Der Große Pielachtaler Rundwanderweg 652 – ein Mostviertler Kamm der Extraklasse

Um im Sommer fit genug für höhere Gebirgszüge zu sein, will ich an den ersten wärmeren Frühlingstagen in die Wandersaison 2019 mit einer Tour starten, welche folgende Kriterien erfüllen soll: Sie beansprucht mich über mehrere Tage hinweg, führt nach Möglichkeit über aussichtsreiche Wege, bei denen auch die zu bewältigenden Höhenmeter nicht zu kurz kommen und kann auch beliebig unterbrochen werden, womit ein gewisses Maß an Flexibilität gewahrt bliebe. Letzteres setzt eine regelmäßige öffentliche Verkehrsanbindung voraus – auch für den Fall, dass mir die Unterkunftsmöglichkeiten ausgehen sollten. Für den geplanten Einstieg in den Weg ungefähr Ende April wäre es dann auch von Vorteil, wenn sich die ins Auge gefasste Region bereits ihres „Wintermantels“ entledigt hätte. Nach einigem Überlegen und entsprechender Recherche hinsichtlich Verkehrs- und Quartierinfrastruktur entscheide ich mich – nicht zuletzt auch aufgrund von Tourenberichten aus der jüngeren Vergangenheit für das (alpine) Mostviertel und den Großen Pielachtaler Rundwanderweg mit der Wegnummer 652.

Einige Daten zum Weg:

Das Pielachtal wird auch als „Tal der Dirndln“ bezeichnet. Die umgangssprachlich als „Dirndl“ bezeichnete Kornellkirsche ist die Symbolfrucht der Region. Der Große Pielachtaler Rundwanderweg wurde 1977 von Anton Stöckl initiiert und führt durch alle acht Gemeinden des Tales (Ober-Grafendorf, Weinburg, Hofstetten-Grünau, Rabenstein an der Pielach, Kirchberg an der Pielach, Loich, Schwarzenbach an der Pielach, Frankenfels). Die topografische Bandbreite erstreckt sich laut der von Mostviertel Tourismus herausgegebenen Broschüre zum Weg von „flachen, leicht zu bewältigenden über sanft-hügelige bis zu mittelschweren Passagen.“ Eine Begehung ist vom Frühjahr bis zum Herbst problemlos möglich. Im Winter ist bei Schneelage auf den alpineren Streckenabschnitten entsprechende Ausrüstung vonnöten. In der kalten Jahreszeit ist der Weg für mich jedoch ohnehin kein Thema.

Die Weglänge beträgt seit 2015, als im Jahr der  „Niederösterreichischen Landesausstellung“ der neue Bahnhof Laubenbachmühle eröffnet wurde, statt früher 107 nun 115 Kilometer mit insgesamt 5300 Höhenmetern. Nicht schlecht für einen Einstieg in die Bergwandersaison. In der zum Weg herausgegebenen Broschüre werden für die gesamte Distanz ca. 35 Gehstunden veranschlagt, womit sich die Frage nach der Etappeneinteilung stellt. Für die im Schnitt knapp neun Stunden täglicher Gehzeit müßten sich vier Wandertage für einigermaßen erprobte Weitwanderer eigentlich problemlos ausgehen, weshalb ich folgendes Tagesprogramm umzusetzen versuche:

Tag 1 (24.04.2019): Ober-Grafendorf – Grünau – Schwabeckkreuz;

Tag 2 (25.04.2019): Schwabeckkreuz – Statzberg – Laubenbachmühle;

Tag 3 (17.07.2019): Laubenbachmühle – Schwarzenbach/P. – Soisgegend;

Tag 4 (13.09.2019): Soisgegend – Kaiserkogelhütte – Ober-Grafendorf;

Die Unterbrechungen in Laubenbachmühle und der Soisgegend werden mir von der im Stundentakt durch das Pielachtal verkehrenden Mariazellerbahn ermöglicht. In Laubenbachmühle führt der Weg direkt am Bahnhof vorbei, in der Soisgegend muss man von der Abzweigung in den Hachgraben bis zum Bahnhof von Kirchberg an der Pielach noch eine knappe halbe Stunde extra einplanen.

Mostviertel Tourismus:

Entlang des Großen Pielachtaler Rundwanderweges befinden sich insgesamt fünfzehn Kontrollstellen. Die Kontrollstempel bewahrt man netterweise in auffällig mit der Wegnummer verzierten und stets zugänglichen Holzboxen am Wegesrand auf. Lediglich an der Box beim Hof „Kirchner“ vor dem Kaiserkogel wäre ich beinahe vorbei gelaufen, wenn ich mich dort nicht zufällig einmal umgedreht hätte. Eine Broschüre, die neben einer Wegbeschreibung auch die leeren Stempelfelder enthält, kann auf der Webseite von Mostviertel Tourismus heruntergeladen werden.

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die erste Kontrollstelle am Bahnhof von Ober-Grafendorf

Bei Mostviertel Tourismus scheint man nicht immer ein offenes Ohr für bestimmte Anfragen zu haben, insbesondere nicht für jene, die sich nicht auf von der Vermarktungsgesellschaft gerade beworbene Wege oder Täler beziehen. Noch bevor ich mich ins Pielachtal begebe, versuche ich zu erfahren, ob die Online-Broschüre nicht auch in gedruckter Form erhältlich sei, und wähle daher die dort angegebene Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine freundliche Dame und beantwortet meine Anfrage positiv. Das angeforderte Druckwerk von Mostviertel Tourismus werde in den folgenden Tagen bei mir einlangen. Die Post bringt mir im versprochenen Zeitraum tatsächlich etwas, nur bezieht sich keine einzige der mir zugesandten Broschüren auf den Großen Pielachtaler Rundwanderweg, dafür bin ich nun mit einigen Foldern und Heftchen, welche mir den unter der Nummer 651 geführten, relativ jungen „Römerweg“ schmackhaft machen sollen, bestens versorgt.

Weil knapp daneben auch daneben ist und mein Interesse ausschließlich dem Pielachtal gilt, greife ich noch einmal zum Telefonhörer, um Mostviertel Tourismus zu kontaktieren. Mit derselben freundlichen Dame wie eine Woche zuvor verbunden, werde ich diesmal an einen dafür zuständigen Herren verwiesen, der mir bestimmt weiterhelfen könne. Geholfen hat mir dieser rasch – nämlich einzusehen, dass das Begehren nach einer gedruckten Broschüre über den Pielachtaler Rundwanderweg zumindest im Jahr 2019 zwecklos ist. Mostviertel Tourismus bewirbt anscheinend derzeit ausschließlich den Römerweg und auch während unseres Gespräches redet der gute Mann nur über den 651er und meint am Ende noch, ich solle doch lieber diesen Weg gehen.

Eine kurze chronologische Wegbeschreibung:

Tag 1

Aber Sturschädel, der ich nun einmal bin, mache ich mich nach Ober-Grafendorf auf, um mit den beiden ersten Etappen der Pielachtal-Runde zu beginnen. Flach ist es eigentlich nur zu Beginn zwischen dem Ausgangspunkt und Baumgarten, denn der Weg lässt keinen Höhenzug aus und sei er noch so niedrig oder unauffällig. Man kommt aber immer wieder ins Pielachtal zurück, so dass ich mich nach zweimaligem „Ausscheren“ aus dem Tal zu Mittag in Grünau wiederfinde. Nach Grünau erstrecken sich die Höhenzüge mehr parallel zum Pielachtal, dafür werden diese immer höher. Freiliegende und aussichtsreiche Passagen wechseln am ersten Tag immer wieder mit durch Wald führenden Abschnitten ab, wobei zu Beginn Asphaltstraßen dominieren, später dann Forstwege und Waldpfade. Wegen der blühenden Rapsfelder ist die Farbe gelb neben einem satten Frühjahrsgrün tonangebend, dazu noch himmelblau von oben.

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Abstieg nach Grünau

Ich passiere die Kontrollstellen Eck, Grünau und Gnauöd. Hinter letzterer geht es an einem frei stehenden Baum vorbei einen Wiesenweg bergan, wo sich von Rabenstein an der Pielach kommend der Voralpenweg (Nordvariante) dazugesellt und mir bis zur Abzweigung beim Gehöft ‚Himmel‘ erhalten bleibt. Auch der von Mostviertel Tourismus so beworbene „Römerweg“ ist am ersten Tag abschnittsweise mein Begleiter. Auf bekanntem Weg gibt es in der Folge ein Wiedersehen mit der Mühlberg-Kapelle (Bramböck-Kapelle), dem Simmetsberg und der Wetterlucke, wo ein Wartehäuschen als Pausenplatz genutzt werden kann. Für Geologen interessant ist, dass sich hier der Gesteinswechsel von Flysch auf Kalk vollzieht.

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über den Simmetsberg

Eine Pause in der Wetterlucke scheint auch angeraten, denn gleich danach wandere ich steil den Schwitzenberg empor und Schweiß fließt hier tatsächlich reichlich, was wohl auch dem Getränkekonsum unmittelbar zuvor geschuldet sein mag. Es folgt eine nette Waldpassage auf einem schmalen Pfad am Hang des Stierberges zur Rotte Hochbrand hin. Ab nun drängt sich der Ötscher immer mehr ins Bild. Bei derart atemberaubender Aussicht benötige ich dringend „Luft“, den dazu passenden Gastronomen gibt es bedauerlicherweise schon länger nicht mehr. Statt dessen erhalte ich auf der gleichnamigen Passhöhe gleich gegenüber die Möglichkeit zum Stempeln. Zum Luftholen ist der Anstieg auf den Sturmkogel bzw. die Kirchberger Höhe an Werktagen denkbar ungeeignet, wird die dort hinauf- und an einer Schottergrube vorbeiführende Schotterstraße dann immer wieder von zu- und abfahrenden Schwerfahrzeugen frequentiert. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und oben finde ich ein Marterl mit einer Sitzbank zum Jausnen. Ein paar Schritte danach hat man auch einen schönen Tiefblick auf Kirchberg an der Pielach.

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Aussicht von Hochbrand zum Ötscher hin

Noch schöner ist die Panoramaaussicht über das Mostviertler Alpenvorland jedoch nur kurze Zeit später beim Bauernhof „Großgsoll“. Ich nähere mich zügig dem Bichlberg, den ich auch bereits von der Begehung des Voralpenweges her kenne. Man kann auf dem 652er zwei Varianten nehmen, eine (Hauptweg) umgeht ihn, die andere nimmt ihn via „Yetisteig“ mit. Ich entscheide mich für den Hauptweg, da ich die Alternative am  Voralpenweg bereits gegangen bin. Wer denkt, man würde sich bei der Umgehung Zeit ersparen, dürfte sich irren, denn die Wegführung kommt mir einigermaßen umständlich vor und ein paar Höhenmeter sind trotzdem zu machen, wenn auch weniger als bei der Variante. Nach der Wiedervereinigung beider Alternativen ist es nicht mehr weit zum Schwabeckkreuz, von dem man eine grandiose Aussicht über das Texingtal hinweg bis zum Donautal genießen kann.

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beim Schwabeckkreuz überblickt man das Texingtal

Unter mir liegt St. Gotthard, wo es einen Gasthof gibt, zu dem man aber geschätzte zweihundert Höhenmeter absteigen muss.

Tag 2

Der Begeher des Großen Pielachtaler Rundwanderweges ist dann am nächsten Morgen beim Schwabeckkreuz schon ausreichend aufgewärmt. Besonders schwer erhitzbare Wandersleute schaffen das spätestens mit dem Anstieg auf den Grüntalkogel mit seiner gleichnamigen Hütte, welche an Wochenenden bewirtschaftet ist. Auch von der Hüttenterrasse kann man einen Blick hinunter in das Texingtal riskieren. Auf den Spuren des Texingtaler Rundwanderweges folgt man dem 652er über den Walzberg mit dem Aussichtspunkt „Ötscherblick“ und wenig später am Hang des Asangkogels hinunter zum Habetsbergmarterl an der Straße nach Plankenstein. Für einen kurzen Moment bekomme ich die Burg zu sehen, dann schlägt man schon beim Bauernhof „Eck“ die Richtung zum Statsberg hin ein. Auf einer Straße wandere ich an mehreren Höfen vorbei bis zum Gehöft „Oberdachsberg“, wo man zu einem Weidezaun hin abzuzweigen hat. Hier gibt es erstmals Unklarheit über den weiteren Wegverlauf, denn es wurde eine neue grob geschotterte Straße angelegt. Am Voralpenweg ging ich vor Jahren den Karren- bzw. Wiesenweg bergan, um in den Hang des Statsberges zu gelangen und obwohl die Beschilderung des „Pielachtalers“ in die neu angelegte, in den Graben hinab führende, Straße zu weisen scheint, entscheide ich mich fürs Bergaufgehen. Damit scheine ich auch richtig zu liegen, alles andere wären nur unnötige Höhenmeter. Sonst ist der Rundwanderweg aber ausgezeichnet beschildert.

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Höbarten

Beim Aussichtspunkt „Himmel“ erreicht man den westlichsten Punkt des Großen Pielachtaler Rundwanderweges mit einem an klaren Tagen fantastischen Überblick über das Ötscherland und die Ybbstaler Alpen bis zum Toten Gebirge hinüber. Hier heißt es vom Voralpenweg Abschied nehmen und wieder in Richtung Pielachtal/Nattersbachtal marschieren. Bei der nächsten größeren Kreuzung unmittelbar beim Mostheurigen Höbarten ist der Richtungswechsel endgültig vollzogen und man geht in einigem Auf und Ab und am Ende mit freier Sicht auf Frankenfels auf das Bergbauernmuseum Hausstein zu, das bei meiner Ankunft geschlossen war. Von der Sperre der Taubenbachklamm wegen Windwurfs oder Schneebruch bin ich ebenso betroffen, ein Alternativweg bringt mich zu einem größeren Parkplatz an der B39 im Nattersbachtal. Auf dem Weg hier herunter fehlen die Markierungen, so dass ich mir nicht sicher bin, nicht doch den Originalweg erwischt zu haben.

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beim Hof ‚Mitternestelberg‘ mit Blick in den Höllgraben und zum Hof ‚Eselreith‘

Auf der anderen Straßenseite führt ein Steg über den Nattersbach zu einem schmalen steilen und serpentinenreichen Pfad zur etwa hundert Höhenmeter darüber gelegenen Nixhöhle, in der Tropfsteingebilde bestaunt werden können. Unter „Nix“ versteht man Bergmilchvorkommen, welche den Eindruck erwecken, dass man es mit einem Höhlengletscher zu tun hat. Weil ich drei Tage zu früh da bin, stehe ich auch hier vor verschlossenen Türen. Also wieder keine Einkehr und dasselbe Schicksal ereilt mich etwas später auch in Boding, wo der Gasthof Lichtensteg anscheinend seinen Ruhetag hat. Der Weg hinauf zum letzten Hof ist wenig aufregend, nur enden die Markierungen dort abrupt und ich stehe auf einer umzäunten Weide. Nach einigem Absuchen gibt es eine Klettereinlage über den Zaun, da sich dahinter ein Forstweg ausmachen lässt, von meiner Markierung fehlt aber weiterhin jede Spur. So gelange ich zum Skihang „Geißreith“ mit Liftanlage, bei deren Talstation endlich wieder die Tafel mit der Nummer 652 zu sehen ist. Zwei Kehren sind noch zu gehen, dann hat man die Hälfte des Weges geschafft und steht vor dem Bahnhof Laubenbachmühle, dessen Bistro um 15 Uhr – eine Stunde vor meiner Ankunft – geschlossen hat. Kann man bei derartigen Öffnungszeiten eigentlich wirtschaftlich überleben?

Tag 3

Ein kurzes Stück auf der Straße gehend nimmt man Anlauf, um sich – den nächsten Bahnübergang querend – zum Hof „Thorriegl“ hochzuarbeiten. Danach wird es kurzzeitig ein wenig idyllisch. Ein von Sträuchern gesäumter Pfad bringt mich zum malerisch gelegenen Gehöft „Oberübergang“ – gleichzeitig der südlichste Punkt des Rundwanderweges.

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beim idyllisch gelegenen Hof ‚Oberübergang‘

Der Weg zieht nun sprichwörtlich über Berg und Tal durch die beeindruckende Landschaft von der Übergangsrotte über die Höfe Eben und Gugans zur Fischbachmühle, dann wieder hinauf zum Gehöft „Gsoll“ und zur Jausenstation Eibeck. Endlich wieder einmal eine Labstation, die auch geöffnet hat. Diesen Umstand nütze ich für eine kurze Rast. Diese hätte man aber genauso gut auf den Gromannsattel verlegen und dabei auch noch die herrliche Aussicht vom höchsten Punkt des „Pielachtalers“  genießen können.

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ein potentieller Pausenplatz mit Aussicht im Gromannsattel

Nahezu die Hälfte der Höhenmeter werden bis zur Hofrotte und weiter nach Schwarzenbach an der Pielach auf zum Teil sehr steilen Wegen wieder abgegeben. Man passiert dabei auch die Höfe Pichl und Eben, bevor es endgültig nach Schwarzenbach hinuntergeht. Ein Hof namens Eben kommt mir heute bereits zum zweiten Mal unter und ein weiterer sollte noch folgen. Immer wieder treffe ich bei meinen Wanderungen auf Anwesen oder Bauernhöfe mit diesem Namen, er scheint also sehr oft verwendet zu werden.

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Steilabstieg zur ‚Hofrotte‘

Mittags in Schwarzenbach an der Pielach ist es an der Zeit, die Beine etwas auszustrecken und den Magen wieder zu befüllen. Dankenswerterweise haben die Schwarzenbacher ihren Gasthof noch nicht dicht gemacht. Es ist übrigens nicht mein erster Besuch hier. Die hier durchfließende Pielach markiert eine Bezeichnungsgrenze für Siedlungen. Ist man südwestlich davon durch „Rotten“ gewandert, so kommt man von nun an durch „Gegenden“.

Ich folge der Straße an der Pielach entlang bis zum Feuerwehrhaus, um über eine Brücke in einen Hang hinauf abzubiegen, wo ich wieder im Wald verschwinde. Über die Höfe der „Guttenhofgegend“ und der „Oedgegend“ nähere ich mich dem Schnabelstein.

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in der Guttenhofgegend – Blick zum Schnabelstein

Beim Hof „Wallerbach“ steigt man in die Loicher Panoramarunde ein und umgeht mit ihr im Wald den mittelhohen Berg. Ist man aus dem Wald wieder heraus, überblickt man mit einem Schlag die Loichgegend. Auf Schotter- und Asphaltstraßen begebe ich mich nun bis zum dritten Hof „Eben“ für heute und von dort über einen Waldpfad nach Loich hinab.

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Loich unter mir

Dort will man mich nicht haben, was mich zu einer etwa eineinhalbstündigen Verlängerung bis in die Soisgegend zwingt. Steil hinauf zu den Höfen der Rehgrabengegend steige ich zunächst empor, was mir einen guten Überblick nicht nur über die letztgenannte, sondern auch über die Soisgegend und sogar die Tradigistgegend verschafft. Ich gelange auf Straßen, die mich in einer gefühlten Ewigkeit bis zum Hof „Auf der Oed“ bringen, wo ich über Weideland zu einem Wäldchen gelange. Beim Austritt aus diesem Waldstück erlebt man als Wanderer eine unangenehme Überraschung, denn ein aus dem Straßenverkehr bekanntes Schild gebietet ein Innehalten, während der zugewachsene Weg dahinter ohnehin eine Vollbremsung erfordert.

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Wildwuchs in der Soisgegend

Den Weg bis zur nächsten der gelben Tafeln muss man sich nun selbst suchen und dreht dann auf dem Abhang nach unten zur Stempelstelle „Stein“. Der restliche Weg bis zur Abzweigung „Hachgraben“ im Soisbachtal wird auf Straßen zurückgelegt.

Tag 4

Der Hachgraben ist der Einstieg in die Tradigistgegend und reicht bis zum Schreiberhof, bei dem man auf den Niederösterreichischen Mariazellerweg trifft, welchen man von nun an verkehrt mitnimmt. Ab den steilen Weideflächen nach dem Eckbauern nimmt man etwas in der Ferne am Hang des Geisberges jene Schottergrube wahr, auf die man auf leichten Umwegen zusteuert. Der 652er führt ganz knapp neben ihr den Geisberg bergan, um dann wieder zum Naturdenkmal „Bärntaler Lacke“ hin leicht abzufallen. Ein uriger Platz ist das – unweit des Hofes „Bärntaler“.

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Naturdenkmal ‚Bärntaler Lacke‘

An mehreren Höfen um den Hirschkogel herumgehend erreicht man die Route des Voralpenweges abermals, welche vom Kaiserkogel kommend Rabenstein an der Pielach zustrebt. Der Pielachtaler Rundwanderweg wendet sich ab hier stramm aufwärts der Kaiserkogelhütte, welche zur Einkehr empfohlen werden kann, zu.

Nach der Hütte befindet man sich im klassischen Mostviertel, wie man es sich vorstellt. Hügelige Landschaften, Weideland und Obstbaukulturen prägen das Bild von den Giesenberg-Höfen über die Meiselhöhe bis zur Plambachecker Höhe.

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bei den Giesenberg-Höfen

Das Ziel Ober-Grafendorf ist von hier aus bereits in der Ferne auszumachen, dennoch ist es ein ordentliches Stück Weg bis dorthin. Leicht ausholend geht es durch Senken (z.B.: Querung des Grubbaches bei Wielandsberg) und dann wiederum Gegenanstiege hinauf – insgesamt aber merklich an Höhe verlierend. Nichtsdestotrotz mehren sich die Hinweise, dass man es bald geschafft hat.

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die Hinweise auf das Ende des Rundwanderweges mehren sich

Bei Rennersdorf folgt der Weg wieder der Pielach in die sogenannte Steinau und wird zu einem Wiesenpfad, welcher zur einzigen Straßenbrücke über die Pielach in Ober-Grafendorf leitet. Auf eher unnötigen Umwegen gelangt man dann zum Bahnhof , dem Ausgangs- und Endpunkt des Großen Pielachtaler Rundwanderweges.

Sehenswert:

Wer sich nicht mit dem Bewandern des Rundkurses allein begnügen mag, dem steht auch eine Reihe von Schlössern, Burgen, Ruinen und Museen zum Besuch offen. So kann etwa in Ober-Grafendorf dass Schloss Fridau besichtigt werden. Eisenbahnfans werden im Eisenbahnclub MH6 fündig. Im Bereich Weinburg bzw. Eck kommt man beim 2014 errichteten Mostbrunnen vorbei oder man kann die Burgruine Waasen sowie die Waldkapelle besichtigen.

Auch Rabenstein an der Pielach hat eine Burgruine zu bieten, bekannter ist der Ort jedoch als Geburtsstätte des früheren Kardinals König. Für Kirchberg an der Pielach namensgebend ist der Kirchberg mit seiner gotischen Pfarrkirche obendrauf. Wer in Kirchberg übernachtet, kann sich auch das dortige Schloss näher ansehen. Das gesamte Pielachtal wird von den Gleisen der Mariazellerbahn durchzogen. Diese Bahn gibt es in Kirchberg an der Pielach als Modellbahnanlage in Miniaturform.

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Bergbauernmuseum Hausstein

In Loich in einem Seitental des Pielachtales findet man den Kaiser-Jubiläumsbrunnen aus dem Jahr 1908 (60-jähriges Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph) und am Südende des Rundwanderweges kommt man man bei Frankenfels am Bergbauernmuseum Hausstein und an der Nixhöhle (siehe oben) vorbei.

Quartierfrage:

Wer zwischen den einzelnen Etappen des Großen Pielachtaler Rundwanderweges Quartier nehmen muss, der wird in den Gemeinden im Pielachtal fündig, muss aber jeweils in die Talorte ab- und am nächsten Tag wieder zum Weg aufsteigen. Schwieriger wird es, wenn direkt am Weg übernachtet werden soll. Innerhalb eines Radius von maximal einem Kilometer dürfte sich vielleicht der eine oder andere Bauernhof als Unterkunft anbieten, so zum Beispiel in der Kirchberggegend am Ende von Tag eins. Als Alternative für ausdauernde Wanderer bietet sich in der Gemeinde St. Gotthard im Texingtal der Gasthof Schrittwieser an, zu dem vom Schwabeckkreuz weg abgestiegen werden muss. Die Entfernung zur Unterkunft in der Burg Plankenstein dürfte für die meisten Begeher des Rundwanderweges an deren erstem Wandertag zu weit sein.

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GH Schrittwieser bei der Kirche von St. Gotthard im Texingtal

Am Ende von Tag Nummer zwei steht man beim Bahnhof Laubenbachmühle, von dem man Anschluss zu Unterkünften in Richtung Frankenfels und Kirchberg an der Pielach hat, aber auch in Richtung Puchenstuben und Mariazell. In Laubenbachmühle selbst konnte ich keinerlei Unterkünfte eruieren.

Auf dem Rückweg in Richtung Ober-Grafendorf besteht die Möglichkeit zur Übernachtung in Schwarzenbach an der Pielach im dortigen Gasthof, weiters gibt es einen Gasthof in Loich (zusätzlich noch zwei Bauernhöfe in der näheren und weiteren Umgebung), sowie die Kaiserkogelhütte. Damit ließen sich die beiden letzten Wandertage auch gut auf drei Tourentage aufteilen.

Wann ist die schönste Zeit für diese Mehrtageswanderung?

Diese Tour ist im Grunde zu allen Jahreszeiten machbar, im Winter je nach Schneelage allerdings mit Einschränkungen. Im Hochsommer kann es manchmal sehr heiß werden und dann findet man auf den aussichtsreichen Passagen der Höhenzüge nur wenig Schatten. Die Luft ist dann oft feucht und dunstig, so dass die Fernsicht dadurch deutlich eingeschränkt ist.

Es verbleiben daher das Frühjahr und der Herbst als empfehlenswerte Zeit für die Begehung dieses Weges. Im Frühjahr blüht alles und in Richtung Süden runden die noch schneebedeckten Gipfel der Alpen das dominante und satte Grün der Vegetation ab.

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Blick in die Ybbstaler Alpen vom Aussichtspunkt ‚Himmel‘

Der Herbst kann ohnedies mit vielen Farben vom rötlichen Braun über Gelb bis hin zu Blassgrün und Blau aufwarten. Naturfotografen kommen dann in den Genuss von zahlreichen Gelegenheiten zur Ablichtung von Motiven aus der Natur.

Mein Eindruck:

Es war mir ein Vergnügen, das Pielachtal auf dessen Höhenzügen zu umrunden. Jeden einzelnen der vier Wandertage habe ich genossen und kann diese Runde daher nur wärmstens weiter empfehlen, sowie dazu raten, sich von Mostviertel Tourismus nur ja nicht auf Abwege bringen zu lassen. Noch ist es – auch dank der guten Verkehrsinfrastruktur – relativ einfach, sich die Gesamtstrecke auf mehrere Tagesetappen aufzuteilen. Mit einigen geringen Ab- und Zuwegen sollte das auch in näherer Zukunft keine großen Schwierigkeiten bereiten. Einzig die Asphaltanteile könnten ein wenig geringer ausfallen.

4 Kommentare zu „Der Große Pielachtaler Rundwanderweg 652 – ein Mostviertler Kamm der Extraklasse“

  1. Danke, Deine Pielachtal-Rundwanderweg-Beschreibung ist (wie immer) echt klasse, weil gut recherchiert, und selbst die Erfahrungen mit dem zuständigen Tourismus-Büro kommen nicht zu kurz. Passende Bilder und Deine Beschreibung machen Lust, da auch zu gehen.

    Freu mich schon auf die nächsten Berichte.

    Herzliche Grüße, (… der grüne Pilger) Peter

    Gefällt 1 Person

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