Eisenwurzenweg 08: Tag 24 – Gipfelsturm in den Karawanken

Ein Blick aus dem Fenster während unserer Morgenroutine verirrt sich in einer milchigen, weißgrauen Melange. Diese ist den in der Nähe vorbeifließenden Gewässern Drau und Vellach sowie einigen der Kärntner Seen geschuldet und wir wissen auch, dass sie heute ein rasches Ablaufdatum hat. So erwarten wir einen über weite Strecken sonnigen Tag, nur gegen Abend ist mit aufziehender Bewölkung von Slowenien her zu rechnen.

Wir verabschieden uns herzlich von unseren Quartiergebern, loben noch das ausgezeichnete Frühstück und verschwinden kurz nach acht Uhr im Nebel.

An der Landesstraße treffen wir wieder auf den Eisenwurzenweg, übersetzen nach ein paar Schritten die Vellach und verlassen die Straße bei der nächsten Abzweigung nach links in einen Schotterweg hinein. Diesem folgen wir bis zu einem Haus, wo es in den Wald bergan geht.

Der Waldweg ist angenehm zu gehen und gefällt uns so gut, dass wir ein Stück davon mehrmals auf und ab gehen, bevor wir den Weg in den Ort Gallizien hinunter finden. Es hat uns ja keiner gesagt, dass an der Wegteilung ein Niveauunterschied von beinahe einem halben Meter existiert, weswegen diese so gut wie nicht erkennbar ist.

Ich halte die Bewohner Galliziens nicht für so durchtrieben, dass sie arglose Wanderer ins Verderben oder zumindest in die Irre schicken wollen. Auch unter ihnen ist sicher jemand für die korrekte Beschilderung der (lokalen) Wander- und Spazierwege zuständig, schließlich haben wir es hier doch mit durchwegs ehrenwerten Leuten zu tun.

Eine weitere Falle lauert wenig später auf uns, doch ist diesmal nicht eine fehlende oder falsche Markierung schuld, sondern ein uns wegen einer Neuparzellierung bei einer Schottergrube abhanden kommender Wegabschnitt.  Wir wundern uns bereits davor über ein vermeintlich verdrehtes Schild und drehen es nach unserer Umkehr brav wieder in die vorherige Stellung zurück.

Mittlerweile bekommt auch der Nebel Lücken und der Hochobir zeigt sich heute erstmals. An einem Sportplatz vorbei erreichen wir die nach Wildenstein hineinführende Straße, die wir queren und zunächst auf einem Wiesenweg und später durch Wald zum Parkplatz beim Wildensteiner Wasserfall wandern.

Um zum Wasserfall zu gelangen, muss in weiterer Folge noch ein kräftiger Anstieg bewältigt werden.

Für einige Minuten genießen wir das Schauspiel des herabstürzenden Wassers, erst als uns weitere Besucher hierher nachfolgen weichen wir.

Mindestens bis auf das Höhenniveau der Abbruchkante des Wasserfalls steigen wir noch empor, bevor wir am Beginn eines Hochtales stehen. Ein schmaler Pfad bringt uns zu einem Forstweg, welchem wir weiter – teilweise am Wildensteiner Bach entlang –  taleinwärts folgen.

Die Kehren des Forstweges im hinteren Teil des Hochtals werden vom Wanderweg durch steile Pfade abgekürzt.

Die letzte dieser Abkürzungen ist allerdings wegen starken Windbruchs verlegt. Laut Recherche meinerseits wäre für die Kraxelpartie auf den nächsten hundert Metern etwa eine halbe Stunde einzuplanen. Da macht meine Wanderbegleitung jedoch nicht mit. Viel zu schwer ist Gert’s Rucksack für derartige Turnübungen und schneller geht es auf der Forststraße allemal.

Unterhalb der Hoffmannsalpe finden wir eine Jagdhütte, vor der man sich ausgezeichnet ausruhen kann. Am Fuße des Hochobir lässt sich sogar der eine oder andere Blick ins Tal riskieren.

Nach der Rast steigen wir über die Hoffmannsalpe die nächste Geländestufe empor und überblicken auf der gegenüber liegenden Seite das Gebiet rund um die Jagoutzhütte (eine weitere Jagdhütte).

Der Eisenwurzenweg hält aber noch einen weiteren heftigen Anstieg für uns bereit, erst danach können wir ein wenig verschnaufen, denn wir befinden uns auf der Seealpe, die gleichzeitig den höchsten Punkt der heutigen Tagesstrecke auf dem 08er bedeutet – wenn man sich den Hochobir als Fleißaufgabe nicht antun will.

Auf deren Südseite sind die Steiner Alpen in Slowenien gut zu erkennen, doch werden sie bald in dichte Wolken eingehüllt werden, wobei ich vermute, dass das noch gar nicht die eben angesprochene Gebirgsgruppe ist und sich diese erst dahinter am linken Bildrand in der Ferne zeigt.

Unweit der Seealpe zweigt man zum Hochobir weg, wir entscheiden uns jedoch für eine vorherige Stärkung auf der unterhalb gelegenen Eisenkappler Hütte, was den Vorteil hat, gleich auch unsere Rucksäcke dort stehen lassen zu können.

Danach gehen wir einen Teil des Weges bis zur Kreuzung nochmals zurück und schon wenig später treten wir aus dem Bergwald in den Latschengürtel hinaus. Hier oben bläst uns ein kräftiger Wind ins Gesicht und ein Blick nach Slowenien lässt auch ein paar Regentropfen am Berg erwarten.

Über einen Kamm erreichen wir eine verfallene Hütte, wobei wir zum Teil eine grandiose Aussicht ins noch sonnige Drautal hinunter genießen. Wahrscheinlich werde ich in Zukunft wieder hierher kommen, führt doch der Südalpenweg hier vorbei bzw. durchquert die Karawanken der Länge nach.

Der starke Wind hat sich mittlerweile zu einem veritablen Sturm gesteigert, dennoch nehmen wir auch die letzten Meter zum Gipfel des Hochobir noch in Angriff. Zum Glück liegt das Gipfelkreuz etwas im Windschatten des eigentlichen Gipfelaufbaues, so lässt es sich hier oben immerhin zwanzig Minuten gut aushalten.

Danach mahnt die langsam hereinbrechende Dämmerung zum Aufbruch und wir gehen den selben Weg, auf dem wir heraufgekommen sind, wieder zur Hütte zurück.

Von der Zeit her sind für den Aufstieg und den Rückweg ab der Eisenkappler Hütte insgesamt etwa drei Stunden zu veranschlagen, also ist ein rechtzeitiger Aufbruch anzuraten. Soweit ich mitbekommen habe, ist nach uns am selben Tag kaum jemand mehr auf den Hochobir aufgestiegen. In der Eisenkappler Hütte gönnen wir uns neuerlich eine Stärkung und begießen den Gipfelsieg, sehr bald begeben wir uns aber müde zu Bett.

Für den Abschlusstag auf dem Eisenwurzenweg sollten wir auf jeden Fall fit sein. Was der Tag zu bieten hat, werden wir erst sehen. Wetterbedingt ist noch völlig offen, ob wir die Tour so wie geplant beenden können oder ob wir vorzeitig nach Bad Eisenkappel absteigen müssen. Wir machen unsere Entscheidung von den Verhältnissen am nächsten Morgen sowie der Regenprognose für den weiteren Tag abhängig.

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