pause folgt wieder ein Waldstück, an dessen Ende sich eine größere freie Fläche mit einzelnen verstreuten Häusern vor mir auftut. Es handelt sich dabei um die Streusiedlung Grünwald, welche ich auf der Straße am Waldrand passiere. Hier befindet sich auch der Stein zur Kontinentalen Wasserscheide, welche hier verläuft.

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Streusiedlung Grünwald mit dem hier eher unauffälligen Bärenstein

Der See auf tschechischer Seite rechts unterhalb von mir muss der Stausee Lipno – die höchste Kaskade des Moldaustausees –  sein. Aus Zeitgründen kann ich mir somit einen Aufstieg auf den Bärenstein sparen, um den Stausee zu sehen. Der Berg kommt ohnehin noch irgendwann im Rahmen des Rupertiweges an die Reihe.

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Blick zum Moldaustausee bzw. hier dessen höchste Kaskade: der Stausee Lipno

Zu Grünwald gehört auch das Panyhaus, wo Einkehrmöglichkeit besteht, welche ich natürlich so kurz nach der Mittagspause auslasse. Kurz dahinter befindet sich die Abzweigung zum Bärenstein hinauf, der mein Weg kurz folgt, dann aber nach links ohne weiteren Höhengewinn durch den Böhmerwald weiterführt. Recht sanft geht es in diesem Abschnitt durch das weiche Gras.

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durch den Böhmerwald beim Bärenstein

Der Kuppe des Roßtauscherberges weiche ich aus und wende mich nach einer weiteren Senke direkt dem Sulzberg zu. Ich beginne, mehr aufs Tempo zu drücken, denn der Nachmittag schreitet zügig voran und ich habe den Hochficht noch vor mir.

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durch den Böhmerwald beim Sulzberg

Nach einer Stunde, die mir selbstverständlich jetzt schon wie einiges mehr vorkommt, habe ich diese längere Walddurchquerung nach dem Sulzberg hinter mir und steige auf sanft fallendem Weg in das Hoteldorf Schöneben (Stichwort: „Böhmerwaldarena“) ab, von wo aus ich an diesem Tag eine ausgezeichnete Sicht zum Hochficht hin habe. Der Anstieg auf den Hochficht ist auch meine nächste Aufgabe, auch deswegen, weil die Unterkünfte in Schöneben nicht meinen Preisvorstellungen entsprechen.

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Blick zum Hochficht von Schöneben aus

In Schöneben bleibe ich nicht länger als unbedingt nötig, denn für meinen Geschmack treiben sich hier zu viele Besucher herum. Auf sanft, aber kontinuierlich ansteigenden Wegen tauche ich also abermals in den Wald ein.

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Markierung auf dem Aufstiegsweg zum Hochficht

Kurz vor einer Jagdhütte treffe ich auf eine Vierergruppe aus Tschechien, Gemeinsam lassen wir die Hütte hinter uns und setzen nun zur Umgehung des Hochficht-Gipfelaufbaues an, da unterläuft mir ein Fehler. Während die Tschechen wieder eine ihrer kurzen Pausen machen, biege ich zu früh nach rechts ab und umgehe den Hochficht somit eine Etage zu hoch. Anfangs merke ich davon nicht viel, da der Wegverlauf noch passt, nur dass eben Markierungen fehlen. Mit der Zeit fehlen jedoch nicht nur die Markierungen, sondern auch die Tschechen, die mir nicht und nicht nachkommen wollen.

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Aussicht zum Plöckenstein vom Hochficht aus

Der Weg sollte laut Karte weiter fallen, schickt sich jedoch an flacher werdend auszulaufen. Stattdessen merke ich, dass rechts von mir der Kamm immer weiter herunterkommt. Was das für mich bedeutet, wird mir in diesem Augenblick klar: Ich drohe auf die andere Seite des Kammes zu geraten, was ich nicht will und auch keinesfalls darf. Was ich jetzt darf, ist die Wiederholung der letzten fünfzehn Gehminuten in der Gegenrichtung, bis ich an einer Kreuzung mit dem Weg, der vom Gipfel (auch diesen schenke ich mir) herabkommt, eines der gelben Schilder etwas unterhalb meines Standortes bemerke. Dieses muss ich sofort inspizieren und finde so wieder zu meinem Weg, der hier als Pfad von links herunterkommt und wenig später den sogenannten „Stinglfelsen“ passiert.

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markanter ‚Stinglfelsen‘ am Hang des Hochficht

Der wiederum kann bekraxelt werden, wenn man eine bessere Aussicht ins Tal erhaschen will. Für mich ist daran aber nicht mehr zu denken, sondern ich begebe mich unverzüglich nun wirklich auf teils recht netten Wiesenwegen talwärts – zunächst dreißig flotte Minuten lang bis zu den grünen Skihängen des hiesigen Skigebietes am Hochficht. Dort befindet sich auch das bereits zu Holzschlag gehörende „Gasthaus zum Überleben“, wo ich mir den Stempel ins Wanderbuch drücke.

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beim Skigebiet in Holzschlag – ‚GH zum Überleben‘

Ich bin bereits wieder außer Haus und ein paar Schritte in Richtung des zwanzig Gehminuten weiter talwärts liegenden Jugend- und Sportheimes Holzschlag („Ereignishaus“, gehört dem Stift in Schlägl), welches mein Quartier für die kommende Nacht ist, unterwegs, da kommt mir der Wirt nachgelaufen und eröffnet mir, dass unten niemand sei und er selbst den Schlüssel zum „Ereignishaus“ habe. Für eine warme Mahlzeit müsse ich ohnehin wieder hierher aufsteigen. Also bleibe ich voerst einmal vor Ort – auch deswegen, weil es an diesem Abend hier eine größere Grillerei auf „all you can eat“-Basis zum Fixpreis gibt. Im Laufe der kommenden neunzig Minuten wird mein Magen mit zwei randvollen Grilltellern gefüllt, dann muss ich w.o. geben. Es dämmert schon heftig als ich das „Ereignishaus“ doch noch erreiche.

Damit ist nur noch ein guter halber Wandertag bis zum westlichen Terminus des klassischen Nordwaldkammweges am Hochstein im Dreiländereck Bayern – Oberösterreich – Böhmen ausständig (den Abstieg nach Schwarzenberg nicht eingerechnet). Ob sich zusätzlich auch ein Ausflug zum Plöckenstein ausgeht, steht am Vorabend noch nicht fest, das möchte ich alles noch auf mich zukommen lassen. Das vorhergesagte Wetter lässt einmal mehr eine ungetrübte Fernsicht erwarten.

 

 

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