Bad Ischl: Kurstadt und Sommerresidenz des Kaisers im Salzkammergut – als daytrip von Wien aus sinnvoll?

Die an der Traun liegende Stadt Bad Ischl – oder Ischl, wie die Einwohner den Kurort inmitten des Salzkammerguts kurz nennen – wird im Jahr 2024 gemeinsam mit zwei weiteren Städten Kulturhauptstadt Europas sein. Das ist seit dem Spätherbst 2019 bekannt und für mich Grund genug, ohne gröberen Verzug für einen Tag zur Erkundung eben dorthin aufzubrechen. Als Zeitpunkt wähle ich einen scheinbar nicht allzu kalten Wintertag Anfang Januar.

Wirtschaftliche Bedeutung erlangt Bad Ischl ab der Mitte des 14. Jahrhunderts mit dem Salzbergbau in der Umgebung zwischen Bad Goisern und Ebensee. Ihre Blütezeit erreicht die Stadt jedoch erst knapp 500 Jahre später, als die Kaiserfamilie ihre Sommerresidenz hierher verlegte. Dies stand im Zusammenhang mit der wegen der Soleheilbäder zunehmenden Bedeutung als Kurort.

Aber ist ein Tagesausflug von Wien nach Bad Ischl zeitmäßig und gar in den Wintermonaten, wo es kalt ist und die Tage kurz sind, überhaupt sinnvoll?

Meine Anreise erfolgt mit dem Zug mit Umstieg in Attnang-Puchheim und dauert etwa vier Stunden. Beim Aussteigen im Bahnhof von Bad Ischl bin ich dann relativ entspannt, denn die sonst in den Sommermonaten üblichen Touristenmassen bleiben diesmal aus. Die räumliche Ausdehnung der Stadt hält sich außerdem in Grenzen, was deren Erkundung zu Fuß sehr erleichtert. Mehr dazu gegen Ende dieses Beitrages.

Rundgang durch Bad Ischl

Vom Auböckplatz zur Esplanade

Vom Bahnhof weg begebe ich mich gleich einmal zum Auböckplatz, quasi dem zentralen Platz der Stadt. Auf dem Weg dorthin kommt man beim Eurothermenressort vorbei. Dieses lasse ich diesmal aus, weil sich dessen Besuch ohnehin nur mit einer Tageskarte lohnen würde. Der Auböckplatz hat gleich mehrere historische Bauwerke zu bieten, namentlich das „Post- und Telegrafen-Amt“, die denkmalgeschützte Trinkhalle und die St. Nikolauskirche.

Während ersteres für mich ein gutes Fotomotiv abgibt, ist in der Trinkhalle die örtliche Tourismus-Information untergebracht und davor ein als „Kaisereis“ bezeichneter Eislaufplatz für Kinder. Die Kirche schließlich steht leicht erhöht und wird mir später einen besseren Überblick über den Auböckplatz ermöglichen. Beim Versuch, sie auch innen zu besichtigen, platze ich dann allerdings in eine Trauerfeier, womit dieser Plan hinfällig wird. Die Pfarrgasse ist Fußgängerzone und macht auf mich den Eindruck einer Flanier- und Einkaufsstraße. Hier befindet sich auch das Bad Ischler Rathaus.

Die Gasse endet am Schröpferplatz, dessen Name hoffentlich keine Andeutung auf das Shoppingerlebnis in der Pfarrgasse ist. Ich befinde mich wieder am Ufer der Traun mit Blick zur Katrin, dem Hausberg der Ischler und folge nun den Schildern zum Sisipark der Esplanade entlang südwärts. Den Park finde ich nicht oder er befindet sich zu weit außerhalb der Stadt, dafür entdecke ich aber einen Pavillon mit der Aufschrift „Sissikuss“, der sich als Souvenirshop entpuppt.

Überhaupt erinnert in Bad Ischl sehr viel an die jährlichen Sommeraufenthalte der Kaiserfamilie.

Nach mehr als einer Stunde des Herumlaufens in der Stadt wird mir kalt. Darum suche ich nicht weiter nach dem Sisipark, sondern kehre beim Gedenkstein des oberösterreichischen Mundartdichters Franz Stelzhamer um und in das Café Zauner an der Esplanade ein. Eine der hier angebotenen Spezialitäten ist der „Zaunerstollen“.

Von der Esplanade zum Kurhaus

Einen imaginären Anschlag auf meine Geschmacksnerven erlebe ich gleich anschließend auf dem Rückweg zum Schröpferplatz, denn da muss ich auch wieder beim Gasthaus „Zur Salzmühle“ vorbei. Dass man hier dem Thema Salz nicht ausweichen kann, ist nicht weiter verwunderlich, nur unmittelbar nach dem Besuch beim Zauner müßte es doch bitte nicht sein. Wenn ich schon beim Salz bin, so folge ich ab dem Schröpferplatz der Wirerstraße, welche nach einem Wiener Arzt benannt ist, der die Heilerfolge der Solebäder im ehemaligen Kaiserreich und vielleicht auch im restlichen Europa bekannt machte und so den Aufstieg Bad Ischls zumindest indirekt mitverantwortete. Linker Hand erstreckt sich nun der Kurpark, an dessen anderem Ende sich das Kurhaus vor mir aufbaut. Nicht nur die Kaiserfamilie, sondern auch andere internationale Größen, wie beispielsweise Franz Lehár, Johannes Brahms und Johann Strauss kamen hierher und ließen sich hier inspirieren.

Kaiserpark und Kaiservilla

Doch vom Salz nun zum Kaiser! Via Kreuzplatz und Götzstraße suche ich den Kaiserpark auf und melde mich zu einer Führung durch die Kaiservilla an. Die Führungen finden stündlich statt, so dass mir bis zum Beginn der nächsten noch eine Dreiviertelstunde Zeit bleibt. Ich nutze sie für einen Rundgang durch den Park, der an einem Hang angelegt ist und mehrere Pavillons aufweist, unter anderem den Verlobungspavillon und das Cottage der Kaiserin. Von den Pavillons aus hat man gute Sicht in die umliegende Bergwelt mit Katrin, Hohe Schrott, Siriuskogel usw.

Die Führungen durch die Kaiservilla dauern etwa 45 Minuten und man bekommt alle Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss zu sehen. Schon in der Eingangshalle erkennt der Besucher, dass Kaiser Franz-Joseph-I. ein passionierter Waidmann war, weshalb zahlreiche Trophäen die Wände zieren. Das Fotografieren ist während der Führung leider nicht gestattet.

Auf Umwegen in die Franz-Josef-Straße

Nach dem Verlassen des Areals „Kaiserpark“ geht es wieder zum Kreuzplatz retour. Dort kann man sich drei- bis viermal am Tag das Glockenspiel anhören. Dieser Genuss ist mir an diesem Tag (wenn auch zwischenzeitlich recht knapp) nicht vergönnt, weshalb ich diesbezüglich auch keinerlei Empfehlung geben kann. Vom Gehen und Schauen bin ich jetzt ohnehin ein wenig ermattet und mir ist jetzt mehr nach einer Pause an einem warmen Plätzchen. Der k. u. k. Hofwirt in der Wirerstraße bietet sich dafür an.

Wieder beim Auböckplatz angekommen wende ich mich dem Adalbert-Stifter-Kai und somit wieder der Traun zu. Bis auf das eine oder andere Gebäude mit älterer Bausubstanz bleibt meine Ausbeute jedoch gering. Dann also wieder zurück zur St. Nikolauskirche und in die Franz-Josef-Straße, wo ich mich nach Kunsthandwerksläden umsehe. Viele finde ich nicht davon, denn das Kunsthandwerk, für das Bad Ischl bekannt ist, spielt nur an den Adventmärkten eine wesentliche Rolle, lasse ich mir von der Tourismus-Info sagen.

Nach Enttäuschungen hilft Süßes – eine Erfahrung, die ich bereits in meiner Kindheit machte. Gut, dass das Café Lafayette nicht weit ist.

Noch ein Museum

Der Tag schreitet voran und die Abenddämmerung ist nicht mehr fern. Höchste Zeit also, in Richtung Stadtmuseum aufzubrechen, bevor es schließt. Das bedeutet, ich muss wieder zur Esplanade zurück, wo mir ab der Bezahlung des Eintrittsgeldes noch exakt eine Stunde für die Besichtigung der Exponate verbleibt.

Abendliches Bad Ischl

Das restliche Programm ist Bad Ischl bei Nacht. Beim Verlassen des Stadtmuseums erkenne ich sofort, dass an der Traun mit der Beleuchtung nicht unbedingt gespart wird. Am deutlichsten wird das bei der Elisabethbrücke und bei der Lehár-Villa, welche ich mir nun auch aus der Nähe ansehe. Dabei wechsle ich erstmals an diesem Tag auf die andere Flussseite und erkunde ein paar Gassen, Points of Interest kommen mir aber kaum unter. Auch besagte Villa ist nur vom anderen Ufer aus gut abzulichten.

Mein Aufenthalt in der Stadt neigt sich dem Ende zu und ich beginne, nach einem Lokal Ausschau zu halten. Das Traunufer, die Pfarrgasse und die Umgebung des Auböckplatzes werden dabei nochmals unter die Lupe genommen, aber erst in der Schulgasse werde ich fündig. In der Pizzeria „La Piazza“ lasse ich den Tag ausklingen und begebe mich gleich anschließend zum Bahnhof.

Einige Tipps für den Trip

Welche Zeit ist für einen Trip nach Bad Ischl günstig?

Will man den Besuchermassen, die sich alljährlich im Hochsommer rund um den Geburtstag von Franz Joseph in der Stadt einfinden, um diesen nostalgisch- folkloristisch zu zelebrieren, entgehen und dabei auf Nummer sicher gehen, dann kommt man am besten in den Wintermonaten hierher. Wenn man es in den Weihnachtsferien nicht schafft, dann ist der Mittwoch der Tag der Wahl, denn einige wesentliche Sehenswürdigkeiten sind dann nur an diesem Tag geöffnet. Wie es da in den Straßen von Bad Ischl zugeht, entzieht sich meiner Kenntnis, denn ich war in den Weihnachtsferien an einem Freitag dort. Der Status als künftige Kulturhauptstadt Europas könnte den Touristenstrom in Hinkunft noch weiter anschwellen lassen.

Was bringt die Tourist-Information in der Trinkhalle?

Die Tourist-Info ist, wie weiter oben bereits erwähnt, in der denkmalgeschützten Trinkhalle untergebracht. Verglichen mit anderen Infostellen in kleineren Fremdenverkehrsgebieten wirkt Bad Ischl auf diesem Gebiet jedoch etwas weniger professionell. Als Vergleich fällt mir dazu z.B. Scharnitz in Tirol ein. Zur Verteidigung der Kurstadt könnte man eventuell einwenden, dass hier im Sommer vielleicht anderes Personal am Werk ist.

Was kann man sich im Kaiserpark ansehen?

Zumindest im Winter hat man unbeschränkten Zugang zum Kaiserpark. Beim Eingang befindet sich jedoch ein kleines Kassahäuschen. Sollte es noch genutzt werden, kassiert man hier entweder auch einen kleinen Obolus (während der Hauptsaison im Sommer) für den Park extra oder man fängt bereits hier den Besucherstrom auf, damit dieser nicht die Eingangshalle der Kaiservilla verstopft.

Für die Villa sind 15 EUR fällig und die Besichtigung ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich.

Rentieren sich Besuche in den Museen?

Um es vorweg zu nehmen, das Fotomuseum und die Lehár-Villa waren leider geschlossen. Offen waren hingegen die Kaiservilla und das Stadtmuseum, welches ohne die Krippenausstellung 7 EUR Eintritt verlangte, die sich jedenfalls lohnen. Auf insgesamt vier Ebenen werden das Salinenwesen im Salzkammergut (Ebene 0), die Beziehung von Kaiser Franz Josef zur Kurstadt, das Brauchtum in Bad Ischl (Ebene 2) sowie das historische Bad Ischl ausgestellt. Geöffnet ist bis 17:30 Uhr.

Wo besteht die Möglichkeit zur Einkehr?

Will man in Bad Ischls Zentrum essen, kommt man am k.u.k. Hofwirt in der Wirerstraße nur schwer vorbei. Das merkt man auch an der Frequenz in den Speiseräumen – selbst am frühen Nachmittag mitten im Winter.

Das Preisniveau kann man für eine Touristenhochburg gerade noch als moderat durchgehen lassen und das Personal ist trotz Stress freundlich und hat alles im Griff, so dass ich keine längeren Wartezeiten auf Speis und Trank feststellen mußte.

Daneben kann man auch das Gasthaus „Zur Salzmühle“ an der Esplanade oder das Gasthaus „Zur Bürgerstub’n“ am Kreuzplatz beehren.

Zur Kaffeejause eignen sich das Café Lafayette in der Götzstraße sowie selbstverständlich das „Zauner“. Vom Preis des „Zaunerstollens“ (2,70 EUR) darf man sich nicht täuschen lassen, denn der Kuchen ist halbkreisförmig und klein. Will man ihn trotzdem probieren, ist es unter Umständen ratsam, solches als zweites Frühstück in Erwägung zu ziehen. Nachmittags bekommt man höchstwahrscheinlich nur schwer einen Platz im Café.

Welche Kosten sind angefallen?

Zum Schluss mache ich mir noch die Mühe einer kurzen Kostenaufstellung für den Tagesausflug. Die Gesamtkosten halten sich für einen Tag im Rahmen und überschreiten nicht die für Reisen üblichen Tageskosten. Das waren in meinem Fall etwa 130 EUR.

Davon entfielen:

  • auf die Fahrt (hin/retour): 53,60 EUR
  • Kaiservilla:                            15,00 EUR
  • Stadtmuseum:                        7,00 EUR
  • Essen (k.u.k.Hofwirt):         17,50 EUR
  • Essen (La Piazza):                15,30 EUR
  • 2. Frühstück (Zauner):          6,50 EUR
  • Jause (Lafayette):                   6,70 EUR

Die Summe beträgt 121,60 EUR. Der Rest auf die 130 EUR waren Trinkgelder.

Beantwortung der Frage: Wie gut ist der Trip ex Wien an einem Tag machbar?

Klammert man das Thermenressort aus, kommt man in einem Tag durch die Stadt recht gut zurecht. Abstriche müssen dabei nur bei jenen Aktivitäten gemacht werden, für die man ohnehin große Teile des Tages benötigen würde, z. B. ein Besuch des Ischler Hausberges. Wesentlich ist aber, dass der Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen Bad Ischl bzw. der An- und Rückreise gewidmet ist, davon acht Stunden Fahrzeit. Netto ist man dann ca. 10.5 Stunden vor Ort und auch bei Kälte gibt es ausreichend Möglichkeiten zu einer wärmenden Einkehr etc. Dass es auch bei Sonnenschein kalt bleiben kann, liegt daran, dass die Sonnenstrahlen die Gebiete östlich der Traun erst später am Tag erreichen.

Noch ein paar Worte zum Trip insgesamt: Es war wohl sicher einer meiner spontaneren Entscheidungen für ein Reiseziel. Bad Ischl hat meinen Erwartungen voll entsprochen und kann daher eine Visite von Kaiservilla & Co nur weiter empfehlen. Hat man sich an der Stadt erst einmal satt gesehen, bleiben immer noch Bad Goisern und Hallstatt als Points of Interest übrig. Mich selbst würden aber auch die Salzkammergutberge insgesamt reizen, vor allem dann, wenn Bad Ischl mit Touristen wieder voll ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s