Jahresrückblick 2019: Wo es wirklich läuft…

Irgendwie wird mir das Tempo, mit der die Zeit vergeht, schön langsam unheimlich. Seit gut zehn Jahren gehe ich Österreichs Weitwanderwege ab und habe dennoch erst einen kleineren Teil davon abgeschlossen. Dazu allerdings später gegen Ende meiner diesjährigen Jahresrückschau. Davor möchte ich mich kurz über mein Dasein als Blogger auseinandersetzen und ob ich im zu Ende gehenden Jahr beim Wandern und Reisen Gas gegeben habe oder doch eher auf der Bremse stand.

Zahlen bitte

Zunächst einmal ein paar Worte zum Blog und etwas Statistik: Seit beinahe drei Jahren wird diese Webseite und ihr Facebook-Ableger mit Wander- und neuerdings (endlich!) auch Reiseberichten gefüllt. Ihr Interesse hiefür bekunden immerhin 18 (FB: 150) Abonnenten mit ihrem ‚Like‘ und zugegeben, auf der Webseite könnten es durchaus ein paar mehr sein. Die Klickrate hat gegenüber dem ersten Jahr ein wenig nachgelassen.

Nicht nur die Klickrate hat sich vermindert, sondern auch die Anzahl der verfassten Artikel, was auf eklatanten Zeitmangel oder Unlust meinerseits hindeutet. Ich war seit dem Frühjahr bis in den Herbst hinein oftmals unterwegs und habe dabei einiges an Stoff für weitere Beiträge gesammelt. Es entstand somit ein erheblicher Rückstau beim Schreiben von Berichten über meine Touren sowohl hierzulande als auch in der Ferne. Man bedenke, der Schweizer Jakobsweg ist im Blog noch immer unvollendet, obwohl ich ihn wandertechnisch bereits im Juni 2018 abhakte und ich schulde euch nach wie vor, wie es ab dem Berner Oberland weitergeht.

Das Jahr 2019 chronologisch

Aber was ist nun heuer berichtsmäßig erledigt worden und was ist noch offen geblieben?

Aus dem Vorjahr nahm ich quasi als Winterwanderprojekt den Großen Tullnerfelder Rundwanderweg 475/675  ins neue Jahr mit. Diesbezüglich gibt es einen Erfolg zu vermelden, denn in Atzenbrugg fortsetzend konnte ich die Runde Anfang April auf dem Tullner Hauptplatz abschließen.

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Großer Tullnerfelder RWW: Stift Göttweig zwischen den Marillenbäumen

Die Eröffnungswanderung dieses Jahres führte mich jedoch nicht in die Region um Tulln, sondern zum Laaer Berg auf den Wiener Stadtwanderweg 7. Der sollte bequem an einem Halbtag zu schaffen sein. Warum ich mir für ihn trotzdem deren zwei Zeit genommen habe, erfährt ihr hier. Stadtgewandert bin ich kurze Zeit später auch in Österreichs zweitgrößter Stadt, wofür ich keinerlei Aufwand für Organisation und Planung zu tragen hatte. Die Grazer Abteilung der Sektion Weitwanderer des OeAV war so freundlich… (konnte bisher nicht verbloggt werden)

Nach der Finalisierung des 475/675ers begann für mich die Vorbereitung auf die Sommersaison und da wollte ich höher hinaus als in den vergangenen drei Jahren. Ich wählte deshalb für Ende April einen Rundwanderweg, der zu dieser Zeit ungehindert begehbar war und insgesamt doch ordentlich Höhenmeter vorzuweisen hat. Meine Entscheidung fiel zugunsten des Großen Pielachtaler Rundwanderweges 652, welchen ich von Ober-Grafendorf bei St. Pölten ausgehend südwestwärts bis zum Bahnhof Laubenbachmühle unter meine Sohlen nahm. Kurz zuvor erkundete ich die Fischauer Vorberge (noch nicht im Blog).

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Ötscherblick auf dem Großen Pielachtaler RWW 652

Dem Training für die Bergsaison eher weniger zuträglich waren die drei Wochen im Mai/Juni zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer, wenngleich ich einen Tag davon im Lagodekhi Nationalpark an den Südhängen des georgischen Kaukasus wandern war. Der Nationalpark befindet sich im Grenzgebiet zu Aserbaidschan  – einem eher noch wenig besuchten Land am Kaspischen Meer, wo ich die Tage davor verbrachte.

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zwar kein Nationalpark, dafür aber eine aufstrebende Metropole: Baku in Aserbaidschan

In den Alpen habe ich in dieser Zeit dank der feucht-kühlen Witterung nicht viel versäumt. Kaum zurückgekehrt machte ich mich aber daran, einen weiteren Rundwanderweg mit einer substantiellen Anzahl an Höhenmetern zu begehen. Der Piestingtaler Rundwanderweg 231 (der Beitrag ist noch ausständig) in den Gutensteiner Alpen schien mir da besonders geeignet. Wollte ich Ende Juni noch dessen Komplettbegehung ins Auge fassen, scheiterte ich dann krachend an der enormen Hitze und Trockenheit, welche mir den Aufstieg aus dem Klostertal zur Edelweisshütte am Schneeberg verunmöglichte.

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unterwegs am Piestingtaler RWW 231: Aussicht von der Dürren Leiten zur Dürren Wand

Die drei Folgemonate von Juli bis September standen ganz im Zeichen des  Eisenwurzenweges 08. Insgesamt vier Mal zog ich los – jedes Mal bei für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Temperturen – und arbeitete mich zuletzt bis zum südlichsten in Österreich erreichbaren Punkt am Kärntner Seebergsattel vor, wo auch der Eisenwurzenweg sein Ende findet. Dies war gleichzeitig mein Ersatzprogramm für den Zentralalpenweg 02, der mich nun ein weiteres Jahr nicht gesehen hat. Nicht einmal ein Überspringen der Niederen Tauern war mir vernünftig möglich, weil das Wetter weiter westlich auch im Oktober nicht mitspielte oder die Hütten bereits zusperrten.

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Eisenwurzenweg 08: Nächtigung in der Mödlinger Hütte

Die erste Oktoberhälfte gehörte daher einem Weitwanderweg, den ich bis wenige Tage davor für das Jahr 2019 gar nicht auf meinem Radar hatte. Weil das Wetter zu diesem Zeitpunkt die Alpensüdseite begünstigte, fiel die Entscheidung zugunsten des Kärntner Mariazellerweges von Klagenfurt nach Eibiswald in der Steiermark, wo er in den Steirischen Mariazellerweg einmündet, aus. Auch zu diesem Weg soll eines Tages ein Beitrag entstehen.

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der Kärntner Mariazellerweg kurz nach Griffen

Statt der laut Wanderbuch vorgeschlagenen acht Wandertage benötigte ich nur deren fünf, weswegen ich daheim noch den Wiener Stadtwanderweg 6 anhängen konnte.

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Stadtwanderweg 6: Blick über das Gütenbachtal zur Eichwiese hinüber

Mit den höheren Bergen wurde es also 2019 nicht viel (ausgenommen dem Zirbitzkogel am Eisenwurzenweg mit 2396m und dem 2139m hohen Gipfel des Hochobir in den Karawanken), mit der Überschreitung des Dürrenstein in den Ybbstaler Alpen gelang mir aber noch der Aufstieg auf einen weiteren von mir bis dahin unerklommenen Gipfel. Weitwandermäßig gehört dieser zum Niederösterreichischen Landesrundwander-weg, welchen ich im späten Oktober von Göstling an der Ybbs bis nach Nasswald an der Rax fortsetzen konnte. Das Stück von Hollenstein nach Göstling über den Königsberg war bereits im Sommer dran und geschrieben werden soll über diesen Landesrundwander-weg etwas später.

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Niederösterreichischer LRWW: Blick vom Dürrensteingipfel

Zwischendurch beendete ich weiters noch den Großen Pielachtaler Rundwanderweg 652 von der Laubenbachmühle im Juli (Tag 3) bzw. im September (Abschlusstag) nach Ober-Grafendorf, sowie den Piestingtaler Rundwanderweg 231 in Markt Piesting im August. Schlechtwetterbedingt war im November und wegen der vorweihnachtlichen Auslastung im Dezember Winterruhe. Zum Glück muss ich darüber nichts bloggen!

Unterm Strich

Sieht man also vom Zentralalpenweg einmal ab, war 2019 für mich ein recht erfolgreiches und für einen Hauptstadtbewohner ein einigermaßen aktives Wander- und Reisejahr. Von den österreichischen Weitwanderwegen habe ich jene mit der Nummer  04, 07 und 08 vollständig erwandert. Dazu gesellen sich noch der Wiener, der Burgenländische sowie der Kärntner Mariazellerweg (ohne Alpinvariante), die allesamt die Nummer 06 tragen.

Versuch einer Vorschau

Die relative Ruhe im Winter ermöglicht mir ein intensiveres Nachdenken über potentielle Aktivitäten im nächsten Jahr. Auch da wird der Zentralalpenweg während der Sommermonate bei mir im Fokus stehen. Wäre doch wirklich einmal an der Zeit, die Wölzer und die Schladminger Tauern ohne gröbere witterungsbedingte Störungen durchwandern zu können. Entsprechende Vorbereitungs- und Aufwärmtouren im Frühjahr und Frühsommer werde ich mir erst suchen müssen. Dabei denke ich auch den Start auf einem weiteren Weitwanderweg in Österreich an, der zur Not eventuell wieder als Ersatzprogramm für den Zentralalpenweg herhalten könnte.

Ebenso könnte es eine Fortsetzung auf dem Niederösterreichischen Landesrund-wanderweg geben, wo mir die Überschreitung der Rax bevorsteht, die wiederum als Vorbereitungsprogramm für den 02er durchginge.

Das Ausland soll in meinen Überlegungen keineswegs zu kurz kommen, denn meinen Haupturlaub plane ich für nächstes Jahr abermals außerhalb Österreichs und zwar soll es nach und ich in Frankreich gehen. Insider werden schon ahnen, wovon ich schreibe und eine Auffrischung meiner Französischkenntnisse als Vorbereitung wäre auch von Vorteil. Aufgefettet könnte mein Auslandsprogramm eventuell noch um den einen oder anderen Städtetrip werden.

2019 sind sehr lange gewandert oder gereist

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, ob ich mich abseits meiner Outdoor-Aktivitäten auch noch an meinem Arbeitsplatz blicken lasse. Dieser Eindruck täuscht und die Länge und die Häufigkeit von Abwesenheit werden anscheinend subjektiv sehr unterschiedlich wahrgenommen. Es gibt Outdoorer und Reisefreunde, die mich bei diesen Kriterien problemlos in den Schatten stellen. Einige von ihnen seien hier kurz erwähnt.

Jazz Min zum Beispiel erwandert seit mehr als einem halben Jahr die Iberische Halbinsel und lotet dabei ihre Grenzen aus, unter anderem mit der Solobegehung des GR11 über die Pyrenäen der Länge nach. Vor kurzem war sie in Barcelona und wer weiß, wohin es sie noch verschlägt.

Bereits deutlich länger ist Thair Abud unterwegs. Er meldet sich beinahe täglich von seiner Langzeitwanderung vom Nordkap zum Kap der guten Hoffnung bei Kapstadt. Im April 2018 gestartet hat er jetzt ein geschätztes Drittel des Weges hinter sich und den Sprung nach Afrika geschafft.

Getoppt wird die Ausdauer der vorhin genannten Wanderer von Mel Vogel, die – nun mit Hund Malo – seit dem Sommer 2017 die Herausforderung des Great Trail in Kanada sucht und das selbstverständlich auch im arktischen Winter. Bei Extremtemperturen von -40°C verweilt sie zwar bei Gastfamilien in beheizten Häusern, sobald es „wärmer“ ist (und da spreche ich jetzt von -20°C), macht sie sich jedoch wieder auf den Weg. Derzeit legt sie die ersten Kilometer auf dem Alaska Highway zurück und schreibt auch darüber.

Legt man größere Distanzen nicht nur zu Fuß, sondern auch fahrend zurück, benötigt man ordentlich Sitzfleisch – zumindest, wenn man so lange unterwegs ist, wie Gudrun, die Reisebloggerin. Mit ihren Fernreisen ins südliche Afrika und nach Japan hat sie beinahe schon das halbe Jahr 2019 im Ausland verbracht. Von ihren kürzeren „Ausflügen“ rede ich da noch gar nicht.

Das Wander- und Reisejahr 2019 war jedenfalls wieder äußerst ereignisreich und in diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern einen guten Rutsch ins nächste Jahr, welches uns genauso schöne Eindrücke und Abenteuer bringen möge, wie das eben abgelaufene.

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