Via Jacobi: Im noch jungen Naturpark Gantrisch

In diesem Abschnitt beschreibe ich den Wegabschnitt von Amsoldingen nach Schwarzenburg. Er ist nur etwa dreißig Kilometer lang und verbleibt bis zu seinem Ende komplett im Kanton Bern. Die eher landwirtschaftlich durch Ackerbau und Viehzucht geprägte Region kann gut an einem einzigen Tag erwandert werden, oder so wie von mir an zwei Halbtagen. Blumenstein, Wattenwil, Burgistein, Riggisberg und Rüeggisberg sind die Orte, die ich vor meiner Ankunft in Schwarzenburg zu durchqueren habe. Exakt ist diese Einteilung allerdings nicht, denn der Naturpark Gantrisch beginnt erst nach Blumenstein im Naturschutzgebiet Längmoos und reicht bis an die Sense, dem Grenzfluss zum Kanton Fribourg eine gute halbe Gehstunde hinter Schwarzenburg.

Nach der Mittagspause vor der Kirche in Amsoldingen setze ich den Weg auf dem schmalen Seegässli fort und komme dabei kurze Zeit später – bereits außerhalb von Amsoldingen –  zu einem Schranken, welcher im Falle von Schießübungen der Schweizer Armee den Durchgang bis zu einer Stunde abriegeln kann. Jetzt am frühen Nachmittag dürfte die Munition bereits verschossen sein, so dass ich ungehindert eine Kantonsstraße erreiche, der ich bis in das Dorf Uebeschi folge. Dort sollen sich einige schöne Holz-häuser befinden, ein richtig fotogenes Ensemble davon kommt mir jedoch nicht vor die Linse. Darum halte ich auf der wesentlich ruhigeren Straße Hubeli auf der anderen Seite von Uebeschi gleich etwas bergan auf den Hof „Gänsemoos“ zu, gehe daran aber ebenso vorbei, wie beim Weiler Schubhus.

Von nun an in ein Waldstück abwärts gehend, gelange ich an den Fallbach, dessen Namensvetter in Vorarlberg sich zur Zeit der Schneeschmelze im Frühjahr deutlich spektakulärer in die Tiefe stürzt. Entlang dem im Vergleich dazu hier recht gemächlichen Geplätscher passiere ich zunächst eine Mühle, wo ich mich scharf nach rechts dem Ort Blumenstein zuwende. Auffälligstes Gebäude dort ist jenes der hiesigen Gemeindeverwaltung, weil es mit einem kleinen Türmchen versehen ist und direkt an einem blumengeschmückten Kreisverkehr liegt. Wegen der kargen Mittagspause suche im Ort eine Konditorei auf, um endlich die Energiereserven wieder aufzustocken.

Das kostet mich eine Stunde, während der sich an den Bergen der Stockhorngruppe Wolken zu stauen beginnen. Die dazugehörigen Regenschleier kommen mir mit der Zeit näher und erreichen mich just beim Verlassen von Blumenstein. Am Beginn des Naturparks Gantrisch mache ich einen unfreiwilligen Umweg auf einem Forstweg und einer Straße zur holzgedeckten Forstsägebrücke hin. Kommt mir natürlich bald komisch vor und ist auch im Wanderbuch nicht so beschrieben, so dass es mich nicht weiter wundert, dass der korrekte Weg bei der Brücke von links aus dem zum Naturschutzgebiet Längmoos gehörenden Wald daherkommt. Als Buße erlege ich mir die Doppelbegehung des zuvor verpassten Wegabschnittes auf – immerhin 700 m je Richtung.

Zum Naturpark Gantrisch: Dieser besteht erst seit 2012 als solcher und liegt im Schweizer Alpenvorland zwischen den Städten Bern, Fribourg und Thun. Mit seinen 404 Quadratkilometern ist er in seiner Ausdehnung mit jener des Bundeslandes Wien vergleichbar. Für die 25 Parkgemeinden sind vor allem die Landwirtschaft und der Tourismus von größerer Bedeutung. Beim namensgebenden Gantrisch selbst handelt es sich um eine 2175m hohe Erhebung im Berner Oberland.

Auf der anderen Seite des Flusses Gürbe strebe ich dicht am Ufer direkt Wattenwil zu.

In Wattenwil übernachte ich bei den Besitzern der örtlichen Blumenhandlung Liechti. Zu essen gibt es in einer nahegelegenen Pizzeria und als das erledigt ist, ziehe ich mich für den Rest des Tages auf mein Zimmer zurück. Im Frühstücksraum bemerke ich am nächsten Morgen, dass außer mir noch zwei Arbeiter über Nacht im Haus waren. Zum Begleichen der Rechnung muss ich mich dann schon zum Blumenladen gegenüber bemühen. Aller Zahlungsrückstände nun entledigt, kann ich den Weg, der mich bis zum frühen Nachmittag nach Schwarzenburg bringen soll, fortsetzen.

Dass das ein ambitioniertes Vorhaben ist, wird mir sehr schnell klar, denn gleich nach der Kirche wendet sich der Jakobsweg nach rechts Richtung Dornere und hat an-schließend einige steile Abschnitte aufwärts parat. Zwischen Weiden aufsteigend überblicke ich mehr und mehr an kürzlich zurückgelegten, von den Berggiganten des Berner Oberlandes umrahmten, Wegstrecken.

Beim Biohof Stauffenbühl endet der Anstieg vorerst und es geht wieder leicht abwärts zur Streusiedlung Burgistein hinüber. Der im Wanderbuch erwähnte Gasthof Linde kann mich mit verschlossenen Türen nicht locken, dafür käme ein auf einem Hügel in der Nähe thronendes Schloss für einen Abstecher in Frage. Durch hügelige Landschaft schlängelt sich der Weg in Richtung Riggisbberg, das schon von weitem zu sehen ist. Stockern, Bifang und Hubel heißen die Höfe, welche ich davor noch streife, dann treffe ich auf die Kantonsstraße, die nach Riggisberg hinein Gurnigelstraße heißt. Im Zentrum von Riggisberg mache ich mich nun auf die Suche nach dem Stufenweg zur erhöht stehenden Kirche hinauf, wo mich ein geschützter Pausenplatz erwartet.

 

Von der erhöht stehenden Kirche aus überblicke ich den Weg, auf dem ich hierher gekommen bin und damit auch die zuvor angesprochenen Höfe Hubel, Bifang und Stockern. Doch es geht noch weiter bergauf am Gehöft Haselmatt vorbei zum Weiler Tromwil. Dort schlage ich die endgültige Richtung nach Rüeggisberg ein, das bedeutet zunächst neben einer zweispurigen Straße, welche ich kurz nach der Durchquerung von Mättiwil auf einem Feldweg verlasse. Dieser Weg ist im weiteren Verlauf nicht befestigt und deshalb schwer zu gehen. Nur gut, dass dessen Ende bei den ersten Häusern von Rüeggisberg stets auszumachen ist. In dieser Siedlung biege ich dann wieder einmal in einen „Jakobsweg“ ein und stehe bald darauf im Ortszentrum bei der Martinskirche, von der Teile bereits aus dem 9. Jahrhundert stammen. Sehenswert sind auch eine Reihe stilechter Berner Bauernhäuser entlang der Hauptstraße.

Von der Martinskirche in Rüeggisberg bis nach Elisried – also etwa für die folgenden zwei Gehstunden – kann auf einer nördlichen Variante über den mit der Wegnummer 3 markierten Alpenpanoramaweg vom eigentlichen Jakobsweg abgewichen werden. Wie der Name der Alternative bereits verrät, handelt es sich hierbei teils um einen Höhenweg. Dadurch wird auch mein Interesse daran geweckt, womit ich den Hauptweg für die nächsten paar Kilometer links im Tal liegen lasse. Der Nachteil der Geschichte ist, dass mir das eigentliche Wahrzeichen von Rüeggisberg – die Klosterruine – entgeht.

Zunächst laufe ich also eine schmale Straße bergan bis ich zu einem Aussichtsplatz mit grandiosem Blick über das Schwarzenburger Land gelange. Von da an geht es steil bergab an einigen Höfen und Weiden vorbei, wobei es vorübergehend recht sumpfig wird. Am Ende des Abstieges beginnt ein schmaler Pfad durch den Wald, der in den Rossgraben hinein führt. Auf einer Brücke überschreite ich das Schwarzwasser, womit ich das Schwarzenburger Land betrete.

Das Schwarzenburger Land erstreckt sich vom Schwarzwasser bis zum Flussbett der Sense, wo die Grenze zum Kanton Fribourg verläuft. Landschaftlich betrachtet lässt sich das Gebiet in die hügelige Voralpenzone einordnen, welche vom Höhenzug Egg, von welchem ich möglichherweise in den Rossgraben abgestiegen bin, in einen nördlichen und in einen südlichen Teil getrennt wird.

Auf den nun folgenden zwei Kilometern wandere ich auf der Straße, dann zweigt der Weg in den Wald bergauf weg. Der Abschnitt des Weges bis zum nächsten Bauernhof unweit vor Elisried ist mir markierungstechnisch in eher schlechter Erinnerung geblieben. Dass ich mir im Wald keinen Verhauer leiste, verdanke ich wohl ausschließlich meiner geforderten intuitiven Fähigkeiten oder dem reinen Zufall, denn an wichtigen Wegteilungen befindet sich keinerlei Hinweis auf den Weiterweg. Bald erreiche ich den Hof Hübeli, von wo eine breite Schotterstraße zu jener Kreuzung leitet, wo die Variante und der Jakobsweg sich wieder vereinigen und gemeinsam zu einer Kantonsstraße im Weiler Schönentannen hin verlaufen.

Der Hauptweg nimmt eine Route von Rüeggisberg über Helgisried und Rohrbach, überquert danach das Schwarzwasser und wendet sich anschließend über Henzischwand dem Weiler Elisried zu. Er ist ungefähr einen Kilometer länger als die Alternative.

Erst wenige Meter auf der Kantonsstraße unterwegs, kann ich bei einem Restaurant schon wieder zwischen zwei alternativen Wegen nach Schwarzenburg hinein wählen. Welcher von ihnen der offizielle Jakobsweg ist, wird mir im Wanderbuch nicht verraten. Der blau-gelben Muschelbeschilderung nach dürfte es jener sein, der sich über ein paar Stufen bergan einem Höhenrücken zuwendet. Das habe ich gerade hinter mir, weshalb ich an der Straße verbleibe, am Hof Kehr vorbei marschiere und erst dann über einen Feldweg an den Ortsrand von Schwarzenburg gelange. Auch hier sind Jakobsweg-Schilder angebracht, allerdings die alten, so dass ich annehmen kann, dass es sich hierbei vielleicht um den historischen Wegverlauf handelt.

Um ins Zentrum von Schwarzenburg zu kommen muss ich nur das Bahnhofsgelände durchqueren. Bei der danach erreichten Straße zweigt nach links ein Zubringer zum Dorfplatz weg, wo sich der Gasthof Sonne mit angeschlossenem Gastgarten befindet. Ich habe einen geeigneten Platz für meine etwas verspätete Mittagspause gefunden.

 

Schwarzenburg ist logischerweise das Zentrum des Schwarzenburger Landes. Sehenswert sind hier die reformierte Kirche Maria Magdalena aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem charakteristischen Turm, weiters ein Schloss am südlichen Ortsrand aus dem 16. Jahrhundert sowie etwas abseits die Burgruine Grasberg. Gleich vorweg, nichts davon habe ich erkundet.

Eine Stunde dauert die erholsame Pause im Gasthof, während es sich von den umliegenden Bergen ausgehend zunehmend eintrübt. Es riecht förmlich nach einem Gewitter, noch bin ich aber nicht am heutigen Tagesziel. Diesbezüglich habe ich mir noch den Marsch über die Kantonsgrenze nach Heitenried und wegen der dort leider kürzlich (Anfang 2018) aufgrund einer schweren Erkrankung des Herbergsvaters auf-gelassenen Pilgerherberge weiter nach St. Antoni vorgenommen. Ob ich dort wohl zeitgerecht eintrudeln werde? Man wird sehen…

Wer von euch ist dort schon gegangen und welche Alternativen habt ihr gewählt? Welche Eindrücke habt ihr vom Hauptweg durch das Schwarzenburger Land? Welches Versäumnis habe ich durch das Auslassen der Klosterruine bei Rüeggisberg auf mich genommen? Wenn euch dazu etwas einfällt, dann schreibt es mir bitte!

 

 

4 Kommentare zu „Via Jacobi: Im noch jungen Naturpark Gantrisch“

  1. Oh, wie schön, besonders das Titelbild. Da kom t große Sehnsucht in mir auf. Amsoldingen und Wattenwil klingen mir bekannt im Ohr, als sei ich da schon einmal gewesen. Gibt es ggf. eine Karte von dem jeweiligen Abschnitt, die du abfotografieren und ggf. in deine Berichte integrieren kannst? Oder verlinken. Mir würde das helfen, denn ich orientiere mich gern daran, wo genau jemand nterwegs war.
    Liebe Grüsse und bleib gesund!

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      1. Dankeschön.
        Ich baue immer Links izu Outdooractive oder Komoot in meine Blogberichte ein. Ist das eine Urheberrechtsverletzung??

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      2. Nein, Fotos aber eher schon. Ich weiß nicht, ob ich mit outdooractive oder komoot schon so gut zurechtkäme, dass ich das einbauen könnte. Bei Touren, zu denen es ohnehin zahlreiches Kartenmaterial in der Literatur oder im Web gibt, erachte ich das nicht für notwendig, allenfalls bei selbst zusammengestellten (Tages-)touren.

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