Stadtwanderweg 9: Im Prater zwischen Bier- und Fasangarten

Tag der Tour: Dienstag, 14.Februar 2017;

Eigentlich wäre dieser Tag prädestiniert für das Aufsuchen einer Blumenhandlung, doch ich ziehe diesmal zum herrlich sonnigen Valentin höhere Gewächse vor und begebe mich in den Wiener Prater mit seinen Alleebäumen. Der Wiener Stadtwanderweg mit der Nummer 9 soll heute von mir bewandert werden – ein Rundweg, der mir vorab als uninteressant und wenig attraktiv zugetragen wurde. Ich male mir schon vor dem Start am Bahnhof Praterstern aus, dass das Gehen hier wohl leichter fallen wird als die Beschreibung der Eindrücke, die ich von dieser Gegend haben werde. Also mal sehen, dreizehn Kilometer Fußweg warten auf mich!

Am frühen Vormittag bin ich  bei weitem nicht mehr alleine in der Prater Hauptallee, die rasch nach der Unterführung am Praterstern erreicht ist. Da bleibe ich allerdings nicht lange, denn schon kurz nach dem Planetarium weist ein Pfeil nach rechts in die Sportklubstraße.

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Prater Hauptallee auf Höhe Planetarium

Ab der Rustenschacherallee halte ich direkt auf den Konstantinhügel, der von zahlreichen Sportplätzen flankiert wird, zu. Ich finde beim Hügel einige vermeintliche Fotomotive, welche sich bei näherer Betrachtung daheim dann als wenig brauchbar erweisen. Entlang der Spenadlwiese gehe ich nun weiter bis zur Rotundenallee vor, die ich überquere. Sogleich befinde ich mich im Randbereich der bekannten Jesuitenwiese, auf welcher unterm Jahr verteilt diverse Festivitäten veranstaltet werden.

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Blick auf die Jesuitenwiese

Der Jesuitenwiese folgt eine größere ausgewiesene Hundezone, die wohl mindestens bis zur abermaligen Querung der Rustenschacherallee reicht, wenn nicht gar bis zur Stadionallee. Bei letzterer beginnt dann die Siedlung „Wasserwiese“, die vom Weg aber nur gestreift wird. Es dauert dann nicht mehr lange bis zur Unterführung der A23, der einzigen nennenswerten Lärmquelle am Wanderweg. Nun schon im Unteren Prater holt der Weg in einem weiten Linksbogen bis zur Belvedereallee aus.

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Belvedereallee

Die Belvedereallee muss wohl mindestens zwei Kilometer lang sein – und eine richtig breite Schneise im Auwald. „Fasangarten“ wird dieses Gebiet laut Wiener Stadtplan genannt, den entsprechenden gefiederten Zeitgenossen bekomme ich jedoch nicht zu sehen. Die Allee, die an manch schattigen Stellen einem Eislaufplatz gleicht, führt direkt unter der Ostbahnbrücke hindurch zum Lusthaus, wo sechs Alleen zusammentreffen.

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Lusthaus

Ich begebe mich gleich weiter zur nahegelegenen Gärtnerstraße, wo sich auch die Stempelstelle „Gösser Bierinsel“ befindet. Dort kehre ich auf einen Kaffee ein. Die Bausubstanz dürfte bereits etwas älter sein, als es von außen den Eindruck erweckt und auch das Interieur sieht schon etwas abgenutzt aus. Dafür ist die Qualität des Stempels tipp-topp! Von der „Bierinsel“ ziehe ich dann weiter in Verlängerung der Gärtnerstraße hinein in einen Erdweg am zugefrorenen Lusthauswasser entlang Richtung Donau.

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am Lusthauswasser

Auf der anderen Seite des Weges befindet sich die Freudenauer Rennbahn, wo saisonal galoppiert wird. Heute erlaubt mir das reichlich vorhandene Gegenlicht allerdings keine gute Sicht auf Bahn und Tribüne.

Die nicht geteerten Wege haben noch einen ordentlichen Eispanzer der in der nur langsam wärmer werdenden Luft sehr zögerlich auftaut und das zügige Gehen somit nur am oft matschigen Wegesrand erlaubt. Das Lusthauswasser geht nahtlos ins Mauthnerwasser über, an dessen Ende der Weg seine Kehrtwende vollzieht. Kurz kann ich die Spitze der Pagode am Donauufer erkennen, dann verschwindet der Wanderweg sofort wieder im Auwald. Krebsenwasser, Grünhaufen und die Kapelle „Maria Grün“ heißen die nächsten Stationen, bevor ich die Aspernallee mit Blick auf das Lusthaus erreiche.

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Kapelle ‚Maria Grün‘

Ich bleibe am Waldweg, der mich zur Unterführung der Ostbahn bringt. Dort befinden sich eindrucksvolle Graffiti-Brückenpfeiler-Kunstwerke mit Motiven des Öffentlichen Personennahverkehrs und sonstiger Wiener Wahrzeichen. Street-Art vom Feinsten also.

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Street-Art 1
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Street-Art 2

Noch geht es weiter über Eis und Matsch, je mehr ich mich aber wieder der Zivilisation nähere, desto mehr dominieren die Brauntöne.  Über den Ameisbügel und am Heustadelwasser entlang gelange ich wieder zur A23 und zur Lusthausstraße. Hier könnte man wohl einen deutlich sichtbaren Richtungspfeil anbringen, denn statt direkt am Wasser zu bleiben (wäre bei diesen Bodenverhältnissen vielleicht ohnehin nicht so empfehlenswert gewesen, Anm.) orientiere ich mich weiter an der Lusthausstraße. Anfangs kann ich noch auf einem Fußweg ein wenig neben der Straße unterwegs sein, später bleibt dann nur noch der Weiterweg direkt auf der Straße. Spätestens hier wird der versierte Wanderer dann stutzig – denn dass die Stadtverwaltung den Weg direkt über eine nicht so wenig befahrene Straße führt, obwohl ringsum nette Alternativen zur Verfügung stehen, glaubt ja wohl niemand.

Bis zur Stadionallee bleibe ich noch am falschen Weg, dort bekomme ich meinen Irrtum bestätigt. Es findet sich kein Richtungspfeil zur Orientierung, was mich dazu veranlasst, nach rechts in Richtung Hauptallee abzubiegen. Beim Bootshaus am Ende des Heustadlwassers entdecke ich meine Markierung wieder, die zunächst zur Trabrennbahn in der Krieau weist. Ich passiere die Wendestelle der Liliputbahn, die Baustelle bei der Trabrennbahn, den Rotundenplatz und gewahre das Gelände der Wiener Messe.

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Wiener Messe

Kurze Zeit später bin ich am Rand des Wiener Wurstel- oder Volkspraters. Ein Stück der „Straße des 1. Mai“ entlang gehend fallen mir einige Lokale mit klingedem Namen auf, so z.B. die „Luftburg“ oder v.a. das weithin bekannte „Schweizerhaus“. Letzteres hat gerade Wintersperre, aber pünktlich am 15. März dieses Jahres wird es seine Pforten wieder öffnen.

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Schweizerhaus

Bezüglich der Lokale an der Prater Hauptallee ist mir kürzlich auch ein interessanter Artikel im Wochenmagazin ‚Profil‘ untergekommen. So erfahre ich auch, dass das Lokal bis etwa 1840 „Zur Tabakspfeife“ hieß und wie die meisten damaligen Gastro-Betriebe – anders als heute – zur Hauptallee hin ausgerichtet war. Seit 97 Jahren ist es im Besitz der Familie Kolarik und beinahe ebenso lange wird dort Budweiser Bier ausgeschenkt.

Der Kreis schließt sich nun, ich bin wieder bei der Hauptallee angelangt. Ein paar hundert Meter sind es noch bis zur Unterführung beim Praterstern.

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Prater Hauptallee

Es sind jetzt zur Mittagszeit bedeutend mehr Menschen auf der Hauptallee unterwegs als einige Stunden zuvor, auch wenn es auf dem Foto nicht ganz danach aussieht. Vor allem die Nebenwege sind recht bevölkert.

Nach 3:40 Stunden steige ich am Bahnhof Praterstern wieder in den Zug ein und ziehe Bilanz. Von der drohenden Fadesse bin ich verschont geblieben, denn auch in den hintersten Winkeln der Praterauen gibt es einiges zu entdecken und man bedenke, dass sich das riesige Areal noch im Winterschlaf befindet. Von der Ziel- und Routenwahl her wars wohl auch eine feine Angelegenheit, die Benützbarkeit der Wege war wegen des flachen Geländes kein Problem. Wie ich später erfahre, haben andere am selben Tag auf Wegen mit Gefälle aufgrund der Vereisung größere Mühe beim Vorankommen.

3 Kommentare zu „Stadtwanderweg 9: Im Prater zwischen Bier- und Fasangarten“

  1. In den PraterAuen war mir noch nie fad, denn wenn es was zu sehen gibt, dann sieht man es auch, wie Deine Fotos belegen v.a. das mit dem Lusthaus – wunderschön!

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