Unterwegs auf der Georgischen Heerstraße: Teil 1 – Mzcheta

Die Georgische Heerstraße ist 207 km lang und nimmt in Tbilissis nordwestlichem Randbezirk Digomi ihren Ausgang. Über Mzcheta, die frühere Hauptstadt Kartliens, erreicht sie die Täler der Flüsse Aragwi und Tergi, bevor sie in der russischen Stadt Wladikawkas in Nordossetien endet. Bereits in der Antike verläuft durch die zuvor erwähnten Täler eine Karawanenstraße. 1783 wird Georgien mit der Unterzeichnung des Traktats von Georgijewsk der Schutzherrschaft des russischen Zarenreiches unterstellt, was de facto einem Anschluss an Russland gleichkommt. Folgerichtig wird der Karawanenweg zu einer für das russische Heer nutzbaren Straße ausgebaut und ab dem Jahr 1799 auch offiziell als Heerstraße bezeichnet. Später bereisen zahlreiche Künstler, Literaten und Abenteurer auf dieser Straße den Südkaukasus, wie etwa Puschkin, Tolstoi, Tschechow, Gorki, Dumas, Moynet und Haeckel.

Reist man von Tbilissi ausgehend in den Großen Kaukasus hinein, passiert man einige interessante Orte wie Mzcheta, Ananuri oder Passanauri. Ab Passanauri biegt die Straße scharf nach Nordwesten ab und steigt später steil in den Wintersportort Gudauri an. Von dort erreicht man über den Kreuzpass die Stadt Stepanzminda, Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Bezirks. Will man in den Wintermonaten hierher, sollte man sich vorab über die Straßen- und Witterungsverhältnisse informieren, denn der Kreuzpass liegt immerhin 2379m hoch.

UNESCO-Weltkulturerbe in Mzcheta

Die erste Station hinter der Hauptstadt Tbilissi ist also die heute nur noch etwa 7500 Einwohner zählende Stadt Mzcheta am Zusammenfluss der Aragwi und der Mtkwari und diese sollte zu jedem Besichtigungsprogramm in Georgien gehören. Die knapp 30 km von Georgiens Hauptstadt entfernte frühere Kapitale ist auch als Tagesausflug von Tbilissi aus gut zu erreichen, denn wer keinen Mietwagen zur Verfügung hat, kann sich einer Marschrutka bedienen und bei der Sweti-Zchoweli-Kathedrale aussteigen.

Die Kathedrale ist jedoch nicht das einzige erwähnenswerte Bauwerk des geistlichen Zentrums von Georgien, auch die Samtawro-Kirche und das Dschwari-Kloster sind einen Besuch wert und gemeinsam mit der Kathedrale spricht man von ihnen als die drei Hauptkirchen der Stadt. Als herausragendes Beispiel mittelalterlicher kaukasischer Kirchenarchitektur wurde die Gesamtheit der Sakralbauten Mzchetas mittlerweile von der UNESCO in ihr Weltkulturerbe aufgenommen.

Die Samtawro-Kirche

Wir beginnen unsere Besichtigungstour mit der Samtawro-Kirche. Das ursprüngliche Gotteshaus stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist heute in ein Nonnenkloster integriert. Wer im Kloster Eintritt begehrt muss sich entsprechend kleiden. Schürzen und Kopftücher werden an Frauen gegen Spenden am von Blumenrabatten gesäumten Weg zur Kirche verteilt.

Früher stand auf diesem Gelände der Palast von König Mirian III. und Königin Nana, welche im Jahr 337 das Christentum als georgische Staatsreligion proklamierten. Beeinflusst wurden sie dabei von der georgischen Nationalheiligen Nino, die in einem nahen Rosengarten oft meditierte und betete. Das Königspaar ließ darum an dieser Stelle eine kleine Kapelle errichten, die als ältester christlicher Sakralbau und erster Kuppelbau in Georgien gilt.

Im ruhigen und friedlichen Klostergarten steht ein heiliger Brombeerstrauch, an dem Nino um den Beistand Christi gebeten haben soll, um den König Georgiens zum Christentum zu bekehren.

Der restaurierte Innenraum der Kirche enthält wunderbare Wandgemälde.

König Mirian III. und seine Frau Nana wurden in der Samtawro-Kirche beigesetzt. Ihre Gräber sind im Inneren der Kirche unschwer auszumachen.

Das Fotografieren im Inneren der Erlöserkirche aus dem 11. Jahrhundert ist nicht gestattet, aber auch ihre äußere, schmuckreiche Fassade ist durchaus sehenswert.

Neben der Kapelle sind im Garten noch einige Grabplatten zu besichtigen. Eine von ihnen weist auf das Grabmal des bekannten georgischen Mönchs Gabriel Urgebadze hin, welches auch gerne von Pilgern besucht wird.

Der dort auch errichtete dreigeschossige, frei stehende Glockenturm stammt aus dem 15. oder 16. jahrhundert.

Sweti-Zchoweli-Kathedrale

Von der Samtawro-Kirche aus ist die mittelalterliche Sweti-Zchoweli-Kathedrale in wenigen Minuten Fußmarsch zu erreichen. Sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut, gilt heute als zweitgrößter Kirchenbau Georgiens und ist gleichzeitig der Sitz des Erzbischofs von Mzcheta und Tbilissi. Die Anlage ist von starken Festungsmauern umgeben, so dass man sie durch ein großes Tor betreten muss.

Augenblicklich hat man die Kathedrale vor sich, um deren Bau sich die Legende vom „lebensspendenden Baum (sweti zchoweli)“ rankt. Ein Engel soll nach einem Gebet der heiligen Nino bei der Errichtung der Kathedrale geholfen haben, indem er einen Baum zu Fall brachte, der anschließend einen Saft abgesondert haben soll, bei dessen Berührung angeblich Krankheiten geheilt wurden.

Der Sakralbau wirkt innen eher schlicht, weiß aber gerade deswegen zu beeindrucken.

In einem Seitenschiff auf der rechten Seite schmiegt sich die Kopie der Grabeskirche von Jerusalem aus dem  13. oder 14. Jahrhundert an die Wand. Einer der Legenden nach soll sich das Gewand Jesu in diesem Kirchlein befinden. Nach anderer Überlieferung muss man im Grabmal der heiligen Sidonia unter einem steinernen, wachturmartigen Baldachin aus dem 17. Jahrhundert, vor dem immer eine Lampe brennt,  nach dem Gewand suchen.

Die Kathedrale war über die Zeit hinweg sowohl Krönungs- als auch Begräbnisort diverser georgischer Könige. Vor der Altarwand stößt man auf einige Grabplatten, unter ihnen jene von König Irakli II. (1720-1798) und König Georgi XII. (1746-1800). An Messingständern gespannte Seile kennzeichnen jenes Grabmal, wo angeblich König Wachtang I. Gorgassali, der Stadtgründer von Tbilissi, beerdigt sein soll. Man findet sie neben jener für König Irakli II.

Ungefähr in der Mitte des linken Seitenschiffes findet man eine kleine Kapelle, die eine Reliquie vom Kreuz Jesu Christi enthalten soll.

Wunderschöne Fresken und Reliefs zieren das Innere und Äußere der Kirche, doch leider ist der Andrang meist sehr groß, weil sich häufig Hochzeitsgesellschaften hier aufhalten – insbesondere an den Wochenenden.

Kloster Dschwari (Kreuzkirche)

Die Kreuzkirche auf einem Vorsprung des Sagurani-Bergrückens ist von der Altstadt Mzchetas aus gut zu erkennen. Wer ihr einen Besuch abstatten möchte kann dies für knapp 20 GEL (inkl. 60 Min. Wartezeit des Fahrers) auch mit einem Taxi bewerkstelligen.

Die Kirche wurde am Ende des 6. Jahrhunderts an jener Stelle gebaut, wo die heilige Nino ein Holzkreuz errichtet haben soll. Obwohl auch diese kleine Kirche zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, besticht hier eines der am vollkommensten erhaltenen Denkmäler frühgeorgischer Baukunst durch seine Schlichtheit.

Vom Kloster hat man einen herrlichen Überblick über die Stadt Mzcheta und die beiden Flusstäler der Mtkwari und der Aragwi. Schon allein deswegen lohnt der Abstecher auf die Anhöhe.

Den Zusammenfluss von klarem und von schmutzig-braunem Wasser konnte ich davor erst einmal in Dawson City im kanadischen Yukon beobachten.

Fazit

Für diese drei Klöster bzw. Kirchen sollte man zumindest einen Halbtag einplanen, womit für einen Ausflug auf der Georgischen Heerstraße bis in den Bereich Stepanzminda eine Übernachtung unterwegs anfällt. Will man in Mzcheta mehr besichtigen, wie zum Beispiel die Antiochia-Kirche, die Ruine Bebrisziche, das Kino Armasi oder das Kloster Schiomgwime, dann sollte man von Tbilissi aus einen Tagesausflug nach Mzcheta ins Auge fassen und die Heerstraße auf einen anderen Tag verschieben.

Mzcheta ist heute einigermaßen touristisch geprägt, was auch an den zahlreichen Ständen und Kiosken vor den Mauern der Sweti-Zchoweli-Kathedrale zu sehen ist. Wir sind an diesem Tag noch bis nach Gudauri weitergefahren, meine Eindrücke vom Großen Kaukasus muss ich jedoch bis zum zweiten Teil zurückhalten.

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