Beethoven-Wanderweg: Auf den Spuren des Meisters

Nach dem Corona-Lockdown im heurigen Frühjahr führte mich meine erste Wanderung den Wiener Stadtwanderweg 1 entlang. Dabei spielte anfangs in Nußdorf mit Ludwig van Beethoven einer der berühmtesten Komponisten im deutschen Sprachraum eine zentrale Rolle. Er war zeitlebens umtriebig und wechselte oft seinen Wohnsitz – einmal mehr, das andere Mal weniger freiwillig. Auf der Suche nach einem Rundwanderweg im Wienerwald südwestlich von Wien stoße ich nun auf die Bezeichnung „Beethoven-Wanderweg“ mit der Wegnummer 40. Sofort wächst meine Neugierde und als ich nach ein bisschen googeln entdecke, dass es auch ein kleines Wanderbüchlein (Martin Moser: Beethoven-Wanderweg 40 – Unterwegs zwischen Mödling und Helenental) dazu gibt, ist für mich klar, dass ich Beethoven vorerst treu bleiben werde. Wie der Titel des Wanderbüchels schon andeutet, erstreckt sich „Wandern nach Beethoven“ von Mödling gleich vor den Toren der Bundeshauptstadt bis nach Baden bei Wien mit dem Helenental als Hinterland und noch weiter nach Süden bis in den Bereich Bad Vöslau.

Der Weg ist – auch in seiner Bezeichnung – zweigeteilt, nämlich in den Beethoven-Spazierweg und einen daran anschließenden Beethoven-Wanderweg. Beide Abschnitte haben dieselbe Wegnummer. Während man den Spazierweg locker an einem Tag bewältigen kann, sollte man sich für eine angedachte Erweiterung um den Wanderweg drei Tage Zeit nehmen, denn dieser ist für sich alleine mit ca. 45 Kilometern Länge für den Durchschnittsausflügler ein außerordentlich ambitioniertes Vorhaben. Entsprechend teile auch ich mir die einzelnen Wegabschnitte ein und auf drei Tage auf:

  1. Mödling – Gumpoldskirchen – Baden – Ruine Rauhenstein – Ruine Rauheneck – Bad Vöslau;
  2. Bad Vöslau – Kalkgraben – Hoher Lindkogel – Zobelhof – Augustinerhütte – Baden;
  3. Baden – Veigl-Hütte – Breite Föhre – Mödling;

Für eine Verbindung zwischen Spazier- und Wanderweg kann selbst gewählt werden, ob man zunächst durch Baden hindurch geht, oder lieber einem Felsenweg zur Faberhöhe hin folgt. Wer sich genauer über den Rundwanderweg – insbesondere auch über dessen Höhenprofil – informieren möchte, sieht besser hier nach.

Vom Spazierweg…

07.05.2020:

Der Bahnhofsvorplatz von Mödling empfängt mich am Morgen eines Werktages mit reger Betriebsamkeit. Zu viel für mich, weswegen ich unverzüglich loslaufe. Beim Zuweg zur ersten Unterführung durch den Bahndamm leuchtet mir auch schon eine der wenigen Markierungen im Mödlinger Gemeindegebiet entgegen. Es empfiehlt sich also, das mitgebrachte Wanderbuch aufzuschlagen und zur Orientierung heranzuziehen. Hat man die verbaute Zone erst einmal hinter sich gelassen, geht es sich sehr entspannt, denn der „Untere Spazierweg“ ist ausgezeichnet markiert und beschildert. Am Hang des Eichberges bergan gelange ich sogleich einmal zu einem Rastplatz – „Bürgermeisterrast“ genannt.

Nur für Gemeindecapos? Ein hier eben aufbrechendes älteres Paar kann und will ich dazu nicht befragen, es ist für mich ohnehin noch viel zu früh zum Sitzen. Mödling und die südliche Skyline von Wien wären zu sehen, ich gebe mich aber lieber der nun folgenden „Südbahnromantik“ hin. Einige Zeit verläuft der Weg nun neben den Bahngleisen bis zum Bahnhof von Guntramsdorf. Dichte Zugintervalle lassen auf einen gut getakteten Fahrplan im Streckennetz des Wiener Beckens schließen und mit den Fernverkehrszügen würde ich sicher in den zweistelligen Bereich hinein zählen, sofern mir das einfiele.

Vom Gleiskörper zum Wein könnte das Motto ab dem zuvor erwähnten Bahnhof lauten, denn abrupt schwenkt der Weg von den Schienen weg und zum Freigut Thallern hin, wo anscheinend selbst auch Wein gekeltert wird. Quer durch das Grundstück hindurch und an dessen Rückseite entlang, gewahre ich einige Fässer. Nein, nicht zum Trinken oder Mitnehmen, sondern zum Schlafen! Das ist sicher kein ganz billiges Vergnügen, aber ausprobieren täte ich es gerne – nur eben nicht heute.

Durch die Weinberge steche ich nun direkt zum Weinort Gumpoldskirchen, DER Winzergemeinde des gesamten Wiener Beckens schlechthin, hindurch. Am sehenswerten Rathaus aus 1559 im Ortszentrum vorbeigehend stehe ich bald auf dem ruhigen Vorplatz der St. Michaels-Kirche, von der mich nur noch der Wassergraben trennt.

Am Platz bewundere ich die Reblaus sowie ein Denkmal an deren musikalischen Interpreten Hans Moser, bevor ich ein paar Schritte weitergehe und einen kurzen Blick zur Kapelle auf dem Kalvarienberg hinauf werfe. Ebenso in Sichtweite befindet sich eine alte Weinpresse. Auf dem ein kurzes Stück parallel verlaufenden Weinwanderweg begebe ich mich dorthin, der Beethoven-Spazierweg folgt dann jedoch einige Höhenmeter unterhalb am Hang dem Wasserleitungsweg in Richtung Baden bei Wien. Hier begegnen mir deutlich mehr Wanderer, Spaziergänger und Läufer, was damit erklärbar ist, dass das Thema „Wasser“ die Natursuchenden eher ansprechen könnte als die Musikgeschichte.

Die Landschaft vollführt nun sehr viel leichtes Auf und Ab und hie und da mache ich auch eine halbe Runde um den nächsten Weinberg. Auf diese Weise komme ich Orten wie Pfaffstätten beim Wandern näher. Fix ist, dass sich dadurch der Weg nach Baden verlängert, ich dafür aber mit tollen Aussichten auf die Kurstadt und deren Umgebung belohnt werde. Nach Baden hinein gelange ich dann quasi durch die Hintertür via einiger Gassen mit prachtvollen Villen und zuletzt auf einem kurzen Anstieg eines unbefestigten Erdweges, welcher mich an den oberen Rand des Badener Kurparks bringt. Der Park blüht im Frühjahr richtig auf, so dass ein Spaziergang hindurch jetzt lohnenswert scheint. Der Wanderweg führt bis zur Arena ohnehin quer hindurch und man stellt im Park mittels angelegtem „Beethoventempel“ auch den Bezug zum Meister, der sich in dieser Region die Inspiration zu vielen seiner berühmtesten Werke geholt haben soll, her.

Bei der Arena muss man sich entscheiden, ob man mit dem Wanderweg fortsetzt oder den „Oberen Spazierweg“ durch den Wald nach Mödling zurück weitergeht.

… zum Wanderweg…

Ich entscheide mich, den Beethoven-Wanderweg anzuhängen, allerdings wähle ich als Verbindungsweg zu diesem nicht den Weg durch die Stadt, sondern jenen via Felsenpfad und an der Ruine Rauhenstein vorbei zur Schwechat hinunter. Also wandere ich hinter der Arena auf dem Waldweg wieder bergan und aus dem Kurpark heraus. Es dauert nicht lange, bis ich jene Wegteilung nahe dem Seraphinensitz erreiche, an der sich die Beethoven-Spaziergänger verabschieden und im Wald weiter nach Norden Richtung Mödling zurück marschieren. Der Verbindungsweg wird rasch felsiger und schmäler, führt mich aber tendenziell immer höher am Kaiser-Franz-Josef-Museum vorbei zur Faberhöhe hinauf. Sie bietet mir eine herrliche Aussicht auf die Stadt und in den Eingang des Helenentals. Ein Stück weiter bei einem „Gipfelkreuz“ unmittelbar hinter einer seilgesicherten Felsstufe sind die Ruinen Rauheneck und Rauhenstein zu sehen.

Hier lohnt es sich, kurz zu verweilen, denn die Stelle ist so breit, dass man Vorbeiwandernde nicht behindern kann. Wer mag, kann anschließend die paar Meter zur Ruine Rauhenstein noch mitnehmen und sich (auf eigene Gefahr) auf dem Gelände der Burgruine herumtreiben. Dies habe ich bereits im Rahmen einer früheren Wanderung erledigt und spare es mir diesmal. Nach der Querung der Schwechat halte ich mich links und folge der Beschilderung zur Ruine Rauheneck. Kurz bevor ich wieder auf die ersten Häuser von Baden stoße, könnte ich auch den Wasserleitungsweg nach Bad Vöslau wählen. Ludwig van Beethoven gibt mir jedoch die Richtung zur Ruine hinauf vor, also scharf rechts, deutlich bergauf und das alles auch noch durch einen frischen Kahlschlag hindurch. An einem warmen Tag wie diesem ist das nur schwer erträglich. Endlich bei der Ruine Rauheneck angelangt, wird sofort das Gelände inspiziert. Die Mauern verlaufen den Hang wieder deutlich bergab, darum folge ich ihnen nicht weiter, sondern besteige lieber den frei zugänglichen Turm. Viel Mist, Taubenkot und Spinnweben zeichnen den Treppenaufgang aus, oben auf der Plattform lassen sich das Wiener Becken sowie die Kurstadt Baden allerdings herrlich überblicken – vorausgesetzt die Wetterbedingungen passen! Auch zur Ruine Rauhenstein und in den Eingang des Helenentals kann ein Blick riskiert werden.

Will man so wie ich am gleichen Tag noch nach Bad Vöslau – eine weitere Kurstadt – so muss man sich irgendwann von diesen Panoramaperspektiven trennen und den Weiterweg suchen. Ich nehme ihn auf der anderen Seite der Brücke über den Burggraben wieder auf und merke, dass man ihn bald zu einer breiten Schotterpiste ausgebaut hat. An einer breiteren Wegkreuzung sollte man besser das Wanderbuch verkehrt herum lesen, denn eigentlich müsste man hier rechts weg in ein Tal absteigen und in weiterer Folge eine Schleife am Jägerhaus vorbei machen, um anschließend via Steinmauerweg wieder an den Rand des Föhrenwaldes zu gelangen. Die Beschilderung markiert jedoch eine Abkürzung, mit der ich das Jägerhaus (bei welchem ich in früheren Jahren auf dem Weg 404 bereits einmal war) auslasse. Aussichtsreich weisen mich Markierungen und Tafeln zum Steinmauerweg hin, der recht angenehm zu gehen ist.

Kurz nach der Waldandacht ist der Wasserleitungsweg wieder erreicht und auf Straßen wandere ich nun nach Bad Vöslau hinein. Zahlreiche Villen reihen sich in der Florastraße aneinander. Für mich wesentlich ist aber die Abzweigung Jägermayerstraße, denn von hier weg habe ich am Kurzentrum vorbei via Bahngasse die kürzeste Verbindung zum Bahnhof. Diese ist auch leicht zu merken, falls man so wie ich den Weg von hier aus an einem anderen Tag fortsetzen mag.

17.05.2020:

Der Florastraße folgend und am Park von Schloss Gainfarn vorbei betrete ich das kurze Aubachtal. Weinbau und sanft gewellte Äcker – die sog. Reichaltäcker –  sind charakteristisch für dieses Tal, auf dessen Südwestseite ich Großau zu sehen bekomme.

Am Rande des Krainerwaldes zieht sich der Wanderweg noch ohne nennenswerten Höhengewinn hin, bei einer Weggabelung muss ich mich dann aber entscheiden, ob ich durch den Kalkgraben oder doch lieber auf der Altternativvariante durch den Murggengartengraben aufsteigen will. Letztere würde mich an der Ruine Merkenstein vorbeiführen, dennoch entscheide ich mich diesmal für den Kalkgraben – so, wie auch die offizielle Route ausgeschildert ist. Bereits von Beginn an gewinne ich kontinuierlich an Höhe, während der Graben immer enger wird. Vom Naturdenkmal „Drei Steine“ bekomme ich wenig mit, da es durch eine Wandergruppe „belegt“ ist. Etwas weiter oben steht etwas abseits vom Weg, von diesem aus aber gut zu erkennen, die „Herrgottsbuche“. Der Forstweg ist in weiterer Folge mit frischem Schotter hergerichtet und bringt mich zu einer größeren Wegkreuzung.

Halblinks in einen schmalen Pfad führt mich die Markierung hinein, irgendwann verliere ich sie aber und lande dort, wo ich ursprünglich nicht hin wollte: im Brennersteig! Nicht, dass er mir zu anspruchsvoll wäre und nach nicht einmal fünf Minuten bin ich wieder aus dem gesicherten Steig draußen, aber ich kenne ihn bereits von meiner Begehung des Voralpenweges her und finde die neuerliche Durchsteigung wenig interessant. Zudem kommt, dass sich an Wochenenden ganze Scharen an Lindkogelwanderern hier heraufmühen, was auf eine Zufahrtsmöglichkeit samt nahem Parkplatz hindeutet. Ich nehme eher nicht an, dass die Mehrheit den vier- bis fünfstündigen Anmarsch ab Baden in Kauf nimmt.

Oberhalb des Brennersteiges trifft die Variante durch den Murggengartengraben von links her wieder auf meinen Weg und gemeinsam laufen sie auf den Gipfelbereich des Hohen Lindkogels und das Schutzhaus „Eisernes Tor“ zu. Wenn es geöffnet ist, bietet sich hier eine Rast an, denn die nächste Gelegenheit gibt es erst wieder im Helenental. Will man hier nicht nur essen und trinken, so bietet sich auch der Aufstieg auf die Aussichtsplattform der Sina-Warte an. Im Mai 2020 war diese coronabedingt allerdings gesperrt.

Durch Schlägerungen ist der nun folgende Wegabschnitt nach Rohrbach hinunter nicht gut markiert. Die 40er-Markierung ist beinahe gar nicht zu sehen, weshalb man sich besser an den grün markierten lokalen Wanderweg hält. Anfangs noch auf Schotter wechsle ich an einer Kreuzung auf einen schmalen Pfad abwärts in den Wald hinein. In diesem Waldstück laufe ich auf dem schönsten Teil des Weges für einige Zeit, ab dem Scheitergraben kommt nur noch Schotter und Asphalt und das geht über Rohrbach und den Zobelhof bis zur Augustinerhütte im Helenental so.

Immerhin gibt es in Rohrbach einige nett anzusehende Anwesen, der Preis dafür ist aber, dass die Straße gleich wieder mühsam bergan zum Zobelhof zu benutzen ist. Beim Zobelhof befindet sich wiederum ein größerer Parkplatz, von wo man über den Voralpenweg 404, welcher an dieser Stelle aus dem Kaiserwald herauskommt, zur Schutzhütte auf dem Hohen Lindkogel hinauf wandern kann.

Doch, um in das Helenental zu kommen, muss ich noch weiter bis in den Bereich des Sulzriegels steigen. Ich könnte aufgrund des guten und breiten Ausbaues des staubigen Weges auch laufen oder mit dem Rad fahren. Wenigstens hätte ich diesen Sektor dann schneller hinter mir, so uninteressant erscheint er. Beim Sulzriegel ist vorläufig Schluss mit dem Anstieg und ich halte am Scheitelpunkt kurz inne, um mich umzusehen. In der Ferne fällt der Anninger natürlich genauso auf, wie ich bei einer 90°-Drehung vermeintlich den Schöpfl zu erkennen glaube.

Das steile Abfallen des Weges in das schattige Helenental bereitet meinen Füßen kein großes Vergnügen, so dass ich ihnen bei der Abzweigung des Kronprinz-Rudolf-Weges  in Richtung Mayerling auf einer Sitzbank des „Kronprinz Rudolf Rastplatzes“ eine weitere Pause gönne. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Augustinerhütte, wo ich wieder angenehmere Wege vorfinde. Darauf deutet schon die Bezeichnung „Wegerl im Helenental“ hin. Es wird schattig und kühler, was dem Lauf der unmittelbar nebenan dahinfließenden Schwechat geschuldet ist. Ganz schnell abhaken lässt sich das Helenental natürlich nicht, denn es vollzieht einige Windungen, die man alle auf großteils schmalen Pfaden ausgeht. Auch hier kann es – so wie am Brennersteig – an den Wochenenden zu größeren Menschenansammlungen kommen, denn viele Spaziergänger sind wegen deren inadäquaten Schuhwerks nicht flott unterwegs.

Über Wiesen und durch Wälder verlaufen die Wurzelwege immer weiter auf Baden zu. Dabei werden auch der Beethovenstein sowie die Antonsgrotte passiert, nach der sich der Beethoven-Wanderweg zu einer an Villen vorbeiführenden Promenade erweitert. Bald stoße ich wieder auf jenen Steg über die Schwechat, den ich von der Ruine Rauhenstein kommend überschritten habe. Jetzt gehe ich daran vorbei und den Teil des Weges bis zum Aufstieg zur Ruine Rauheneck eigentlich doppelt.

Den Rückweg ins Zentrum von Baden bei Wien habe ich nun quer durch die Kurstadt anzutreten. Also nicht zur Ruine, sondern aus dem Wald heraus durch die Weilburgstraße zum Café Esplanade und weiter durch die Schlossgasse und die Marchetstraße in Richtung Hauptplatz. Vom Hauptplatz gelangt man in ein paar Schritten durch die Rathausgasse zum Beethovenhaus, welches besichtigt werden kann.

Von hier ausgehend bietet sich mir die Möglichkeit, über die Wassergasse und die Bahngasse den Arthur-Schnitzler-Park querend zum Bahnhof zwecks Unterbrechung der Wanderung zu gelangen oder über die Theresiengasse in gerader Richtung weiter zum Kurpark, wo ich hinter der Arena beim Seraphinensitz den Beethoven-Wanderweg wieder gegen den Beethoven-Spazierweg tauschen könnte.

… und zurück

21.05.2020:

Ich nutze die Möglichkeit des Bahnanschlusses und bin vier Tage später wieder vor Ort mit dem Kurpark als erstem Ziel. Die Stimmung und der Lichteinfall am Morgen sind anders als zwei Wochen zuvor. Auf meinem weiteren Weg ist das Licht jedoch etwas gedämpft, denn ich wandere hauptsächlich im Wald.

Beim Seraphinensitz gehe ich darum nicht zum Felsenweg weiter, sondern wende mich scharf nach rechts und ansteigend zur Pecher-Rast hin. Zwischendurch habe ich hin und wieder freie Sicht auf die Dächer von Baden. Bald ist Schluss damit und ich muss mich mit der weiten Ebene des Wiener Beckens begnügen, so zum Beispiel beim Mautner-von-Markhof-Pavillon. Am nun zu querenden Wiesenhang ist linker Hand der Rudolfshof nicht zu übersehen, im Gegensatz zu einer Wegteilung im Wald kurze Zeit später.

Geradewegs weiter könnte ich auf dem Weg 404 den Pfaffstättner Kogel erklimmen, was ich vor Jahren schon einmal gemacht habe und diesmal, sowie auch bei der Wegführung des Beethoven-Spazierweges, nicht auf dem Programm steht. Wenig Spannendes steht nun auf der Agenda des Beethoven-Wanderers, denn das Schild an der Wegteilung weist mich in die „Einöde“ – eine Siedlung in einem kleinen Seitental. Ich bekomme im wesentlichen nur die Straßenquerung mit, dann stapfe ich bereits wieder einen Naturweg im Wald aufwärts. Bald flacht der Anstieg ab und die folgenden Kilometer bin ich ohne große Höhenunterschiede von viel Holz umgeben. Nach einiger Zeit gesellt sich in einer tiefen Mulde der vom Pfaffstättner Kogel wieder herunter kommende Voralpenweg zu mir. Er wird mit einer kurzen Ausnahme bis zum Gemeindegebiet von Mödling mein Begleiter bleiben. Die Strecke bis zur Waldandacht zieht sich länger hin als gedacht, aber vielleicht liegt es auch an den zahlreichen Fotostopps, die ich einlege, wenn der Wald die Sicht auf das Umland freigibt. Das ist relativ häufig der Fall, so auch bei der nicht weit von der Waldandacht entfernten Veigl-Hütte. Die Aussicht von deren Terrasse in das Wiener Becken, das Leitha- und das Rosaliengebirge kann sich wirklich sehen lassen. Geöffnet ist hier an Sonn- und Feiertagen ab elf Uhr vormittags und Samstags ab 14 Uhr.

Eine Steinbruchlänge weiter könnte ich schon wieder rasten, mehr Aufmerksamkeit als der Rastplatz erweckt in mir aber die Wegteilung, welche sich eine Rechtskehre später wieder aufhebt. Während der Voralpenweg den abkürzenden, wurzeligen Erdweg durch den Wald nimmt, holt der schottrige, breitere Beethoven-Spazierweg etwas nach links aus. Dort wo beide Wege wieder zusammenlaufen erkenne ich, dass hier auch ein Beethoven-Radweg ausgeschildert ist – darum also die unterschiedliche Wegführung!

Zwischen einem eingezäunten Anwesen und dem Richardhof hindurch bin ich in meinen Gedanken schon ein Stück weiter, als mir ein Aussichtspunkt auf den Anninger aus der Golfplatzperspektive auffällt. Allzu weit sollte man seinen Hals aber nicht zwischen den Büschen hindurch recken, entsprechende Warnschilder befinden sich vor Ort.

Eine gut ausgebaute Forststraße bringt mich in den „Naturpark Föhrenberge“ und dort am Harald-Lowatschek-Rastplatz vorbei, wo die Urheber des Wanderweges zum Thema werden. Über die Initiatoren des Beethoven-Wanderweges muss ich mich wohl ein anderes Mal informieren oder, wenn ich nicht so lange warten will, im Wanderbuch. Eine Inschrift auf einem Stein gibt mir hingegen Aufschluss darüber, wo einst die „Breite Föhre“ ihre Wurzeln schlug. Mittlerweile gibt es ein weiteres (kleineres) Exemplar. Stein und Baum sind hier gut positioniert, denn an dieser Stelle kommen gleich fünf Wanderwege zusammen und ein entsprechendes Aufkommen an Ausflüglern ist somit garantiert.

Ich stehe damit vor den Toren von Mödling, einzig und allein die sogenannte „Goldene Stiege“ trennt mich noch vom Gasthaus Bockerl. Es geht nun nur noch bergab bis zum Gasthaus und zu den ersten Häusern.

An der Spitalskirche vorbei gelange ich durch die Fußgängerzone zum sehenswerten Schrannenplatz. Durch die Herzoggasse hindurch bin ich bald darauf in der Hauptstraße, wo sich wieder ein Beethovenhaus befindet. Thematisch ist dies der Endpunkt des Wander- und Spazierweges. Zum Bahnhof folge ich der Hauptstraße einfach weiter bis zur Brücke über die Gleisanlagen und davor dann rechts in die Straße hinein.

Mein Eindruck:

Auch wenn ich schon öfter in der Region zwischen Mödling und Bad Vöslau wandernd unterwegs war, gab es doch einiges Neues für mich auf dem Beethoven-Wander- und Spazierweg. Grob gesagt, war mir alles, was der Voralpenweg 404 tangiert, bekannt. Gänzlich neu war für mich der Untere Spazierweg durch die Weinberge zwischen Mödling und Baden bei Wien. In Verbindung mit dem Rückweg durch die Ausläufer des Wienerwaldes kann ich den Beethoven-Spazierweg nur wärmstens empfehlen. Er sollte sich, wie bereits eingangs erwähnt, als Tagestour gut ausgehen.

Zweischneidig ist hingegen der Beethoven-Wanderweg rund um und auf den Hohen Lindkogel. Während man im Helenental voll auf seine Kosten kommt, hat der ausufernde Forststraßen(aus)bau den Wanderern bereits einiges genommen (und anderen Freizeitsportlern gegeben), das das Prädikat „genusswandern“ ausmacht. Die schlimmsten Streckenabschnitte sind  wohl der Abstieg vom Hohen Lindkogel im oberen Teil und die Verbindung vom Parkplatz beim Zobelhof zum Scheitelpunkt beim Sulzriegel. Bei länger anhaltender Trockenheit und starkem Wind sollte man präventiv  eine Staubschutzmaske mitnehmen. Für das Höhenmetertraining im Frühjahr eignet sich die Strecke aber hervorragend. Begeht man den Weg in seiner vollen Länge, warten von und bis Baden knapp 1900 Höhenmeter im Auf- und Abstieg – für Ambitionierte an einem Tag wohlgemerkt. Es fehlt dann nur brauchbares Wetter und der Wille, die Komfortzone zu verlassen.

Somit steht auch mein Tipp für die beste Jahreszeit einer Begehung dieses beinahe ganzjährig begehbaren Rundwanderweges fest. Sämtliche Interessen vom einfachen Spazierengehen bis zu sportlichem Wandern oder Laufen bringt man am ehesten im Frühjahr unter einen Hut und da sind die Wege ab Mitte April meist gut in Schuss. Bis Anfang oder Mitte Juni ist es oft auch noch angenehm warm und nicht zu heiß. Für Fotografen unter den Wanderern könnten auch die Monate September und Oktober wegen des dann günstigeren Lichts und der beginnenden Laubverfärbung interessant sein.

Wer von euch kennt diesen Rundwanderweg oder ist ihn gar schon einmal gegangen? Welchen Eindruck habt ihr von ihm gewonnen? Konnte ich euch mit diesem Beitrag dazu inspirieren, auf Ludwig van Beethovens Spuren zu wandern? Lasst es mich wissen!

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