Nordwaldkammweg Tag 5: Vom Sternstein an die Große Mühl

Die Zimmer in der „Waldschenke“, die an durchreisende Wanderer vergeben werden, sind anscheinend nicht die besten des Hauses und auch nicht allzu groß, die Mahlzeiten passen aber. Darum lassen Astrid und ich uns eher beim Frühstück Zeit, als im Stock oben. Über Nacht hat es vollständig aufgeklart, somit können wir einen ausgezeichneten Rundblick von der nahen Sternsteinwarte erhoffen. Die auf der Homepage der „Waldschenke“ gepriesene Aussicht ins Tal lässt sich jedoch nicht so ohne weiteres von mir nachvollziehen. Möglicherweise sind auch einige Baumwipfel in einem Ausmaß in die Höhe geschossen, dass sie den Weitblick bereits ein wenig beschränken. Vom Zimmer aus ist nur der angrenzende Wald zu sehen, darum setzen wir aussichtsmäßig voll auf den Sternstein.

Tag der Tour: 06.05.2018;

Strecke: GH ‚Zur Waldschenke‘ am Sternstein – Guglwald – Haslach an der Mühl;

Länge: 25km; Aufstieg: 653hm; Abstieg: 886hm;

Während des Aufstieges sehen wir öfter auch die Markierung des Salzsteigweges mit der Nummer 09, welcher am Sternstein seinen Ausgang nimmt und den Weitwanderer bis in die Nockberge im Süden des Landes und noch weiter nach Arnoldstein bringt. In weniger als dreißig Minuten ist der Anstiegsweg erledigt und wir stehen am oberen Ende eines ausdehnungsmäßig überschaubaren Skigebietes mit seinen Liften. Einige Wanderschritte danach erklimmen wir die ersten Stufen der Aussichtswarte.

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die Aussichtswarte am Sternstein

Zu dieser Tageszeit sind wir noch allein auf der Aussichtsplattform, was sofort für Fotos genutzt wird. Auf der einen Seite blicken wir auf die kultivierten Täler und Wälder des Mühlviertels hinab, auf der anderen Seite befindet sich fast ausschließlich dichter – überwiegend wohl schon tschechischer – Hochwald. Die hohen Gipfel der Alpen sind im Dunst kaum noch zu erkennen. Wenn wir nicht erst am Beginn der Tagesetappe stünden, würden wir hier noch eine Weile länger verweilen.

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Aussicht von der Sternsteinwarte ins obere Mühlviertel

So aber wenden wir uns unserem nächsten Ziel, nämlich dem Hirschenstein mit seinem markanten „Windpark Sternwald“, zu. Den bergab führenden Waldpfad verlassen wir bald und biegen in eine durch den Sternwald führende Forststraße ein, welche sich kurz darauf zu einer geschotterten Zufahrtsstraße zum Windpark verbreitert. Ab der Kreuzung beim Bildbaum „Hölzerner Hergott“ werden die so verlorenen Höhenmeter wieder gewonnen. Weil direkt auf dem Hirschenstein der Windpark steht, weicht der klassische Nordwaldkammweg nahe der Staatsgrenze zum „Roten Marterl“ aus.

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Sitzgelegenheit beim „Roten Marterl“

Beim Marterl legen wir eine erste kurze Pause ein. Die Bäume ringsum bieten leichten Windschutz, während die „ungeschützten“ Windräder ihre Leistung erbringen können. Ein weiterer Forstweg bringt uns zu den Höfen der Streusiedlung „Sternhäusl“, welche von einer satten, gelb leuchtenden Blumenweide umgeben ist.

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Blumenweide am Fuße des Hirschenstein

Nach der Siedlung folgt mit dem „Grubhäusl“ noch ein Gehöft, zwischen dessen Häusern wir durchmarschieren. Laut meiner Karte (keine Ahnung, ob die den aktuellen Wegverlauf wiedergibt) hätten wir dort allerdings nicht hinkommen sollen, sondern weiter oben am Hang in den Wald hinein. So gelangen wir auf Abwegen nach Guglwald.

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Guglwald jenseits des vom Freibach durchzogenen Grabens

Bei einem Bauernhaus direkt an der Grenze beim Mahnmal „Eiserner Vorhang“ sind wir wieder auf dem richtigen Weg unterwegs. Nur wenige Meter rechts von uns hat man Teile des Stacheldrahtzaunes  wieder und linker Hand einige Schautafeln neu errichtet, welche an die undurchlässige Trennlinie zweier grundverschiedener politischer Systeme erinnern soll. Auch das alte Zollhaus beim Grenzübergang existiert noch.

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Mahnmal „Eiserner Vorhang“ bei Guglwald

In Guglwald bietet sich ein 4*-Hotelrestaurant als Verpflegungsstation an, wir entscheiden uns jedoch dagegen, sich dieses zu leisten und ich besorge mir nur an der Hotelrezeption den Kontrollstempel. Auch die angeblich sehenswerte Franzosenkapelle auf dem Hotelareal lassen wir aus und setzen gleich unmittelbar auf einer Asphaltstraße zur „Löfflersäge“ hin fort. Bei strahlendem Sonnenschein wie heute kann man hier regen Motorradverkehr erwarten.

Halbe Sachen machen wir nicht, weshalb wir beim Gedenkstein „Halber Weg“ – der sich auf die alte Route des klassischen Nordwaldkammweges  ab dem Nebelstein bezieht – auch nicht stehen bleiben. Bei der „Löfflersäge“ an der „Steinernen Mühl“ zweigt glücklicherweise ein schmaler Pfad über einen Wiesenhang bergauf weg. Bevor man oben in den Wald eintritt, sei ein kurzes Umdrehen empfohlen. Der Anblick des Hirschenstein mit den Windrädern und den blühenden Blumenwiesen ist sehenswert.

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Löfflersäge mit Blick zum Hirschenstein mit dem Windpark

Ein angenehm schattiger Waldweg leitet uns nun an der Stelzer-Kapelle vorbei bergan an den oberen Rand der Streusiedlung Afiesl. Am Waldrand entlang gehend haben wir deren Häuser stets im Blickfeld. Neuerlich durch ein Waldstück hindurch visieren wir nun die Helfenberger Hütte an, welche (derzeit) als Ferienwohnung vermietet wird. Zur allgemeinen Labung stehen in einem Brunnen Getränke zur Verfügung. Eine Rast ist uns hier jedenfalls willkommen.

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Helfenberger Hütte

Nach der Pause bei der Hütte nähern wir uns über Wiesen kurz nochmals bis auf wenige Meter der Staatsgrenze, um dann sanft durch Wald und über weitere Wiesen zur Siedlung Innenschlag aufzusteigen. Ein letztes Mal sehen wir hier den Hirschenstein und ganz in der Ferne lässt sich auch der Sternstein noch erahnen. Von Innenschlag an geben wir – von einer Hangquerung durch den Wald abgesehen – ordentlich Höhenmeter ab. Zunächst geht es einmal in die Siedlung Dambergschlag hinunter.

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bei Dambergschlag – Blick ins Tal der Großen Mühl mit Aigen-Schlägl in der Ferne

In diesem Bereich müssen wir genau auf die Markierungen achten, denn der Wegverlauf ist wegen der schmalen Gebüschdurchlässe aus der Entfernung nicht immer klar ersichtlich. Dennoch kommen wir ohne Verhauer und Zeitverlust in der Streusiedlung Haid an. Der restliche Weg nach Haslach an der Mühl hinunter bringt keinerlei Schwierigkeiten mehr mit sich, so dass wir bereits am mittleren Nachmittag im Zielort einlaufen.

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Haslach an der Mühl – Marktplatz

Der Marktplatz von Haslach ist schnell erreicht, doch stellt sich für uns die Frage, wie wir von hier heimkommen und wie viel Zeit wir noch haben, um etwas zu essen. Unsere Mägen sind einigermaßen leer, die Aussicht auf eine stundenlange Heimreise ohne Nahrung ist da nicht wirklich prickelnd. Immerhin hat der Platz eine Bushaltestelle zu bieten, welche sich bei genauerer Betrachtung auch als Sammelpunkt des Zubringerservice zum drei Kilometer entfernten Bahnhof entpuppt. Der kostet zwar ein paar Euro, doch wie sich später herausstellt, ist der Transfer vom Bahnhof in den Ort zurück kostenlos. Der ausgeschilderte Fahrplan lässt uns eine Stunde Zeit zur Labung, welche wir im angenehmen Gastgarten des Gasthauses Baier verbringen.

Ein weiteres wunderbares Wanderwochenende geht damit zu Ende. Wann es wieder weitergehen wird, steht zu diesem Zeitpunkt noch in den Sternen. Die Wochen darauf bin ich jedenfalls anderweitig engagiert, so dass ein Abschluss im Dreiländereck Bayern-Böhmen – Oberösterreich erst für den folgenden Sommer oder Herbst angedacht ist. Leider ergibt sich im Verlauf des Jahres 2018 kein gemeinsam mit Astrid für den Nordwaldkammweg nutzbares Wochenende mehr, so dass ich den Weg alleine am Dreisesselberg werde beenden müssen.

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