Eisenwurzenweg 08: Tag 15 – Abstieg ins Paltental

Die heutige Wanderung wird sehr entspannt, da schon in Trieben im Paltental witterungsbedingt wieder Schluss für diesmal ist. Bereits um die Mittagszeit werde ich voraussichtlich dort eintreffen und vermutlich noch ausreichend Zeit vor der Abfahrt des Zuges haben, um einen Gasthof aufzusuchen. Über meine erste Nacht in der auf der Treffneralm gelegenen Mödlinger Hütte kann ich jedenfalls nicht klagen, darum starte ich gut in den Tag und stehe bald nach dem leckeren Frühstück startbereit in meinen Wanderschuhen und schultere mein Marschgepäck.

Wenn ich im Titel dieses Beitrages vom Abstieg schreibe, dann meine ich natürlich, dass es nicht ausschließlich bergab geht, sondern dass sich dazwischen auch eine Steigung vor mir aufbaut. Eine solche schließt unmittelbar an den steilen Abstieg zum Flitzenbach im gleichnamigen Graben an. Der Wiederaufstieg zum Kalblinggatterl ist aber auch schon das konditionell Anspruchsvollste, das mir heute bevorsteht. Zu Beginn jedoch gebe ich kontinuierlich Höhenmeter ab und lasse die Mödlinger Hütte rasch hinter mir.

Auf den ersten Metern habe ich noch freie Sicht über das enge Tal, welches sich im Bereich der Flitzenschlucht noch einmal verschmälert. Geradewegs vor mir auf der anderen Seite des Grabens ist jener Sattel, wo sich das Kalblinggatterl befindet. Sobald ich in den Wald eintrete, ist es mit der Aussicht aber vorbei. Statt dessen muss ich mich stark auf den Weg und dessen Verlauf konzentrieren, was vor allem für die Forstwegequerungen gilt.

Bereits ziemlich weit im Tal unten wird der Pfad flacher und ich höre den Flitzenbach rauschen. Auch wenn es nun eben oder nur leicht fallend dahingeht, gilt es die eine oder andere heikle Bachquerung auf abgerutschten Wegspuren zu meistern. Es folgt ein eher gemütlicher Gegenanstieg, an dessen Beginn Uneinigkeit bezüglich der Notation offensichtlich wird, was mich etwas verwirrt. Heißt es nun Flitzenbach oder Fliezenbach? Oberhalb der Holzknechthütte vorbeiziehend, erreicht der Weg die Hintere Flitzenalm und ich ihre blühende Weide.

Damit eröffnet sich für mich auch die Aussicht auf die umliegenden Berggipfel wieder. Die letzten Schritte zum an dieser Stelle beinahe ausgetrockneten Flitzenbach hinunter sind wieder steil, bei der Bachquerung selbst ist Konzentration hinsichtlich der Markierung und der Fortsetzung des Pfades am gegenüberliegenden Ufer gefragt.

Ebendort befinde ich mich auf dem Gelände der Vorderen Flitzenalm und schicke mich an, die verlorenen Höhenmeter wieder wettzumachen. Seit meiner Begehung des Nordalpenweges, welcher hier noch immer mit dem Eisenwurzenweg parallel verläuft, dürfte sich einiges geändert haben. Mir kommt vor, dass der markierte Wanderweg zu einer neu angelegten Forststraße hin verlegt wurde, so dass der Anteil des Pfades im Vergleich zu jenem der Forststraße gefühlt nun deutlich weniger ist. Ich steige also zum Kalblinggatterl hinauf, von wo aus ich auch den einen oder anderen Gipfel in meine Wanderung einbauen und eine Nacht in der Oberst-Klinke-Hütte (oder kurz: Klinkehütte) anhängen könnte. Die Wettervorhersage spricht allerdings dagegen, so dass ich mich auf direktem Weg zur eben erwähnten Hütte begebe und die Wirtsleute dort für kurze Zeit beehre. Vor der Hütte gibt es einen Parkplatz, den man über eine mautpflichtige Straße erreicht. Hier kommt mir das Umschlagsbild meines Wanderbuches in den Sinn, welches exakt hier aufgenommen wurde. Aus diesem Gedanken heraus schieße ich ein zumindest ähnliches Foto.

Entlang eines Zuflusses zum Kaiseraubach steige ich danach in Richtung Kaiserau ab. Der zunächst schmale Weg endet irgendwann abrupt dort, wo mich das Gelände über eine steile, abgerutschte Böschung etwa zwei bis drei Meter tiefer auf einen Schotterweg zwingt, dem ich von da an länger bis zur Sportalm in der Kaiserau zu folgen habe. Schon bald vertschüsst sich der Nordalpenweg nach Admont hinüber, während ich meine Gehrichtung vorerst noch beibehalte und in die Kaiserau hineinwandere. Motorsägengeräusch macht mich gleich eingangs auf einen steilen Hang rechter Hand aufmerksam, wo sämtliche Nadelbäume mit der Spitze nach unten wie Mikadostäbchen durcheinander liegen. Es muss ein ordentlicher Fallwind gewesen sein, der dies verursachte.

Dort, wo Straßen und Parkplätze vorhanden sind, gibt es auch Spaziergänger, darum wundert es mich nicht, dass ich ausgerechnet in der Kaiserau den einzigen an diesem Tag begegne – von Trieben später einmal abgesehen. Unter der Woche ist auf der Sportalm nichts los aber eigentlich ist die Kaiserau ein Wintersportgebiet mit Pisten und Liften. Grasski dürfte hier hingegen nicht so hoch im Kurs stehen.

Auch im Schloss Kaiserau gleich nebenan herrscht alles andere als Hektik. Eventuell hätte ich solche verursachen können, indem ich mich nicht an die Wegführung gehalten hätte, sondern auf das Gelände gelaufen wäre. Das verkneife ich mir aber und marschiere brav darum herum und weiter bis zum Kaiserauteich, in dessen unmittelbarer Nähe sich eine Kreuzung mit mehreren Verzweigungen befindet. An dieser Stelle hilft mir eher die Karte als die Markierung vor Ort, um den korrekten Weg zu finden. Nach ein paar Metern auf der Mautstraße zweigt der Eisenwurzenweg auf einen Forstweg nach rechts in den Wald weg und umgeht so den Eggerkogel. Leicht bergan geht es trotzdem, bis ich in einer Linkskurve auf ein Almgebiet stoße, von wo aus ich erstmals das Paltental und jenen Teil der zu den Niederen Tauern gehörenden Triebener Tauern auf der anderen Seite überblicke, durch den ich irgendwann in näherer Zukunft meinem Endziel näherkommen will. Die Gipfel der Rottenmanner Tauern sind bereits von der Kaiserau aus erkennbar.

Das Weideland ist wohl dem Gehöft Egger zuzurechnen und genau hier soll ich mich laut Karte von der Schotterstraße nach rechts weg und ins Tal hinab wenden. Das spielt es jedoch nicht, weil an dieser Stelle offensichtlich kein Weg mehr vorhanden ist und vorerst nur die Fortsetzung auf der Schotterstraße offensteht. Einige Minuten der Ungewissheit ziehen an meinen Nerven, als endlich eines der gelben Schilder auftaucht und mich auf einen teilweise verwachsenen Pfad bergab in den Wald hinein leitet. Der Ersatzweg ist nur notdürftig markiert, doch immerhin haben einige Vorbegeher eine Spur ausgetreten, an der ich mich zusätzlich orientiere. Diese führt zu einem Karrenweg, wo von rechts oben wieder die gewohnte Kennzeichnung des Eisenwurzenweges auftaucht. Vor diesem Abschnitt hatte ich schon im Vorfeld der Tour etwas Respekt hinsichtlich der Wegfindung, weil ich gröbere Zeitverluste zu bedenken hatte. Jetzt, wo er hinter mir liegt, richte ich meinen Fokus auf Dietmannsdorf. Davor erkunde ich noch jede Menge an Waldwegen. An Plätzen, wo ich kurz einmal in den Genuss einer Aussicht komme, wirkt Trieben gefühlt immer nur unwesentlich näher als zuvor.

Ich sehe bereits meinen Zeitplan durcheinander geraten und verschärfe mein Tempo. Bei den Höfen von Obersonnberg trete ich schließlich aus dem Wald. Der Rest ist dann eine reine Straßenwanderung über Dietmannsdorf bis nach Trieben hinein – mit einer kurzen Ausnahme: Unmittelbar nach der Brücke über die A9 bevorzugt der Wanderweg den Acker entlang einer Sträucherzeile, um ein Straßenstück ohne Fußweg zu meiden. Unter den Gleisen der Bahn hindurch erreiche ich jenen Kreisverkehr, an welchem diese Etappe für mich endet. Nach links geht es zum Bahnhof, ich aber wende mich doch noch einmal geradeaus weiter bis zum Gasthof Triebener-Hof.

Bevor ich dort einkehre, erkunde ich die Fortsetzung des Weges bis zur Abzweigung in den Wolfsgraben, durch den ich beim nächsten Mal zum GH „Zum Brodjäger“ aufsteigen werde. Dann lasse ich meinem Körper die wohlverdiente Stärkung zukommen. Mittlerweile beginnt es leicht zu tröpfeln, in den Rottenmanner Tauern ist jedoch bereits ein deutlicher Regenvorhang zu erkennen. Somit wird der nächste Abschnitt auf dem Eisenwurzenweg von mir zu Recht auf den August vertagt, denn kalt soll es überdies auch werden. Vom Urlaubsbudget her könnte sich dann nicht nur das Murtal, sondern sogar der Zirbitzkogel – also der höchste Punkt auf dem gesamten Eisenwurzenweg – und die Überschreitung der Saualpe bis nach Völkermarkt in Kärnten ausgehen.

Vom Profil her ist die Etappe von der Mödlinger Hütte nach Trieben eher weniger spannend. War jemand von euch schon einmal in der Kaiserau oder hat die Oberst-Klinke-Hütte besucht? Oder haben gar einige von euch alles schon von oben gesehen, indem sie von der Oberst-Klinke-Hütte über Kalbling, Riffel und Kreuzkogel gewandert sind? Lasst es mich wissen!

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