Kärntner Mariazellerweg 06: Tag 5 – Finale ohne Pilgerstätte?

Der letzte Tag meiner fünftägigen Wanderung auf dem Kärntner Mariazellerweg bringt mich also nicht in den bekannten namensgebenden Wallfahrtsort, sondern bloß an den Startpunkt zu einem anderen Ast desselben Pilgerweges. Wenn ich allerdings auf diesem Weg Mariazell nicht zu sehen bekomme, stellt sich die Frage, ob statt dessen in Eibiswald eine andere Pilgerstätte existiert. Ich werde sehen!

Auf meiner Karte sieht das heutige Pensum eher wie ein gemütliches Auslaufen aus, bei dem die Annäherung an den Zielort vorwiegend mit Höhenverlust verbunden ist. Wie sehr ich mich doch täuschen sollte! Am Beginn des Tages steht jedoch die gewohnte Morgenroutine eines Weitwanderers mit Körperpflege, Packen und dem (hoffentlich) wohlschmeckenden und ausreichenden Frühstück an. Bei letzterem gibt es in den Beherbergungsbetrieben die einzigen nennenswerten Abweichungen in dieser Routine, von Nichts bis zum opulenten Buffet ist mir alles schon untergekommen. Im Sobother GH Messner würde ich es in die Kategorie „Durchschnitt“ einordnen.

Während ich auf meinen Kaffee warte, kann ich durchs Fenster diese Morgenstimmung im Raum Soboth einfangen. Die Sonne versucht, durch die nebelartige Bewölkung durchzubrechen und ich bin optimistisch, dass ihr das auch nachhaltig gelingen wird. Doch ich täusche mich ein zweites Mal, die Entwicklung geht in die entgegengesetzte Richtung, so dass ich am Ende noch froh sein kann, vom Frühstückstisch aus auf den Auslöser gedrückt zu haben.

Der Aufbruch gestaltet sich somit kühl und feucht. Sowie ich aus dem Quartier ins Freie hinaustrete, kommt mir das Dorf wie am Vortag verschlafen – um nicht zu sagen ausgestorben – vor. Gleich hinter dem Gasthof deuten Liftstützen darauf hin, dass im Winter hier Wintersport ausgeübt wird bzw. wurde. Bei der ersten Liftstütze finde ich meine Markierung wieder.

Über steiles, feuchtes Grünland folge ich dem Weg bis zur Stütze Nummer zwei und setze von dort nach links gehend zu einem weiten Rechtsbogen in Richtung der anderen Talseite an, wobei auch ein Bach zu queren ist.

Auf der gegenüberliegenden Seite ist mir ein Gehöft in Erinnerung, über das ein Hund wacht, der mit lautem Gebell gerne die Nähe argloser Pilger sucht. „Tuans de Steck’n weg!“, ruft mir die Bäuerin zu. Die waren aber ohnehin nicht in Verwendung. Auf die Idee, den Hund zurückzurufen, kommt sie leider erst einige Zeit später. Wenigstens bin ich nun endgültig wach. So entgeht mir auch der Schwenk des Weges von der Straße weg auf einen Wiesenpfad nach Untersoboth nicht, während ich die Häuser von Obersoboth oberhalb des gegenüberliegenden Skihanges ein letztes Mal wahrnehme.

Nach einer weiteren Bachquerung erreiche ich die vom Globensattel daherkommende Straße, verlasse diese aber bereits nach wenigen Schritten zu den Höfen Pogatetz und Poppernigg hin, die beide zu Untersoboth gehören. Die Aussicht ist an diesem Tag nicht überragend.

Leicht fallend nähere ich mich dem Hof Poppernigg, wo ich die Asphaltstraße verlassen soll.

Dies ist genau in einer Rechtskurve der Fall, wo ein (fallweise?) verwachsener Pfad in die Krumbachschlucht hinab seinen Ausgang nimmt. Der Weg ist an diesem Tag tatsächlich kniehoch überwuchert, aber dennoch unschwierig zu finden.

Hinter einer Forstwegüberquerung fällt er dann noch deutlicher zum Krumbach hinab. Eines ist gewiss: Sehr schnell kommt man hier kaum voran, da können es statt der angegebenen eineinhalb Stunden schon einmal zwei werden. Endlich gelange ich an den Talboden zum Bach, den ich auf einem neuerrichteten Steg übersetze.

Weil der Einschnitt im Gelände tiefer ist, als von mir auf der Karte berechnet, gestaltet sich der auf den Fuß folgende Wiederaufstieg in die Siedlung Rothwein mühsamer und langwieriger. Vor allem im untersten Teil ist der Pfad kurvig und steil.

Nach einer weiteren Bachquerung  bei einem Weiher beginnt ein breiterer Wiesenweg, der bei zwei Hütten des ehemaligen Bauern Schaffler und einem Bildstock in eine Schotterstraße einmündet. Die Location gibt mir kurz Gelegenheit zum Verschnaufen, während ich bereits zuvor den Eindruck gewinne, dass nichts weitergeht.

Der Pilgerweg schickt sich nun an, in einigen weiten Kehren Rothwein zu erreichen, im oberen Bereich kürzt er aber mittels eines Erdpfades etwas ab.

Bei den Häusern oben selbst finde ich eine Box mit einem Kontrollstempel vor, der allerdings seine beste Zeit schon längst gesehen hat und völlig unbrauchbar ist. Das passiert mir nicht zum ersten Mal. Somit wendet sich meine Aufmerksamkeit sogleich dem nahen Klementkirchlein zu.

An ihm vorbei steigt der Weg nun direkt am Kamm steil bis zur Zufahrtsstraße zum Anwesen Laßnig an. Der Kärntner Mariazellerweg ist hier immer noch identisch mit der Variante 03A des Südalpenweges und jetzt auch mit dem Haderniggweg, der die Nummer 593 trägt. Leicht könnte es sein, dass mich z. B. der Steirische Landesrundwanderweg  noch einmal durch Rothwein führt und ich dann zum Radlpass weitergehe.

Beim Anwesen sollte ich laut Wanderbuch eine grandiose Aussicht zum Sobothgebiet und zur Koralpe genießen können, der Nebel macht dies jedoch an diesem Tag unmöglich. Nicht einmal das Anwesen selbst bekomme ich fototauglich zu Gesicht. Am Gebäude vorbei wechsle ich auf die andere, von Eibiswald abgewandte Seite des ansteigenden Kammes. Nach kurzer Zeit des Aufstiegs erreiche ich einen Hochwald, wo der Weg wenige Minuten später wieder zum Kamm und zum Gipfelbereich des Haderniggkogels schwenkt. Mit 1184m ist dieser der höchste Punkt, den ich am heutigen Tag erklimme und vom Krumbach bis hierher ergibt sich auch ein Niveauunterschied von 520 m, den ich bei der Tourplanung in dieser Deutlichkeit nicht berücksichtigt habe.

Der Abstieg gestaltet sich zunächst unspektakulär. Auf schmalem Pfad kreuze ich dabei zunächst einige Forstwege, bevor ich selbst auf einem solchen weiter talwärts marschiere.

In der Nähe des verfallenen Gehöfts ‚Osigal‘ öffnet sich der Wald und ich gelange an eine Hütte, in deren Bereich es endlich wieder einmal eine Sitzgelegenheit gibt. Ich habe keine Ahnung ob ich auf öffentlichem oder privatem Grund Platz nehme, aber es ist ja niemand da.

Im Anschluss verliere ich weiter kaskadenartig an Höhe, vom Haderniggkogel bis nach Eibiswald werden es insgesamt 800 Hm sein. Ab dem ehemaligen ‚Osigal‘ könnte der Weg auch „Straße der Höfe“ heißen, jeder Kaskade seinen Hof, wie z. B. Gosch, Oberköck und Knauritsch.

Zum Teil kommt man an klaren Tagen in den Genuss einer Aussicht über größere Teile der Süd- und Südweststeiermark.

Hinter dem letzten Hof ist die Haderniggstraße beim früheren GH Rajock endlich erreicht, doch dort bleibe ich nicht lange. Schon bei der folgenden Kreuzung werde ich von der Markierung wieder auf einen Höhenrücken geschickt. Für die Aussicht beim Anwesen Strigl wär’s wohl.

Kaum habe ich dieses Grundstück passiert, laufe ich bereits wieder im Wald steil bergab zur eben erst verlassenen Straße. Diese mündet kurz vor Aibl in die von St. Lorenzen nach Aibl führende höherrangige Straße, die ich nun in den letztgenannten Ort hinein nehme.

Dort muss ich noch die Saggau queren und finde mich dann auf der stark befahrenen Radlpass-Bundesstraße wieder. Diese benutze ich nun, um nach Eibiswald hinein zu gehen. Gleich nach dem Ortsschild befindet sich ein kleiner Park mit dem Weitwander- und Carl-Hermann-Gedenkstein, wo ich auch die Bundesstraße links liegen lasse.

Eine ruhige Gasse bringt mich in den Oberen Markt zum Haupt- bzw. Marktplatz. Davor zweigt bei der Kreuzkapelle der Steirische Mariazellerweg nach links weg, dem ich von hier aus gleich weiter folgen könnte. Das lasse ich aber dann doch bleiben, zu verlockend ist eine Busverbindung zum nächstgelegenen Bahnhof in Wies. Statt dessen gibt’s noch Kaffee und Kuchen als Zwischenmahlzeit, schließlich wird es noch ein wenig dauern, bis ich in Graz bin, wo ich zu Abend essen werde. Auf der Heimfahrt zeigt sich übrigens das Wetter ab Schwanberg von seiner besten Seite, langweilig am anderen Ende der Skala eben.

Somit endet diese Mehrtageswanderung ohne das typische Gewusel eines Pilgerzentrums. Die Kirche Maria im Dorn am Unteren Markt galt im 18. Jahrhundert tatsächlich einmal als Wallfahrtskirche, drei Jahrhunderte später ist davon kaum etwas zu bemerken, denn ich sehe auf der gesamten Tour keine weitere Pilgerseele. Damit fehlt auch das Flair, welches einfach zum Pilgern gehört und das wird sich wohl erst dann einstellen, wenn ich in Eibiswald den Schwenk nach Norden vollziehe, den Markierungen des steirischen Pendants zum Kärntner Mariazellerweg folge und ein weiteres Mal am Mariazeller Kirchenvorplatz eintreffe.

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