Eisenwurzenweg 08: Tag 10 – Regen bringt Segen

Ich habe Glück! Den einen Tag daheim lasse ich den Himmel weinen, wobei im Ybbstal gar nicht so viel Nass herunterkommt. Für mich wesentlich ist aber, dass die Amstettner Hütte nach einem Pächterwechsel heute den ersten Tag wieder geöffnet hat und der dafür nötige Abstecher vom Gehöft Hochseeberg deswegen auch lohnt. Damit kann ich den Eisenwurzenweg in diesem Abschnitt vollständig begehen.

Insgesamt ist für dieses Wochenende angedacht, von Böhlerwerk über Waidhofen an der Ybbs zur Amstettner Hütte zu gehen und danach nach Opponitz abzusteigen. Ein Zimmer konnte ich bei einem dort ansässigen älteren Ehepaar vorab reservieren. Den Sonntag will ich dann weiter ins Ybbstal hinein bis nach Hollenstein an der Ybbs wandern, um dort – möglicherweise dann über den Winter – zu unterbrechen, denn danach würde sich die etwa 1700m hohe Stumpfmauer vor mir aufstellen – mit dem bislang höchsten Punkt auf dem Eisenwurzenweg.

Strecke: Böhlerwerk – Waidhofen/Ybbs – Hochseeberg (mit Amstettner Hütte) – Opponitz, 26km; Aufstieg: 790Hm; Abstieg: 780Hm;

Tag der Tour: 15.09.2018;

Aber der Reihe nach: von der Bahnhaltestelle in Böhlerwerk weg finde ich durch einen Blick hinauf zur Basilika in Sonntagberg sofort eine gedankliche Connection zu vorgestern. Von da oben bin ich eben erst steil abgestiegen. Über den Rest des Weges nach Waidhofen an der Ybbs verliere ich lieber nicht allzu viele Worte. In etwa eine Dreiviertelstunde auf der Straße mit Häuserzeilen links und rechts davon bietet mir kaum Abwechslung. Deshalb strebe ich schleunigst der Bezirkshauptstadt zu und begebe mich dort sofort auf den Hauptplatz, wo ich mich vor einem Café hinsetze und dem Treiben auf dem Platz zusehe. Den Café gibt es selbstverständlich auch dazu.

Danach soll es in den Hang des Buchenberges gehen, doch finde ich den Ausgang aus der Stadt nicht sofort. Nach einigem hin und her entdecke ich mittels der „trial and error“-Methode den Schillerpark, wo die Wegmarkierungen wieder beginnen, doch noch. An einem Tiergehege und dem „Jubiläumsbrunnen“ vorbei, erreiche ich einen ersten Rastplatz, den ich zum Trinken und zur Entledigung einer unnötig gewordenen Kleidungsschicht nutze. Es geht, seit ich aus Waidhofen an der Ybbs heraus bin, zügig den Buchenberg bergan und die Pfeile in dieser Gegend sind hoffentlich nicht auf mich gerichtet. Ich bewege mich nämlich vorübergehend in einem Gelände, wo man gerne dem Bogenschießsport frönt.

Danach wendet sich der Weg an der Rückseite des Buchenberges nach Süden und passt sich in seiner Breite jener eines typischen Fußweges an. So geht es weiter bergan bis zum Waldrand und von da deutlich bergab zum Gasthaus Untergrasberg. Eine nun wieder merklich aufwärts ziehende Straße bringt mich anschließend zum Gehöft Obergrasberg.

Auf Erdwegen setze ich den Weg über eine steile Rampe in die Wälder am Hang des Glatzberges und später des Fohraberges fort. Das nächste Zwischenziel ist das Holzerbauernkreuz, der Weg dorthin ist sehr schmal und teilweise abgerutscht. Der Regen vom Vortag macht die Unterlage auch ein wenig rutschig, was dazu führt, dass das Holzerbauernkreuz eine gefühlte Ewigkeit nicht kommt. Erst als man nach der Sichtung des auf dem gegenüber liegenden Sattel gelegenen Gehöftes Grestenberg deutlicher an Höhe verliert, ahnt man die rasche Annäherung an diesen wichtigen Wegpunkt.

Vom Kreuz, das eher ein Marterl ist, zweigen vier Wege oder Straßen weg. Ich nehme jene, welche mich – neuerlich aufwärts –  zum Bildstock „Rabenstadl“ bringt. Die Straße verlasse ich schon bald nach rechts auf einen erdigen Waldpfad, der zügig weiter aufwärts auf Weideland führt – und mitten darin an einer Straße steht der Bildstock. Danach benötigt man zur weiteren Orientierung Adleraugen. Ich kreuze also die Straße und begebe mich ein paar Meter zu einer größeren Weidefläche hinab. Um die nächstfolgende Markierung zu erspähen, muss ich den gesamten gegenüber liegenden Waldrand absuchen, wobei mir zwei entgegen kommende Wanderer indirekt helfen, den Einstieg in den Reichenwald zu lokalisieren. Der Weg durchzieht den Wald meist in Form eines Forstweges zum Obermitterkogel hin. Auf der Anhöhe des Reichenwaldberges bekomme ich mehrmals Tiefblicke in das darunter liegende Ybbstal geboten.

Bei einem markanten Kreuz beginnt der Weg stärker zu fallen und läuft schließlich zum Gehöft Hochseeberg hin beinahe eben aus. Bei diesem Hof fällt die Entscheidung, ob man den Abstecher zur Amstettner Hütte gehen will oder gleich wieder ins Ybbstal absteigt. Wie bereits erwähnt, ist die Hütte nach dem Pächterwechsel heute den ersten Tag wieder für Gäste offen, nur mit Übernachtungen dauert es noch etwas – ein Umstand also, der mich in jedem Fall noch heute wieder ins Tal hinunter zwingt.

Den Weg zur direkt an der Landesgrenze zwischen Nieder- und Oberösterreich gelegenen Hütte kann man zu Beginn als rustikal bezeichnen. Von steinig-felsig über wildes Gras bis zu einem schmalen Pfad durch Wald, den man teilweise in gebückter Haltung gehen muss reicht die Palette. Hat man das hinter sich, stößt man auf einen breiteren Forstweg, der am Ende steil hinauf zur Forsteralm, wo schließlich auch die Hütte steht, ansteigt. Nicht nur ich, sondern auch einige andere Wanderer haben die Mühe auf sich genommen und sind hierher aufgestiegen. So weit ich mich erinnere, waren ausgezeichnete Mehlspeisen im Angebot, weswegen ich mich für eine ausgiebigere Pause entscheide. Falls die Amstettner Hütte nicht offen (also von Montag bis Freitag, wenn kein Feiertag) hat, kann man sich den Aufstieg hierher getrost sparen, denn nach dem Aufenthalt hier geht es auf dem selben Weg wieder zum Hof Hochseeberg zurück. Am Weg zwischen Hof und Hütte versäumt man nicht viel, denn Aussicht gibt es nirgendwo, es sei denn, man geht noch ein paar Minuten auf der Forsteralm weiter und sucht dort nach einem Aussichtspunkt. Vielleicht hat man mit einem Blick ins Oberösterreichische hinein mehr Glück.

Beim Hof sollte man allerdings ein wachsames Auge für die Wegführung haben. Im September 2018 war im Beitragsbild zwischen der Hausmauer und der Wäscheleine exakt in die Bildmitte hinein und danach in einem leichten Linksbogen bis zum Waldrand zu gehen. Ich bin durch Berichte von Vorbegehern gewarnt und dennoch stehe ich nach ein paar Schritten im Wald vor einem Problem: Ein Verkehrsschild(!) signalisiert eine Wegsperre und zwei bis drei Farbpunkte auf Bäumen eine Verlegung meines Wanderweges. Nach dem dritten Farbpunkt ist aber Schluss mit den neuen provisorisch wirkenden Markierungen und das Gelände wird steiler und unwegsamer. Also doch keine Umleitung? Ich beschließe, den Originalweg nach noch vorhandenen Markierungen zu erforschen und werde fündig. So folge ich diesem weiter und nur kurz kommt er mir aufgelassen und ein bischen verwachsen vor. Dann trete ich auch schon wieder aus dem Wald heraus und gewahre vor mir eine größere Wiesen- bzw. Weidefläche und am Hang unter mir ein Gehöft. Ich identifiziere dieses als den Hof Kleinseeberg, was mir bestätigt, auf dem richtigen Weg ins Tal unterwegs zu sein. Nach einer scharfen Linkskehre auf dem steilen Hang marschiere ich mitten durch den Hof hindurch und gehe anschließend auf Asphalt noch ein paar Kurven und in weiterer Folge bis zur Bundesstraße im Ybbstal.

Es folgt eine meiner „Lieblingsstrecken“ auf Wanderwegen, nämlich ein knapper Kilometer auf der B31 Richtung Süden bis zur nächsten Brücke über die Ybbs. Da wird einem so richtig der Begriff „Entschleunigung“ bewusst, wenn man zu Fuß am Straßenrand dahingeht und neben einem die Fahrzeuge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h vorbeidonnern. Nach der Brücke in Gstadt geht es wieder gut zwei Kilometer retour nach Norden gen Opponitz (gehört nicht mehr zum Eisenwurzenweg und muss daher am Folgetag bis Gstadt wieder südwärts retour gegangen werden). Diesmal auf der Trasse der ehemaligen Ybbstalbahn, wo zwar keine Züge mehr vorbeibrausen, dafür aber Radfahrer kräftig in die Pedale treten. Man ist auf solchen Wegen eben nie allein. Zwischen mir und Opponitz baut sich nur noch eine Erhebung auf, was mir – dank der vormaligen Eisenbahntrasse – einen Spaziergang durch einen Tunnel beschert. Danach wende ich mich noch ein gutes Stück in ein Seitental zum Ortszentrum von Opponitz, also in etwa bis auf Höhe der Kirche. In deren Umgebung wohnen auch meine heutigen Zimmervermieter. Alles, was ich an diesem Tag noch benötige, finde ich in unmittelbarer Nähe vor – nämlich den Gasthof.

Die heutige Etappe auf dem Eisenwurzenweg hat sich von jenen der letzten Tage deutlich unterschieden und ist mir eigentlich seit dem „Kleinen Semmering“ im Waldviertel zwischen Bad Großpertholz und Bruderndorf und mit Abstrichen über den Ostrong nicht mehr untergekommen. Das lange Gehen auf schmalen Pfaden durch den Wald und ohne Aussicht lässt es ohne technisches Equipment kaum zu, dass man sich ständig orientiert, wo man sich gerade befindet oder wie weit es noch bis zum nächsten Wegpunkt ist. Es ist also eine gehörige Umstellung beim Wandern, man soll sich deswegen aber nicht aus der Ruhe bringen lassen und den Zeitangaben im Wanderbuch vetrauen, wenn diese auch sonst passen. Wenn nicht, kann man selbst Adaptierungen vornehmen. Bereits morgen auf der nächsten Etappe wird der Charakter des Weges wieder ein völlig anderer sein, doch dazu im nächsten Beitrag zum Eisenwurzenweg mehr.

Geplant ist, durch das Ybbstal weiter nach Süden bis in den letzten Ort auf niederösterreichischem Boden vorzustoßen, das wäre Hollenstein an der Ybbs, von wo aus Busse durch das Ybbstal zurück bis nach Waidhofen an der Ybbs verkehren. Ich rechne damit, dass ich spätestens am frühen Nachmittag am Zielort eintreffen werde. Mein Urlaub, den ich extra für diese Wanderung von Rottal an der tschechischen Grenze bis hierher genommen habe geht jedenfalls morgen in Hollenstein an der Ybbs zu Ende.

Wer von euch war schon mindestens einmal in den Erhebungen rund um Waidhofen and der Ybbs und Opponitz unterwegs? Habt ihr bereits einmal die doch eher entlegen wirkende Amstettner Hütte besucht? Lasst es mich wissen!

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