Eisenwurzenweg 08: Tag 21 – Warum ich auf der Saualpe mehrmals Schwein habe

Das Naturfreundehaus Klippitztörl liegt zentral in den Lavanttaler Alpen eingebettet. Zu dieser Gebirgskette in den österreichischen Zentralalpen zählen die Seetaler Alpen genau so wie die Saualpe südlich davon. Die Abgrenzung ist nicht ganz eindeutig. Während sich die Seetaler Alpen laut Definition vom oberen Murtal bis zum Klippitztörl erstrecken, wird gleichzeitig der sich etwas nördlich des Passes erhebende Hohenwart als nördlichster Gipfel der Saualpe genannt. Egal! Der Höhenzug der Saualpe erstreckt sich nach Süden hin bis zum Drau- bzw. bis zum Jauntal hin, was für mich bedeutet, dass ich ihn heute den gesamten Tag über bewandern werde. Dafür spielt es keine Rolle, ob ich in der Wolfsberger Hütte oder in Diex übernachte.

Nach dem kurzen geografischen Abriss nun zum eigentlichen Wandern und damit wieder zurück zum Naturfreundehaus Klippitztörl. In dessen Nähe befindet sich rund um den Hohenwart ein Wintersportgebiet mit Liftanlagen usw.. In der ersten Septemberwoche ist es mangels Schnee morgens um acht Uhr noch ziemlich ruhig, einzig Berufsverkehr ist von der nahen Straße her sporadisch zu vernehmen.

Die Morgenstunden sind angesichts des eilig herannahenden Herbstes bereits recht kühl, allzu viele Bekleidungsschichten benötige ich dennoch nicht, muss ich doch gleich zu Beginn die paar steilen Schritte zur Passhöhe hinauf wieder wettmachen und danach geht es auch kontinuierlich zur Forstalpe weiter bergan. Anfangs bin ich noch auf Karrenwegen im Hochwald unterwegs. An einer Wegteilung leitet der Eisenwurzenweg jedoch nicht über den Kamm zum Gipfel des Geierkogels, sondern in dessen Westflanke auf einem Waldsteig weiter. Ist auch noch ein südlicher Nebengipfel des Kogels umgangen, wendet sich der Weg ansteigend aus dem Wald heraus in einen Sattel hinauf.

Er folgt dem Kamm dann eher weglos weiter aufwärts zur Forstalpe und der Formation „Steinerne Hochzeit“. Der Sage nach soll an dieser Stelle ein Hochzeitszug von einem Unwetter überrascht worden und zu Stein erstarrt sein. Es lohnt sich an dieser Stelle auch, den einen oder anderen Blick zurück zu riskieren, denn die Sicht reicht an klaren Tagen sehr weit und vor allem bis zum Zirbitzkogel hin.

Hier oben macht sich der Wind deutlicher bemerkbar und verhindert längere Pausen. Zwischen den Steinblöcken finde ich einen Kontrollstempel für den Lavanttaler Höhenweg. Ob er noch seinen Zweck erfüllen kann?

Es folgt nun der eher flache Übergang zum Kienberg. Meist wandere ich dabei auf Wegspuren über eine freie Almfläche, während der auf keinerlei nennenswerte Hindernisse treffende Wind immer mehr zulegt. Einzig bei der Passage der Guttaringer Alm windet sich der Weg durch das kurzzeitig wieder steiniger werdende Gelände. In einem leichten Linksbogen passiere ich den unauffälligen Kienberg und begebe mich sogleich an einem längeren Weidezaun entlang zum „Eisernen Kreuz“ in eine weitere Einsattelung bergab.

Bereits seit der Forstalpe kann ich den Gertrusk in der Ferne ausmachen, nun stehe ich am Beginn des kurzen, aber steilen Anstiegsweges zu dessen Gipfelkreuz. Oben genehmige ich mir dann doch die erste Pause an diesem Tag. Zu dieser Zeit dürfte am Gertrusk die blaue Stunde angesagt sein, was durch das Tragen blauer Oberbekleidung indiziert wird. Mir erschließt sich nicht, welche Veranstaltung angesagt ist, aber vielleicht kann ich von Glück sprechen, dass sich mein Outfit heute diesen Umständen anpasst. Wer weiß, man hätte mich andernfalls vielleicht vom Gipfelbereich verstoßen, also habe ich das erste Mal heute Schwein. Doch auch so wird es für mich bald Zeit, den Marsch fortzusetzen, denn die Wolfsberger Hütte soll spätestens zu Mittag erreicht sein.

Aus diesem Grund erspare ich mir den Umweg über den Ladinger Spitz, der zwar alle anderen Erhebungen der Saualpe überragt, dafür aber alles andere als eine Spitze aufzuweisen hat. Statt dessen verbleibe ich am Hauptweg, der direkt zu den Almwiesen der Großen Saualpe und zur Wolfsberger Hütte hinab führt. Abermals habe ich lange Weidezäune an meiner Seite, kaum beginnt das Terrain jedoch deutlicher zu fallen, kommt auch schon die Hütte in Sicht. Wesentlich mehr Ausflügler halten sich zwischen der Hütte und dem Ladinger Spitz auf – so viele sehe ich den gesamten restlichen Tag nicht annähernd mehr.

In der Wolfsberger Hütte angekommen, bestelle ich zunächst einmal die obligatorische Kaspressknödelsuppe und danach wird mit Diex telefoniert. Glücklicherweise habe ich in der Hütte Handyempfang und kann mit dem „Messnerwirt“ in Diex für die kommende Übernachtung in seinem Gasthof alles klar machen. Somit habe ich ein weiteres Mal Schwein und die Etappe findet am Nachmittag ihre Fortsetzung, ich ahne allerdings noch nicht, wie zäh das werden wird.

Beim Verlassen der Hütte unterliege ich einem kleinen Irrtum, denn ich nehme die Schotterstraße bis zur ersten Kehre, wo ich einen den Hang zum Speikkogel hinauf führenden Pfad suche. Den gibt es hier allerdings nicht, vielmehr hätte ich bei der Hütte wieder ein paar Schritte zum Ladinger Spitz hin machen müssen und dann links wegzweigen sollen. Für den Abstieg ins Tal ist es mir hingegen noch zu früh, auch der herrlichen Almwanderung und des freundlichen Wetters wegen. Zum dritten Mal habe ich also Schwein, da sich der Zeitverlust in engen Grenzen hält.

Am Zingerlekreuz und abermals an Weidezäunen vorbei erreiche ich die Kuppe des Speikkogels, wo ich den Zaun überklettern muss. Nicht direkt am Weg, aber in dessen unmittelbarer Nähe nehme ich eine Felsformation mit einem Kreuz wahr. Das muss der Große Sauofen sein, der mich jetzt reizt, schließlich kann ich nicht alle Gipfelkreuze auslassen. Nach einer kurzen Kraxelei sehe ich mir die Umgebung von oben an und ein Hund tut es mir gleich. Von Guttaring bis zu den Karawanken schweift mein Blick über die Region im Westen.

Der nächste Aussichtspunkt folgt nur eine Weidezaunlänge weiter beim Kleinen Sauofen, wo ich die Bezirkshauptstadt Wolfsberg im Lavanttal gut zu sehen bekomme. Wegen der Sitzgelegenheit schiebe ich auch hier eine kurze Pause ein.

Danach trete ich für heute den Abstieg an und gelange bereits nach wenigen steilen Minuten an die Baumgrenze und – erraten – einen weiteren Weidezaun, an dem entlang sich der Abstiegsweg fortsetzt. Windische Wiesen nennt man diese Almböden hier. Zwischen dem immer dichter werdenden Baumbestand verliere ich weiter an Höhe und stoße auf die Zufahrtsstraße zum (geschlossenen) Gasthof „Karawankenblick“. Dieser findet bei mir keinerlei Beachtung, sondern ich folge dem Waldweg zum Schwaigkogel hin, wo er als steile Schotterstraße in den Bereich der Wolftraten hinab fällt.

So hurtig geht es jedoch nicht weiter, weil ich direkt in den Hang des Breitriegels verwiesen werde. Diesen Anstieg habe ich beim vorherigen Kartenstudium übersehen, umso langwieriger kommt er mir nun vor, obwohl es nicht mehr als 150 Höhenmeter sind. Etwas verwirrend sind in diesem Abschnitt auch die fehlenden 08er-Markierungen, lediglich die Nummern der lokalen Wanderwege sowie die Bezeichnung eines Marien-Pilgerweges sind an den Bäumen angebracht. Nach der Umgehung des Breitriegels passiere ich auch den Spitzstein auf einem langen, oft schnurgeraden Pfad, der sehr angenehm zu gehen ist und der die Verbindung zum Pipeletzberg, wo die Markierung des Eisenwurzenweges wieder häufiger sichtbar ist, herstellt.

Wenig später lädt mich eine Sitzbank beim Felsenkreuz zum Verweilen ein. Mit der Herstellung und Platzierung von Bank und Kreuz an diesem Ort dürfte der „Messnerwirt“ aus Diex zu tun haben, wie aus einer Inschrift zu entnehmen ist. Serviert wird hier allerdings nichts, es kommt ausschließlich selbst Mitgebrachtes zum Verzehr.

Hungrige Wanderer sollten deshalb die letzte halbe Wegstunde sofort in Angriff nehmen und zunächst einen steil abfallenden Wiesenweg nach rechts nehmen, der in die zum Anwesen „Ferlinka“ führende Forststraße einmündet. Mir sagt an diesem Tag niemand, dass ich exakt fünf Wochen später bei diesem Anwesen aus der Gegenrichtung kommend neuerlich nach Diex abbiegen und dort auch wieder nächtigen werde. Geschuldet ist dieser Umstand der Wegführung des Kärntner Mariazellerweges von Klagenfurt nach Eibiswald.

Für wenige Gehminuten verlaufen der Mariazellerweg und der Eisenwurzenweg parallel, aber noch im Wald trennen sie sich wieder. Während der Eisenwurzenweg direkt nach Diex – dem mit über 2.000 Sonnenstunden im Jahr angeblich sonnigsten Bergdorf Österreichs –  hinein führt, lässt der Mariazellerweg das Dorf aus und strebt der Gemeinde Griffen zu.

Sobald ich den Wald verlassen habe, durchquere ich eine neue Siedlung, in der sich beinahe niemand blicken lässt. Auf asphaltierten Wegen und Straßen erreiche ich den Ortskern von Diex und auch den Gasthof.

Der Tag war anstrengend, aber das Wetter hat einmal mehr gehalten und verursachte keinerlei Stress. Dass es anders auch kann, sehe ich bereits am nächsten Tag. Der wäre auf den Höhen der Saualpe wenig prickelnd und im Nebel sogar gefährlich verlaufen – Sauwetter eben! Damit habe ich heute ein zusätzliches Mal Schwein. Nach dem leiblichen Wohl bleibt noch Zeit für eine kurze Vorbereitung des Abschlusstages, schließlich möchte ich zu Mittag in Völkermarkt eintreffen, um – falls es trocken bleibt – noch bequem bis zum Bahnhof von Tainach-Stein weiter zu machen.

An dieser Stelle wage ich eine kleine Vorschau in die (hoffentlich) nähere Zukunft: Mit meiner Ankunft im Drautal verbleibt nur noch der Rest von etwa drei Wandertagen bis zur Finalisierung des Eisenwurzenweges. Wir schreiben die erste Septemberwoche des Jahres 2019 und der bald ins Land ziehende Herbst wird die Frage aufwerfen, ob der Abschluss noch in diesem Jahr möglich sein wird. Urlaubsmäßig rechne ich mir dafür um den 20.09. herum sowie in der ersten Oktoberhälfte die größten Chancen aus.

2 Kommentare zu „Eisenwurzenweg 08: Tag 21 – Warum ich auf der Saualpe mehrmals Schwein habe“

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