Nordwaldkammweg Tag 1: Ausholen – Eintauchen – Aufsteigen.

Der Nordwaldkammweg ist Österreichs ältester Weitwanderweg. Bis vor einem Jahr hat er bei mir nicht gerade hohe Priorität, doch das ändert sich mit dem Angebot einer Bekannten, sie auf diesem Weg zu begleiten. Einen beinahe noch druckfrisch neu aufgelegten Wanderführer gibt es auch noch dazu und somit schafft es der 105er flugs an die Spitze der bucket list für 2018.

Wie schon eingangs erwähnt, ist der Nordwald – obwohl stark daran erinnernd – kein skandinavisches Gehölz oder sonst irgendeine Tundrenlandschaft, sondern er befindet sich an Österreichs Nordgrenze zu Tschechien auf einem Höhenrücken in Ost-West-Richtung betrachtet vom Waldviertel über das Mühlviertel bis zum Dreiländereck Böhmen-Oberösterreich-Bayern. Der Weg wird in drei Varianten beschrieben, von denen nur die klassische Variante stets auf österreichischem Staatsgebiet bleibt. Genau für diese entscheiden wir uns folglich.

Termine für die Touren sind bald gefunden. Der Plan sieht vor, dass nur an Wochenenden (Sa/So oder Sa/So/Mo) gegangen wird.

Tag der Tour: 21.04.2018;

Strecke: Nové Hrady – Pyhrabruck – Mand(e)lstein – Nebelstein;

Länge: 19,2 km; Aufstieg: 751m; Abstieg: 302m;

Der klassische Weg nimmt im ein wenig verschlafen wirkenden Grenzort Pyhrabruck seinen Ausgang, was die spannende Frage aufwirft, wie motivierte Wanderer diesen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Wochenenden erreichen können. Die Antwort ist kurz und bündig – nämlich gar nicht. Damit ist eine kreative Lösung gefragt und die wäre: Man nehme noch ein kurzes Stück der Variante Nordwaldkammweg II mit und fahre nach Nové Hrady auf die tschechische Seite (ausholen). Von dort ist man in weniger als einer Stunde zu Fuß in Pyhrabruck. Die Anreise nach Nové Hrady erfolgt mit der Franz-Josefs-Bahn bis Céske Velénice und von dort weiter mit einem Regionalzug Richtung Céske Budejovice bis nach Nové Hrady Bahnhof, wo ein Bus wartet, der einen die restlichen vier bis fünf Kilometer zum Busbahnhof im Zentrum von Nové Hrady bringt.

IMG_1999 Nové Hrady - Hauptplatz_prot_1600x1200_250KB
Nove Hrady – Hauptplatz

Dort treffe ich auch Astrid, die Initiatorin dieser gemeinsamen Tour, welche uns in drei Tagen zunächst bis nach Freistadt führen soll. Nach meinem kurzen Abstecher zum Hauptplatz beginnen wir mit der Suche nach dem Weg bzw. nach dessen Markierung. Nach vorangegangenem Kartenstudium erweist sich das als unschwierig und wir befinden uns rasch auf einer schmalen Straße, die zum Teich Zevlúv führt. Dort wird gleich einmal die erste Fotopause eingelegt.

IMG_2000 Aufstiegsweg nach Pyhrabruck - Anglerteich - Astrid_prot_1600x1200_250KB
am Teich Zevlúv entlang

Gleich darauf geht es bereits die erste Geländestufe zum ehemaligen Zollhaus kurz vor Pyhrabruck empor. Übriggebliebene Stacheldrahtzäune entlang des Weges bieten uns  eine Art Freilichtmuseum der jüngeren Geschichte. Beim gar nicht so verlassenen Zollhaus befindet sich eine Gaststube, in die anscheinend auch der „Superbiker“ (Radfahrer im Superman-Shirt; leider kein brauchbares Foto) gerne einkehrt. Bevor dieser aber den Abflug macht, wandern wir über die Grenze nach Österreich hinein, streifen dabei den Grenzort Pyhrabruck und wenden uns nun dem Mandlstein zu.

IMG_2009 Pyhrabruck - rechts der Mandlstein_prot_1600x1200_250KB
wieder in Österreich – Pyhrabruck

Hier ist auch der Beginn des klassischen Nordwaldkammweges (eintauchen). Wir sind nun im Wald unterwegs, wahrscheinlich bereits in einem Teil des großen zusammenhängenden Nordwaldes. Der Weg verläuft hier öfter exakt an der Grenze zu Tschechien und ist ausgezeichnet markiert, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, wo bei Wegteilungen nach der „trial and error“-Methode vorgegangen werden muss. Immer mehr Granitblöcke sind zwischen den Bäumen zu sehen und schließlich beginnt der Aufschwung zum Mandlstein. Auf dessen Aussichtsgipfel bin ich bei den heutigen Top-Wetterbedingungen natürlich besonders gespannt. Zuvor stoßen wir jedoch noch auf diesen interessanten Felsdurchlass.

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kleiner Felsdurchlass kurz vor dem Mandlstein

Von da weg sind es nur noch wenige Minuten bis zum Gipfelaufbau, samt dessen relativ neu wirkenden Aussichtsplattform. Vielleicht existiert sie aber auch schon länger und ich konnte sie im dichten Nebel vor Jahren nur nicht erkennen. Und heute: kein Vergleich zu damals!!! Nichts kann den Blick in die Ferne trüben und ich sehe tief nach Böhmen bzw. vielleicht ein Stück nach Mähren hinein. Den weiteren Verlauf des östlichen „Nordwaldkammes“ erkenne ich sowieso. Was ist mir da vor Jahren entgangen!

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auf dem Mandlsteingipfel mit Aussichtsplattform – hallo Böhmen!

Weil sich am Gipfel auch eine Rastbank befindet, verweilen wir hier für einige Zeit, genießen die Ruhe und erfreuen uns an dem, was wir sehen. Wir stehen erst wieder auf, als sich andere Wanderer bzw. Besucher nähern und begeben uns via (Forst-) Straße in den langgezogenen Kurort Moorbad Harbach. Damit begehe ich auch ein Stück der Variante des Ostösterreichischen Grenzlandweges ein zweites Mal. Vom Kurort aus ist der Nebelstein bereits zu sehen.

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durch Moorbad Harbach hindurch…

 

IMG_2030 Moorbad Harbach - Nebelstein - Astrid_prot_1600x1200_250KB
… und dem Nebelstein entgegen

Davor wollen allerdings noch zwei Kilometer Straße bis zum Gasthof „Holzmühle“ bewältigt werden. Ziemlich warm ist es mittlerweile geworden und weil wir nicht einkehren wollen, nehmen wir auf einer in der Nähe stehenden Bank an der Straße Platz, um für ein wenig Energiezufuhr zu sorgen.

Die Straße wird dann kurz vor Maißen verlassen. Über Wiesen gelangen wir zur „Waldpension Nebelstein“, wo der eigentliche Anstieg zum Nebelstein beginnt (aufsteigen). Nach einigen steileren Höhenmetern passieren wir die Kapelle Obermaißen, wo sich uns ein toller Blick nach Moorbad Harbach und den Mandlstein offeriert.

IMG_2035 Aufstieg zum Nebelstein - Blick auf Moorbad Harbach_prot_1600x1200_250KB
Moorbad Harbach von der Kapelle Obermaißen aus

Der restliche Weg bis kurz vor die Nebelsteinhütte ist eher für Speedhiker angelegt. So wandern wir etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten auf einer breiten und nur leicht  ansteigenden Schotterstraße dahin. Bei so viel Monotonie ist tunlichst darauf zu achten, die Abzweigung zur Nebelsteinhütte nicht zu verpassen. Der letzte halbe Kilometer hat dann auch eher den Charakter eines Gipfelaufstieges. Kurz nach sechzehn Uhr kommen wir bei der Hütte an, nehmen die Aussichtsplattform am Gipfel aber sogleich in Angriff. Bei meinem (nun tatsächlichen) Erstbesuch hier heroben ist dies ohnehin Pflicht.

IMG_2042 Nebelstein - Blick zum Mandlstein_prot_1600x1200_250KB
Gipfelkreuz am Nebelstein, dahinter Moorbad Harbach und der Mandlstein

Weit ins Land sieht man von hier, wenn das Wetter passt. Die Zeit kann man sich mit dem Zählen der umliegenden Erhebungen vertreiben. Außer dem Mandlstein und dem sich daneben befindenen „Hut“ sind mir kaum weitere Mugel namentlich bekannt. Mit dem Ostrong befasse ich mich erst im weiteren Verlauf dieses Jahres. Ob man den von hier heroben schon erblicken kann?

Nach den Ohs und Ahs der staunenden Wanderer arbeiten die Kameras auf Hochtouren. Als es dann allmählich wieder abzukühlen beginnt und die Mägen knurren, lockt die nahegelegene Hütte mit ihrem kulinarischhen Angebot.

IMG_2045 Nebelsteinhütte - Astrid_prot_1600x1200_250KB
der Geruch von warmen Speisen treibt uns zur Hütte

Bei köstlicher Speis und wohlmundendem Trank lassen wir den Tag in der warmen Wirtsstube ausklingen und freuen uns  auf den nicht minder schönen nächsten Tag, an dem wir es bis nach Sandl (bereits in Oberösterreich) schaffen wollen. In der Hütte sind wir die einzigen Nächtigungsgäste, wodurch es am Abend schnell ruhiger wird.

Fazit: Ein recht schöner und gemütlicher Einstieg in diesen Weitwanderweg. Mit der Anreise über Tschechien haben wir außerdem eine recht gute Wahl getroffen. Wenn man die tschechische Landeswährung nicht (in ausreichendem Ausmaß) dabei hat, scheinen die nördlichen Nachbarn beim Fahrpreis ein wenig flexibler zu sein, als ihre österreichischen Kollegen.

 

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