Eisenwurzenweg 08: Tag 13 – Zwischen Tamischbachturm und Tieflimauer

Es dauert bis zur zweiten Juliwoche des Jahres 2019, bis ich wieder die Gelegenheit habe, den Eisenwurzenweg fortzusetzen und selbst da habe ich nur einen Tag lang Traumwetter, so dass sich statt der angedachten Wanderwoche gerade einmal drei schlappe Tage zum Wandern ausgehen. Die Anreise nach Weißenbach an der Enns gestaltet sich, wie so oft in den Ferienmonaten im Sommer, äußerst umständlich. Schienenersatzverkehr da wie dort und die beiden SEV-Busse bieten einem nicht einmal einen brauchbaren Anschluss. Als Resultat dieser Pflanzerei finde ich mich auf folgenden Teilstrecken geroutet:

Wien Hbf. – Linz Hbf. – Ardning – Admont – Weißenbach an der Enns.

Die Strecke ist deutlich länger (und teurer), die Fahrzeit dafür um fast eine Stunde kürzer. Na, wer sagt’s denn! Um etwa 09:30 Uhr bin ich vor Ort und kann das Projekt „Eisenwurzenweg“ endlich angehen und hoffentlich auch im Laufe dieses Sommers abschließen.

Zunächst muss ich zur nach Weißenbach an der Enns führenden Straße zurück und auf dieser dann durch den langgezogenen Ort hindurch. Ich bin noch keinen halben Kilometer unterwegs, da möchte man mich schon mit allerlei Köstlichkeiten vom Weitwanderweg auf Abwege locken. Doch ich kann dieser Versuchung widerstehen, denn St. Gallen kommt ja gleich dahinter, denke ich mir. Bei den letzten Häusern entfernt sich der Eisenwurzenweg vorübergehend von der Straße und ich befinde mich auf einem ansteigenden Fußweg.

 

Kaum hat sich die Straße meinem Fußweg wieder angenähert, laufe ich auch schon in St. Gallen ein. Begrüßt werde ich dabei mit einem Monument, das auf eine berühmte Tochter dieser Gemeinde aufmerksam machen soll. Erinnert sich noch jemand an Karin Buder? Sie wurde 1993 im fernen Japan Weltmeisterin im Slalom und wahrscheinlich hat es zur frühen Morgenstunde kaum jemand mitbekommen.

 

Durch St. Gallen muss man nicht auf der Hauptstraße marschieren, der Wanderweg nimmt hier einen Pfad nahe dem Großen Billbach. Aber erst hole ich noch den Stempel im Gemeindeamt ein. Der Pfad am Bach ist eine willkommene Abwechslung zu dem, was mir bis zur Mittagszeit noch bevorsteht. Bei Sonnenschein ist es sehr schattig und kühler als anderswo im Ort.

 

Ich bekomme auch die Burg Gallenstein zu sehen, den Umweg dorthin tue ich mir allerdings nicht an.

 

An einer Brücke erreiche ich schließlich das Ortsende von St. Gallen und damit wieder die Straße. Es handelt sich diesmal allerdings um jene zum Erbsattel hinauf und der ist noch kilometerweit weg. So ungefähr anderthalb Stunden muss man auf diesem Straßenstück einplanen – nun ganz ohne Gehweg. Knapp unterhalb des Erbsattels finde ich eine Bank zum Rasten vor, die ich gerne in Anspruch nehme. Wer weiß, wann wieder so eine Gelegenheit kommt. Im Sattel selbst gibt es für mich zwar nichts zu erben aber vielleicht zu essen.

 

Die kulinarischen Angebote auf der Webseite des Schlosses Kassegg klingen verlockend, haben wahrscheinleich aber auch ihren Preis. Deshalb nichts wie weiter, aber nicht zu weit, denn bald nach dem Schloss zweigt der Wanderweg ins Mühlbachtal hinein und damit ist für heute Schluss mit Asphalt und Verkehr. An der Schotterstraße entlang gehend begleitet mich nun der Mühlbach, während ich unterhalb des Tanneck in einer knappen halben Stunde zu den Mühlbachhöfen (oder ist es nur einer?) gelange.

 

Gleich dahinter beginnt sich der Weg hochzuwinden und das ändert sich bis in den Bereich der Jagdhütte „Schusterau“ nicht.

 

Von dieser gehe ich noch eine eher kurze Strecke vorwärts – zum Verschnaufen auch ohne jeglichen Gewinn an Höhenmetern. Am Ende der Schotterpiste führt halblinks ein schmaler Pfad in den Wald hinein, zu Beginn noch gutmütig und nur leicht ansteigend.

 

Der Waldpfad bringt mich zu einem Graben und ab da wird es steil. Zwei Kinder kommen den Abhang hinabgelaufen, während deren Eltern sich in kleinen, vorsichtigen und wohlbedachten Schritt(ch)en herabmühen. Wie machen die Kids das eigentlich, ohne zu stürzen und sich dabei weh zu tun? Der Aufstiegsweg am Graben entlang ist feinschottrig und rutschig, so dass ich froh darüber bin, endlich wieder Erde unter meinen Sohlen zu haben. Auch ist der Wegverlauf nun nicht mehr so direkt bergan wie zuvor, sondern man hat hier mehr Kehren eingebaut, was die Waden etwas entlastet.

 

Nach der letzten Kehre stehe ich bei einer Sitzbank, mit der ich hier nicht unbedingt gerechnet habe und gleichzeitig am Beginn des Hohen Bärensattels – einem wichtigen Wegpunkt im Aufstieg zur Ennstaler Hütte. Aber zunächst einmal ist Erholung mit Trinken, ein wenig Essen und etwas Fußbelüftung angesagt.

 

Der Hohe Bärensattel wird der Länge nach gequert. Mitten darin befindet sich die Wegteilung, wo man links nach Großreifling (Weg 646) absteigt und rechts zur Ennstaler Hütte (Weg 608) aufsteigt. So durchsteige ich eine Rinne rechter Hand der Nordabstürze des 2035m hohen Tamischbachturms – quasi des Hausberges der von mir angepeilten Hütte. Hierbei überhole ich einen Wanderkollegen, welcher für sein Körpergewicht ganz schön viel Marschgepäck mit sich schleppt. Dafür ist er bei der nächsten Übernachtung nicht auf die Ennstaler Hütte angewiesen. So kann Freiheit auch gehen, man sollte aber darauf achten, dass die Wanderer mit den Schalenrucksäcken die kommende Nacht auch noch erleben. Am oberen Ende der mühsam zu durchsteigenden Rinne setze ich mich nochmals kurz hin, man will ja den langsameren Weitwanderern die Chance zum Aufschließen geben. Währenddessen gebe ich mir den Anblick des Bärensteins, dessen Gipfel mittlerweile unter meinem Niveau liegen dürfte.

 

Diesmal warte ich vergeblich und so bin ich nach etwa zehn Minuten wieder dahin. Bald habe ich eine zugegebenermaßen ein wenig getrübte Aussicht auf Teile meines heute  zurückgelegten Weges.

 

Der Bergpfad wird nun zusehends steiniger mit einigen Stufen im weiteren Verlauf. Trotzdem nehme ich noch einmal alle meine Kräfte zusammen und sehe nach einer weiteren halben Stunde gelbe Schilder vor mir. Ich habe den Kamm zwischen der Tieflimauer und dem Tamischbachturm erreicht.

 

Nach rechts und links geht es zu den besagten Gipfeln, die wegen der tiefen Wolken heute noch immer nicht zu sehen sind. Geradewegs weiter nach unten verläuft mein morgiger Abstiegsweg nach Gstatterboden im Ennstal, die Ennstaler Hütte jedoch liegt links von mir nur wenige Gehminuten und ein paar unerhebliche Höhenmeter entfernt.

 

Es ist kurz nach 15 Uhr, als ich die älteste Alpenvereinshütte betrete und mich anmelde. Nach dem langen Aufstieg bin ich jetzt gut bei Appetit und trotz der Bewölkung und eher mäßiger Außentemperaturen setze ich mich auf die gut besuchte Terrasse. Ich verweile dort bis zum Abend die meiste Zeit und kann daher beobachten, wie die Wolken mehr und mehr von den Gipfeln weichen. Ganz freigegeben werden die Bergspitzen allerdings heute nicht, da muss ich bis zum Vormittag des nächsten Tages warten. Dennoch gelingen einige brauchbare Fotos.

 

Mit der Knipserei vergeht die Zeit wie im Flug. Die beginnende Abenddämmerung lässt die Außentemperaturen merklich absinken und mich die Innenräume der Hütte aufsuchen. Das eine oder andere Getränk rinnt noch meine Kehle hinunter, dann ist Hüttenruhe (so wie generell auf Berghütten um 22 Uhr).

Morgen werde ich in den Nationalpark Gesäuse, dessen Eingang nur wenige Minuten von der Hütte entfernt ist, hineinwandern, wobei ich zunächst im Ennstal und später im Johnsbachtal unterwegs sein werde. Zum Teil überblicke ich den morgigen Wegabschnitt heute schon und er sieht vielversprechend aus.

Anm.: Die Ennstaler Hütte eignet sich sehr gut als Stützpunkt für Touren auf den Tamischbachturm und die Tieflimauer bis zum Kleinen Buchstein hinüber. Hat jemand von euch Lesern diese drei Erhebungen bereits bestiegen? In welchem Zustand waren die Wanderwege? Gilt der Anstieg auf den Kleinen Buchstein auch noch als normaler Wanderweg? Lasst es mich wissen!

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