Kärntner Mariazellerweg 06: Tag 2 – Vier Berge und ein Brückl bis zum Déjà-vu

Es ist sehr frisch am Morgen und tiefe hochnebelartige Bewölkung ist mit den umliegenden Bergkuppen auf Tuchfühlung. Der heutige Tag ist zweigeteilt, denn am Vormittag werde ich über den Christofberg und den Lippekogel nach Brückl hinunterwandern, um nachmittags via Gretschitz nach Diex aufzusteigen. Ihr habt richtig gelesen – ich werde in jenem Ort und in jenem Gasthof Station machen, wo ich fünf Wochen zuvor (damals noch auf dem Eisenwurzenweg unterwegs) bereits war. Ein Vergleich mit meinem Wanderbuch (noch ein Produkt des Styria Verlages) zeigt, dass ich mit dieser Tageseinteilung die Etappen zwei und drei zusammenlege, was in siebeneinhalb bis acht Stunden Nettogehzeit machbar sein sollte.

Mit Erleichterung stelle ich also fest, die Landschaftsfotos alle schon im Kasten zu haben. Jetzt am trüben Morgen wäre da nicht mehr viel zu holen gewesen. Es empfiehlt sich aber ohnehin, die Aufmerksamkeit in den ersten Minuten ganz auf die Wegführung zu legen, sonst landet man nach einer Wegteilung gleich unterhalb des Magdalensberg-Gipfelhauses nicht in Brückl, sondern auf der alpinen Variante in Guttaring.

Ein Wiesenhang wird am unteren Rand gequert und ein Tiergehege passiert, bevor die nächste Wegteilung ansteht. Bei dieser tut man gut daran, in den im spitzen Winkel nach links wegzweigenden Weg hinein zu blicken, um die Markierung zu erkennen. Bis zur Magdalensberg-Landesstraße befinde ich mich auf einem Waldweg, wobei allerdings lange keine weiteren Markierungen zu sehen sind, was zu einiger Verunsicherung führt. Habe ich eine Abzweigung übersehen? Doch alles ist gut, die rot-weiß-roten Farbstreifen kommen wieder.

Ich gehe nun die Straße weiter abwärts bis zu einer Kehre und dort gerade in einen Karrenweg hinein und auf Obergöriach zu. Bereits dort weist mich ein Richtungspfeil auf den Christofberg hin. An dieser Stelle fällt mir wieder der Vier-Berge-Weg ein und ich denke darüber nach, welche vier Erhebungen wohl gemeint sein könnten. Ich komme zu dem Schluss, dass der Magdalensberg wohl mit einbezogen werden muss und es sich bei den drei anderen um den eben erwähnten Christofberg, den Steinbruchkogel und den Lippekogel handelt. Allesamt werde ich sie zumindest streifen, auf dem Magdalensberg war ich ja schon.

Hinter Göriach steige ich an einer Weide entlang an und gelange in den Wald.

Mäßig steigend und später auf breiteren Forstwegen eher eben weiter erreiche ich schließlich die Kapelle und die Kirche von Christofberg. Das nebenan liegende Gasthaus hat heute Ruhetag, dennoch erhalte ich von der Wirtin ein Getränk und die Gelegenheit, für ein paar Minuten im Warmen zu sitzen. Das Wetter draußen ist noch immer das gleiche wie am Morgen.

Ein paar Schritte muss ich danach zur letzten Wegteilung zurück, um am Hang des Christofberges in Richtung Steinbruchkogel aufzusteiegen. Der Pfad geht in einen sehr angenehmen Kammweg über, leider lässt die Sicht zu wünschen übrig. Nur sehr schemenhaft erkenne ich weiter unten die Kirche von Christofberg.

Bereits am Abhang des Steinbruchkogels angelangt, liegt vor mir ein Tal, auf dessen gegenüberliegende Hangseite ich wechseln soll, um das Areal des verfallenen Gehöfts Wartschler zu erreichen. Im Bereich zwischen dem Steinbruchkogel und dem Zinnoberkogel ist des Wanderers Augenmerk wieder genau auf die Markierung zu richten, unvermittelt wendet sich der Weg von breiten Wegen in schmale, von hohem Gras gesäumte Pfade.

Auch beim Gehöft selbst ist die Wegführung nicht ganz klar. Dahinter beginnt jedenfalls der Anstieg zum Lippekogel, den der Kärntner Mariazellerweg ebenfalls auslässt. Das ist eben der Charakter eines jeden Pilgerweges, dass er die Gipfel eher umgeht und dafür keine Kapelle, keinen Bildstock oder Wegkreuz ignoriert. Aber auch der Hangweg um den Kogel herum ist sehr schön zu gehen und die Stimmung, die er vermittelt, kann durchwegs als herbstlich bezeichnet werden. Zahlreiche Blätter sind bereits gefallen und von der Feuchtigkeit begünstigt schießen die Pilze aus dem Boden – manchmal mitten auf dem Wanderweg.

Vom Weg aus wäre der Gipfel des Lippekogel in rund fünfzehn Minuten erreichbar, nur lohnt er bei den herrschenden Bewölkungsverhältnissen kaum.

Seit dem verfallenen Hof bin ich stets im Wald unterwegs. Sobald ich aus dem Wald heraustrete, breitet sich das Gurktal unter mir aus. Wie herrlich muss die Aussicht wohl bei klarem Wetter sein!

Ich halte mich am Gehöft Mothe vorbei auf eine Sendeanlage zu und sobald diese hinter mir liegt, beginne ich den steilen Abstieg nach Brückl zunächst wieder im Wald auf einem Hohlweg, der zusehends verwachsener wird. Dieser wilde Pfad kürzt einige Kehren der Asphaltstraße ab.

Via Pirkach treffe ich im Tal und somit im Markt Brückl ein. Es ist bereits fortgeschrittene Mittagszeit, weshalb ich mir eine Verpflegungsstelle (und gleichzeitig auch Stempelstelle) an der Bundesstraße suche. Diese Verschnaufpause ist auch notwendig, weil es danach lange und teilweise auch steil nach Gretschitz bergan geht und bis nach Diex keine Einkehrmöglichkeit mehr besteht.

Zu Beginn des Wiederaufstieges begebe ich mich an der Kirche vorbei und benutze vorerst eine asphaltierte Straße, bevor ich in einen Waldweg einbiege, welcher zur Kapelle St. Lorenzen führt. In weiterer Folge gewinne ich zügig Höhenmeter, sechshundertfünfzig werden es bis hinauf nach Gretschitz sein. Bei der Kapelle sehe ich Brückl im Tal wieder und angesichts des scharfen Anstiegs in relativ kurzer Zeit kommen bei mir Gedanken an eine kurze Rast an dieser Stelle auf.

Diese werden nach dem Fotografieren sofort wieder beiseite geschoben, denn der Weg für die geschätzten nächsten dreißig Gehminuten ist schon auszumachen.

Es ist bereits früher Nachmittag und von Brückl nach Diex sind es sicher dreieinhalb Stunden Fußmarsch. Die nach Gretschitz führende Straße gibt mir die grobe Richtung vor, deren Kehren werden vom Kärntner Mariazellerweg jedoch immer wieder abgekürzt. Sobald ich an den Rand eines größeren Waldes stoße, benutze ich gemäß der 06er-Markierung den „Alten Gretschitzweg“, der sich mir als schmaler Hohlweg mit nur punktuell ein wenig Aussicht präsentiert.

Eine Stunde lang stapfe ich nun bergwärts, bis sich der Wald – bereits am Höhenrücken – öffnet und den Blick auf eine freie Fläche freigibt. Ich zwänge mich durch ein Gatter hindurch und werde augenblicklich von neugierigen Pferden beäugt. Eines davon folgt mir bis zu einer Überstiegshilfe auf der gegenüberliegenden Seite. „Komme ich hier genauso hinaus, wie der Wanderer?“, mag sich der Gaul jetzt fragen. Das könnte man zumindest seinem fragenden Blick entnehmen.

Ich stehe nun abermals an der Straße, welche sich von Brückl hier herauf schlängelt, wende mich nach links und laufe direkt auf die gotische Kirche St. Andreas von Gretschitz zu.

Die Straße zieht direkt daran vorbei zum nächsten Wegpunkt des Kärntner Mariazellerweges, dem Kontschar-Kreuz. Es dürften so zwei bis drei Kilometer bis dorthin sein und an sonnigen Tagen hätte mich beim Kreuz sicher eine tolle Aussicht in die Umgebung erwartet. Heute aber muss ich auf den im Wanderbuch beschriebenen Blick auf die Karawanken und die Steiner Alpen verzichten.

Eventuell ist am linken Bildrand des zweiten Fotos unten Diex undeutlich zu erkennen. Laut Buch soll der Ort von hier aus zu sehen sein.

Zum Trost darf ich die Straße hier verlassen und auf einem Karrenweg in den hier beginnenden und  in Richtung Ferlinka-Anwesen leitenden Höhenrücken einsteigen. Wieder wandere ich länger als gedacht durch den Romnigwald aufwärts bis zum Pekartkreuz, wo sich der Marienpilgerweg, der mich seit Klagenfurt begleitet, zum Pipiletzberg hin vertschüsst.

Langsam senkt sich die Sonne, die an diesem Tag so gut wie keine Rolle spielt, zum Horizont hinab, als ich endlich beim Anwesen Ferlinka ankomme und dort auf einen Weitwanderweg stoße, an dem ich mich erst neulich abarbeitete – den Eisenwurzenweg 08 von der tschechischen bis zur slowenischen Grenze. An diesem Weitwander-Kreuzungspunkt ist auch ein Weitwanderstein errichtet.

Für etwa fünf Minuten laufen beide Wege nun auf Diex zu, mitten im Wald wendet sich der Kärntner Mariazellerweg allerdings nach links dem Markt Griffen zu. Ich hingegen folge dem Eisenwurzenweg zu meinem Quartier in Diex im GH Messnerwirt.

Aus dem Wald tretend folge ich dem Weg über zwei Kehren, von denen aus ich normalerweise beste Aussicht ins Tal und in die umgebenden Berge hätte. Immerhin hat sich die Wolkendecke gegen Abend etwas gehoben. Die Wehrkirche von Diex mit ihren zwei Türmen ist schon von weitem sichtbar.

Noch bevor ich den Gasthof betrete statte ich der Wehrkirche einen kurzen Besuch ab, dann wird es ohnehin dunkel.

Im Gasthof selbst kann man sich noch an meinen Besuch vor einigen Wochen erinnern. Ich bekomme sogar dasselbe Zimmer zugewiesen. Ich kann mich nun dem gemütlichen Teil des Tages widmen, also duschen, essen, ein bisschen den nächsten Tag vorbereiten und gut schlafen.

Morgen werde ich wieder zum 06er zurückkehren und nach Griffen absteigen. Alles weiter wird sich weisen, denn es gelingt mir an diesem Abend nicht, im Raum St. Paul im Lavanttal ein Zimmer vorzureservieren. Für Spannung ist also gesorgt.

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