Baku – im Land des Feuers

Den ersten Teil meines Beitrages über Baku habe ich mit moderner Architektur und einem abendlichen Lichtermeer beendet. Wie sehen die neueren Stadtteile eigentlich bei Tageslicht aus?  An der südlichen Ausfallstraße entlang der Küste bekomme ich einen ersten Eindruck davon, wie futuristisch hier in den vergangenen Jahren gebaut wurde. Nach links und rechts blickend sehe ich auf der einen Seite die Glasfassaden von Bürotürmen und auf der anderen (Meer-)Seite Museum, Konzerthalle und Shoppingmall. Nennenswert sind vor allem das Teppichmuseum, das baulich angemessen einem zusammengerollten Teppich gleicht. Die Konzerthalle, in der 2012 der Eurovisions-Song Contest stattgefunden hat, habe ich im vorigen Beitrag bereits als Crystal Hall vorgestellt. Das Einkaufszentrum schließlich nimmt die Form einer Lotusblume an.

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Einkaufstempel ‚Caspian Waterfront Mall‘

Heydar-Aliyev-Zentrum

Ganz klar getoppt werden diese Bauten jedoch vom 2012 eröffneten Heydar-Aliyev-Kulturzentrum mit angeschlossener terrassenförmiger Parkanlage. Von der bekannten britisch-iranischen Architektin Zaha Hadid (1950 – 2016) entworfen, beherbergt die die Stadtteile Nerimanov und Chetai dominierende Mehrzweckhalle mit der geschwungenen Oberfläche drei Auditorien, einen Konzertsaal, eine Bibliothek sowie das Nationalmuseum. Insgesamt hebt sich der Gebäudekomplex von der in Baku vorherrschenden starren und monumentalen Bauweise bewusst ab und bedeutet eine Herausforderung für jedes Weitwinkelobjektiv.

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Heydar-Aliyev-Kulturzentrum

An den Rändern des anschließenden Parks präsentiert sich mir die Skyline der aserbaidschanischen Hauptstadt. Der Park selbst ist zwar nett angelegt, wirkt jedoch ein wenig steril und an manchen Ecken auch ein wenig kitschig. Dort sind auch die meisten Touristen – vor allem asiatischer Provenienz – zu erwarten.

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im Heydar-Aliyev-Park

„Land des Feuers“

Aserbaidschan bedeutet übersetzt „Land des Feuers“ und lodernde Flammen gab es früher auch hier in Baku mehr als genug, was den dicht unterhalb der Erdkruste gelegenen riesigen Öl- und Gasvorkommen geschuldet war. Seit sich die knapp über dem Ölvorkommen sitzende Gasblase selbst entzündet hat, brennt das Feuer hier quasi „ewig“. Eineinhalb Jahrhunderte Ölförderung haben viele der Flammen jedoch erlöschen lassen, so dass diese nur noch in einigen Feuertempeln, welche um diese „ewigen“ Flammen herum errichtet wurden,  und am „Brennenden Berg“ zu sehen sind.

Die Halbinsel Abscheron

Will man die Umgebung Bakus erkunden, ist die nordöstlich davon gelegene Halbinsel Abscheron für Touristen die erste Wahl. Wir besichtigen hier zuerst den Feuertempel in Surachany.

Auch im berühmten Feuertempel Atashgah in Surachany werden die Flammen heute durch eine regelbare Gasleitung erhalten. Der Tempel selbst besteht seit dem frühen 18. Jahrhundert und wurde von indischen Händlern für eine indische Religionsgemeinschaft erbaut. Keine zweihundert Jahre später verlor der Tempel seine Funktion und wird seit der Sowjetzeit als Museum für Touristen genutzt. Blickt man viel weiter zurück, so befand sich bereits zur Zeit Zarathustras an dieser Stelle eine Tempelanlage, bis die Araber nach der Einführung des Islam am Kaspischen Meer alle Tempel, die im Zusammenhang mit dem iranischen Zoroastrismus standen, zerstörten.

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Innenhof der Tempelanlage Atashgah mit zentralem Feueraltar und Opferstellen

Ich betrete die Anlage und gelange in einen großzügigen Innenhof mit dem ganztägig erdgasbefeuerten zentralen Feueraltar als Blickfang.

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der zentrale Feueraltar in Atashgah mit dem ‚ewigen‘ Feuer

Darum herum gruppieren sich einige Opferstellen usw.. An den Innenseiten der Hofmauer befinden sich fensterlose Räume, in denen lebensgroße Puppen ausgestellt sind, welche indische Asketen darstellen – ein Hinweis auf die indischen Erbauer.

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Innenraum in der Tempelmauer mit Puppen von indischen Asketen
Anmerkung: Am 30. September 2018 fand im Tempel zum ersten Mal seit 1883 wieder eine religiöse Feier statt. Fünf indische Yogis (unter ihnen eine Frau) suchten den Tempel auf und hielten in Begleitung des spirituellen Lehrers Bharat Thakur eine traditionelle Feuerzeremonie ab.

Yanar Dag – der“Brennende Berg“

Auf der Halbinsel befindet sich unweit der Dörfer Digah und Mamedli eine karge Felswand, die seit Jahrzehnten in Flammen steht. Der Legende nach hat sie ein Hirte zufällig in Brand gesteckt und trotz aller Bemühungen scheiterte man seither mit Löschversuchen. Verantwortlich dafür dürfte das hochentzündliche Gase entwickelnde Naphta im Boden der Halbinsel Abscheron sein.

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Yanar dag – der „Brennende Berg“

Die Investition des Eintrittsgeldes ist nicht verkehrt, weil ich trotz des „heißen Bodens“ auf den Berg (der eher ein Hügel ist) hinaufgehen kann, von wo ich eine andere Perspektive als bisher von der Hauptstadt habe.

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auf dem ‚yanar dag‘ mit spezieller Aussicht auf Baku

Qobustan

Folgt man der küstennahen Ausfallstraße nach Süden, gelangt man nach etwa einer Stunde nach Qobustan. Bekannt ist der Ort für die hier vorkommenden Schlammvulkane und den Nationalpark mit den jahrtausendealten Felszeichnungen.

In Aserbaidschan kommen weltweit die meisten Schlammvulkane vor. Diese sind von Vulkanismus weit entfernt und im Gegensatz zu den echten „Feuerbergen“ kalt. Auch fehlt ihnen eine Verbindung zum Erdinneren, sondern stehen im Zusammenhang mit den hiesigen Öl- und Gasvorkommen. Geologische Faltungsprozesse sorgen dafür, dass Gas im Untergrund zusammengepresst wird und durch Ritzen zusammen mit Gestein und Wasser nach oben quillt.
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Schlammvulkan nahe dem Dorf Qobustan

Um zu den Schlammvulkanen zu gelangen, müssen wir beim Ort Qobustan in ein Taxi umsteigen. In den klapprigen Ladas legen wir einen abenteuerlichen Ritt auf einer als Rallyestrecke tauglichen Erdstraße hin. Wir werden zu einer ungefähr zehn Kilometer südlich von Qobustan auf einer Anhöhe befindlichen Vulkangruppe gefahren – Meerblick inklusive.

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die besichtigte Vulkangruppe; das Meer gibt es auf dem Foto nur in der oberen linken Ecke

Ein Besuch des Freilichtmuseums im Nationalpark Qobustan mit seinen berühmten Felszeichnungen (UNESCO-Weltkulturerbe seit 2007) lohnt auf jeden Fall. In der Steinzeit siedelten hier in der damals fruchtbaren Region um das Dorf Menschen, wofür das damals viel weiter ins Land reichende Kaspische Meer verantwortlich zeichnete. In den Zeichnungen werden Menschen, Tiere, Schiffe und Jagdszenen dargestellt. Um die Felszeichnungen auch wirklich alle zu entdecken, muss man jedoch sehr genau hinsehen.

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eine der zahlreichen steinzeitlichen Felszeichnungen

Man hat einen mit einer Schlange gekennzeichneten Rundweg durch das Gelände des Freilichtmuseums angelegt, von dem ich an einer Ecke Aussicht bis nach Baku habe. Interessanter sind jedoch die Felszeichnungen und diverse Gesteinsformationen, wie zum Beispiel „The Face“.

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auf dem Rundweg im Freilichtmuseum mit der Felsformation ‚The Face‘

Zur Einstimmung ist auch eine Besichtigung des neuen Nationalparkmuseums empfehlenswert, wo es noch mehr Informationen über die Felszeichnungen, die Höhlen der Steinzeitbewohner und die nahen Kurgan-Gräber gibt. Geöffnet ist es täglich von 10:30 Uhr  bis 16:30 Uhr.

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vor dem Museumseingang

Nach dem Besuch des Nationalparks bietet sich noch ein Abstecher zum sogenannten Römerstein an, auf dem die bisher östlichste lateinische Inschrift entdeckt wurde. Sie ist Zeugnis von der kurzzeitigen Anwesenheit einer Legion des römischen Kaisers Domitian ca. 80 nach Chr.. Die Absicht der Römer, am Kaspischen Meer dauerhaft Fuß zu fassen, schlug allerdings fehl.

Auf der Rückfahrt nach Baku legen wir noch einen Zwischenstopp bei der Bibi-Heybat-Moschee, einem der wichtigsten muslimischen Heiligtümer im Land, ein. Sie ist auf einer Anhöhe errichtet, von der ich gut nach Baku sehen und die davor liegenden Docks samt der Ölfelder überblicken kann.

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Bibi-Heybat-Moschee

Zum Abschluss

Mit diesem Monsterprogramm habe ich die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Bakus an nur einem Tag abgeklappert. Insgesamt ist die Stadt touristisch noch nicht überlaufen und birgt somit noch einiges Potenzial in diese Richtung. Wer individuell hierher kommt, sollte das Programm jedoch auf mehrere Tage verteilen, dann wird man z. B. für die Halbinsel Abscheron einen ganzen Tag einplanen, um alles sehen zu können. Die Kosten für diese Art zu reisen können dabei stark variieren. So wurde mir über eine Agentur ein viertägiges Programm um insgesamt knapp dreitausend Euro angeboten. Nein danke, da sehe ich mich lieber doch anderswo um…

Vorschau und Feedback

Mit Baku und Umgebung bin ich nun berichtsmäßig fertig, denn mehr habe ich von dieser Metropole nicht gesehen. Zwei Tage in Aserbaidschan folgen noch und ein Beitrag dazu auch irgendwann. Dabei wird es im wesentlichen um die Region rund um die Stadt Sheki gehen. In den Beitrag wird auch die lange Anreise dorthin eingearbeitet werden. Und das Wichtigste: Ich werde bereits in die Ausläufer des Kaukasus, der ja Thema dieser Reise ist, eintauchen.

Hat euch dieser Beitrag gefallen bzw. war er für euch informativ? Konnte ich irgendjemanden unter euch zu einem Trip in Aserbaidschans Hauptstadt inspirieren? Wollt ihr wissen, wie es weitergeht? Dann bleibt dran…

 

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